Umfrage: Zwei Drittel der Firmen befürchten schlechtere Auftragslage

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Viele tschechische Unternehmen sind derzeit etwas verschnupft. Zwei Drittel von ihnen hegen die Befürchtung, dass sie ihre Position am Markt nicht halten können. Denn ihre Auftragsbücher für das erste Quartal 2014 sind leerer als erwartet. Das ergab eine Umfrage der Tschechoslowakischen Handelsbank (ČSOB), die vergangene Woche veröffentlicht wurde.

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Für diese Skepsis gibt es zwei Gründe: Zum einen die wider Erwarten schlechte Prognose zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im vergangenen Herbst, und zum Zweiten machte den Firmen der Eingriff der Zentralbank am Devisenmarkt, der Anfang November zu einer Schwächung der Tschechischen Krone führte, einen Strich durch die Rechnung. Die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal 2013 wurde inzwischen vom Tschechischen Statistikamt (ČSÚ) mit einem leichten Zuwachs nach oben korrigiert. Die Schwächung der Krone aber bekommen vor allem jene Firmen bereits zu spüren, die ihre Waren im Ausland beziehen.

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So müssen zum Beispiel Prager Cafés für den Kauf eines 60 Kilogramm schweren Sacks mit Kaffee aus Peru, Indonesien oder Äthiopien umgerechnet 37 Euro mehr zahlen als vor dem Eingriff der Zentralbank. Die Anschaffung einer neuen Kaffeemaschine wiederum kostet rund 300 Euro mehr. Das schränke die unternehmerische Tätigkeit merklich ein, bemerkt der Mitinhaber der Firma Mamacoffee, Daniel Kolský:

„Wir müssen jetzt jeden Schritt, den wir machen wollen, nochmals sorgfältig überdenken.“

Ähnliche Überlegungen treffen inzwischen auch die anderen Firmen, die sich in der Umfrage unter 500 mittelständischen und kleinen Unternehmen skeptisch geäußert haben. Demgegenüber zufrieden mit der eigenen Situation ist ein Drittel der Befragten, die überwiegende Mehrheit dieser Arbeitgeber blickt daher optimistisch in die Zukunft. Aber auch für viele Firmen, die derzeit noch pessimistisch sind, könnte sich das Blatt im Verlauf des Jahres zum Positiven wenden. Dies glaubt zumindest der Chefökonom der ČSOB, Martin Kupka:

Martin Kupka (Foto: ČT24)
„Dass unsere Volkswirtschaft wieder wächst, ist ein realistisches Szenario. Ich denke, dass der Zuwachs in diesem Jahr bis zu drei Prozent betragen wird.“

Damit der Aufschwung nicht wieder verebbt, sondern tatsächlich zu einer festen Größe wird, hofft die Wirtschaft noch auf einen weiteren Faktor: auf eine stabile Regierung. Nach den Wahlen Ende Oktober hat sich eine Dreier-Koalition aus Sozialdemokraten, Christdemokraten und der Partei Ano herausgeschält, die nun aller Voraussicht nach auch die Regierungsverantwortung übernehmen wird. Laut Koalitionsvertrag soll das Wirtschaftsressort dabei vom Sozialdemokraten Jan Mládek geführt werden. Gegenüber Medien hat sich der 53-Jährige bereits in einigen Punkten zu seiner zukünftigen Arbeit geäußert.

Czechinvest (Foto: Archiv Czechinvest)
Einer dieser Punkte ist die weitere Ausrichtung der beiden großen Agenturen, die in den 1990er Jahren vom Ministerium für Industrie und Handel gegründet wurden: Czechinvest als Agentur für Wirtschafts- und Investitionsförderung und CzechTrade als Handelsförderungsagentur. Beide Organisationen unterstützen auf unterschiedliche Weise die Zusammenarbeit von tschechischen Firmen mit ausländischen Unternehmen und sollten daher zusammengelegt werden. Dieser Schuss könnte aber nach hinten losgehen, glaubt Mládek:

Martin Říman (Foto: Archiv Radio Prag)
„Einer der größten Fehler, der seit dem damaligen Wirtschaftsminister Martin Říman im Jahr 2006 begangen wurde, war das Bestreben, die Arbeit von Czechinvest an den Rand zu drängen. Czechinvest wurde 1992 indes mit dem Ziel gegründet, ausländische Investoren für die Tschechische Republik zu gewinnen.“

Deshalb habe er auch schon sehr konkrete Vorstellungen, wie Czechinvest unter seiner Amtsführung als Minister weiterarbeiten werde, erklärt Mládek:

Jan Mládek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Diese Institution sollte zurückkehren zu ihrer früheren Struktur, als sie acht ausländische Vertretungen hatte. Das waren Vertretungen in Staaten, in denen man sehr gut ausländische Investitionen erzielen konnte. Czechinvest sollte unabhängig arbeiten und kräftig dazu beitragen, dass die tschechische Wirtschaft wieder auf gesunden Füßen steht und Zuwächse hat.“

Darauf hoffen auch die Firmen. Für sie ist es wichtig, in beiden Agenturen klare Strukturen und zuverlässige Partner zu haben.