Verlässliche Informationen senden – Tschechischer Rundfunk bereitet sich auf Krisen vor
Hochwasser, Brände sowie Cyber- und Sicherheitsbedrohungen – der öffentlich-rechtliche Tschechische Rundfunk bereitet sich auf verschiedene Krisensituationen vor.
Die erste verifizierte Information soll innerhalb von 13 Minuten nach Meldung eines Vorfalls gesendet werden. Dies ist das Ziel der verstärkten Zusammenarbeit zwischen dem Tschechischen Rundfunk und der Feuerwehr, der Polizei sowie den Rettungskräften. Gemeinsam haben sie detaillierte Krisenszenarien für 22 Arten von Notfällen erarbeitet. Dazu gehören Stromausfälle, Chemie- oder Strahlenunfälle sowie großflächige Kommunikations-Blackouts.
Bei der Krisenbewältigung kann eine mögliche Störung der Infrastruktur – wie der Internet und Stromversorgung – eine Herausforderung darstellen. In solchen Fällen seien die Rundfunksendungen einer der einfachsten Kommunikationswege, sagte der Generaldirektor der tschechischen Berufsfeuerwehr, Petr Ošlejšek, am Mittwoch in den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Der Rundfunk bietet einen wichtigen Vorteil: Solange der Sender mit Strom versorgt wird und die Bevölkerung über Empfangsgeräte verfügt – was heutzutage praktisch auf jedes Auto zutrifft –, können die Menschen auch dann Nachrichten empfangen, wenn die Mobilfunkinfrastruktur, das Internet oder das allgemeine Kommunikationsnetz ausfallen.“
Derzeit wird auch das ASA-Sicherheitssystem (Automatic Safety Alert) in Tschechien getestet. In digitalen Empfängern kann es ein ausgeschaltetes Radio aktivieren und auf einen Sender des Tschechischen Rundfunks umschalten. Laut der Polizei und Feuerwehr sei entscheidend, dass die Menschen im Umfeld eines Einsatzes über präzise und verlässliche Informationen verfügen, erklärte František Habada. Er leitet die Einsatzzentrale beim tschechischen Polizeipräsidium:
„Denn plötzlich taucht in den sozialen Medien eine Flut von Informationen auf, die Fake-News sind und der Wirklichkeit überhaupt nicht entsprechen. Das erschwert dann den eigentlichen Einsatz vor Ort für alle Einheiten des integrierten Rettungssystems.“
Die Rettungskräfte haben kürzlich rund 20 Rundfunkreporter in Erster Hilfe geschult. Einbezogen waren sie auch in der Zusammenstellung sogenannter „Notfallsets“ für Journalisten, die während einer Krise vor Ort im Einsatz sind. Martin Pařízek ist Koordinator des Projekts und leitet beim Tschechischen Rundfunk die Wissenschaftsredaktion. Er erläuterte, wozu die „Notfallsets“ dienen sollen:
„Die Person führt rund um die Uhr wirklich alles mit, was sie braucht. Es gibt grundlegende Medikamente, eine Stromquelle, ein Multifunktionsmesser, eine Ersatzbatterie, eine Atemschutzmaske, einen Wasserfilter bis hin zu Vorräten an Nahrung und Getränken.“
Außerdem bieten die Sets eine weitere Möglichkeit der Verbindung, damit der Reporter auch bei einem Systemausfall mit der Rundfunkzentrale in Verbindung bleiben kann.
Die Rettungskräfte sowie Feuerwehr und Polizei konnten die Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Rundfunk vor kurzem direkt testen. Bei einem Großbrand im Industrieareal in Zlín im Juli dieses Jahres informierte der Rundfunk die Bewohner der umliegenden Städte und Dörfer über die Rauchgase oder die über ihnen kreisenden Drohnen.
Am Dienstag wurde weiterhin über Kontaktlisten und ein Netzwerk von Experten informiert, die sich in einer bedrohlichen Lage an der Krisenkommunikation über das Radio beteiligen werden. Es wurden zudem Vorlagen für die ersten Sendeminuten und -stunden angefertigt. Außerdem gibt es einen Plan für den Notfall, dass eine Ausstrahlung aus dem Funkhaus in Prag unmöglich wäre. Nach Worten des Leiters der Nachrichtenredaktion, Ondřej Suchan, wurde das gesamte Projekt vor etwa einem Jahr gestartet:
„Wir sind auf Ereignisse vorbereitet, die es bereits gab. So haben wir schon mehrfach Hochwasser erlebt. Daher wissen wir, wie wir uns in solchen Situationen verhalten sollen. Nun wollten wir uns auf Ereignisse vorbereiten, die erstmals auftreten – wie etwa der großflächige Stromausfall im Juli vergangenen Jahres.“







