Vermüllte Natur: Alljährliche Sammelaktion in Tschechien verliert nicht an Aktualität

Foto: Jana Vitásková, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Überall in Tschechien waren am Wochenende wieder Menschen unterwegs, die mit Müllbeuteln und Schutzhandschuhen ausgestattet durch Wälder und Wiesen zogen. Sie haben an einer weiteren Runde von „Ukliďme Česko“ (Lasst und Tschechien aufräumen) teilgenommen. Den Schätzungen der Organisatoren zufolge waren es bis zu 50.000 Freiwillige.

Foto: Iva Kokešová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Ich habe hier ein Stück Eisen und eine Menge Plunder. Außerdem habe ich einen Schlüpfer gefunden, der im Baum hing.“

Die beiden Freunde mit dem gleichen Namen Matyáš tragen ihre gefüllten Müllbeutel zum Sammelpunkt. Sie sind am Samstag rund um den Teich im heimatlichen Teplice / Teplitz unterwegs. Auch Petr Strouhal ist dem Aufruf gefolgt und räumt an seinem Wohnort auf:

„Wir mögen unsere Natur und auch Tschechien. Deswegen tun wir das füreinander, das ist das ganze Geheimnis. Wir machen das nicht für irgendjemanden anderen, sondern für uns selbst.“

Foto: Josef Kopecký,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Zweimal im Jahr ruft der Verein „Ukliďme Česko“ landesweit zum allgemeinen Müllsammeln auf. Wegen der epidemiologischen Lage war die Aktion diesmal als kontaktlos konzipiert. Das heißt, dass sich die lokalen Organisatoren und ehrenamtlichen Helfer nicht wie sonst in Gruppen zusammengefunden haben. Stattdessen standen „pytlomaty“ zur Verfügung, also dezentrale Abholstellen für leere Müllbeutel. Von hier aus zogen die Freiwilligen eigenständig los, oft im Familienkreis.

Auch die Stadtverwaltung von Teplice unterstützte die Aktion und spendete weitere Müllbeutel, Schutzhandschuhe und Desinfektionsmittel. Klára Vrabcová hat sich die vermüllte Umgebung eines Ausflugspavillons vorgenommen:

Illustrationsfoto: Anastasia Gepp,  Pixabay / CC0

„Wenn man beim Spaziergang hier vorbeikommt, ist das nicht unbedingt ein schöner Anblick. Es liegen haufenweise Plastikdeckel, zerbrochene Glasflaschen, Zigarrenstummel und Getränkedosen von Bier und Energydrinks herum.“

Auch die Pandemie hinterlässt ihre Spuren im achtlos weggeworfenen Müll. Laut der abschließenden Pressemitteilung von „Ukliďme Česko“ sind in diesem Jahr auffällig viele Atemmasken und Einweghandschuhe gesammelt worden. Ein weiteres anhaltendes Problem sind illegal abgelagerte Autoreifen. In diesem Jahr wurden zudem Teile eines Baggers gefunden.

Illustrationsfoto: Christoph Schütz,  Pixabay / CC0

Ihre kuriosesten Funde teilen die Freiwilligen in den sozialen Netzwerken. Zudem hat der Verein wieder einen Fotowettbewerb ausgerufen. Besonders für die jüngsten Teilnehmer wird die Suche nach ungewöhnlichen Fundstücken zu einer Art Abenteuer. Zugleich würden die Kinder und Jugendlichen etwas fürs Leben lernen, sagt Jana Pěknicová. Sie hat die Sammelaktion in Mlékojedy / Milkojed, nördlich von Prag mitorganisiert und berichtete im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen:

„Traditionell nehmen bei uns etwa 30 Personen an der Aktion teil, und die Hälfte von ihnen sind Kinder. Wir verstehen das als Form der ökologischen Erziehung.“

An knapp 1300 Orten im ganzen Land wurde am zurückliegenden Wochenende gesammelt. Dafür haben die Organisatoren 45.000 Müllbeutel zur Verfügung gestellt. Der Verein schätzt, dass mehrere Hundert Tonnen Abfall zusammengekommen sind. Diese werden seit Montag abtransportiert.

In einigen Fällen gehen die Sammelaktionen noch weiter. Die „pytlomaty“ werden erst nach Ostern abmontiert. Die nächste offizielle Runde von „Ukliďme Česko“ findet am 18. September statt – aus Anlass des Weltaufräumtages.

Autoren: Daniela Honigmann , Jana Vitásková
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