Verteidigungsminister: Nato-Truppen in Tschechien „psychologisches Problem“

Foto: US Air Force, Free Domain

In Tschechien wird gerade über den Verteidigungsminister diskutiert. Martin Stropnický von der Partei Ano hat nämlich in einem Interview gesagt, eine mögliche langfristige Stationierung von Nato-Soldaten hierzulande könnte unangenehme Erinnerungen an die Besatzung durch die sowjetischen Truppen wecken. Damit weckte er aber vor allem Unmut – sowohl bei der Opposition, aber auch beim sozialdemokratischen Regierungspartner.

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Die Lage in der Ukraine wird immer unübersichtlicher, und in einigen osteuropäischen Nato-Mitgliedsstaaten steigt die Angst vor einem expansionistischen Russland. Zur Beruhigung und als Symbol des Zusammenhalts hatte die Nato deshalb Soldaten nach Polen und ins Baltikum verlegt. Bei einem Interview für die Presseagentur Reuters am Montag wurde der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnický gefragt, ob er sich eine Stationierung von Nato-Soldaten auch in Tschechien vorstellen könnte. Stropnický antwortete:

Martin Stropnický (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Der dauerhafte Aufenthalt egal wie vieler ausländischer Einheiten bei uns ist auf eine bestimmte Art noch immer ein Problem. Der Grund ist, dass ich noch die Stationierung von 80.000 sowjetischen Soldaten miterlebt habe, in der Zeit der Normalisierung. Das ist noch immer ein wenig ein psychologisches Problem.“

Die Aussage löste zunächst in den Medien eine wilde Diskussion aus: Will Stropnický die Nato-Verbündeten nicht auf tschechischem Boden? Hat er sie sogar mit den sowjetischen Besatzern von 1968 verglichen?

Stropnický versuchte in einem Interview gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk, seine Äußerungen zu relativieren. Die Presseagentur Reuters habe in der Niederschrift des Interviews mit ihm einen Fehler gemacht. Er habe nur ein Problem damit, wenn Nato-Soldaten dauerhaft anwesend seien. Gegen vorübergehende Stationierungen, zum Beispiel bei Manövern sei hingegen nichts einzuwenden. Außerdem habe er als Privatperson gesprochen:

Foto: Balcer, Český rozhlas, License CC BY SA 3.0
„Es wurde eindeutig gefragt, ob ich als Martin Stropnický - und nicht als Tschechische Republik, denn ich bin nicht die Tschechische Republik - mir eine dauerhafte Stationierung vorstellen könnte.“

Und auch den Vergleich von Nato-Truppen mit der Invasion nach dem Prager Frühling wies Stropnický weit von sich:

„Das habe ich nie gesagt, das ist doch absurd. Aber dieser psychologische Moment der Anwesenheit ist doch eine sehr empfindliche Angelegenheit.“

Bohuslav Sobotka (Foto: ČT24)
Im Parlament musste sich der Verteidigungsminister aber schwere Kritik von der bürgerlichen Opposition anhören. Tschechien sei schließlich seit nunmehr 15 Jahren Mitglied des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses. Auch der sozialdemokratische Premier Bohuslav Sobotka kritisierte Stropnickýs Äußerungen: Sie seien wirklich unglücklich und würden die Kommunikation mit den Verbündeten unnötig komplizieren. Der Premier sagte aber auch, dass es sich bei der ganzen Diskussion um einen Sturm im Wasserglas handle. Er werde nun ein ernstes Gespräch mit Stropnický führen, habe aber weiter Vertrauen in seinen Verteidigungsminister, so Sobotka.