Waffenamnestie: Rund 8000 illegale Waffen wurden straffrei abgegeben

Sie haben eine Pistole zu Hause in ihrer Sockenschublade verborgen? Oder ein Gewehr im Kleiderschrank? Alles ok, solange Sie die entsprechenden Dokumente haben, die belegen, dass das Ihre Waffe ist und dass Sie auch so ein Spielzeug zu Hause haben dürfen. Für alle Tschechen, auf die das nicht zutraf, die also illegal eine Waffe besaßen, galt in den vergangenen sechs Monaten eine so genannte Waffenamnestie. Straffrei konnten sie ihre Waffen zur Polizei bringen und sich damit Erleichterung verschaffen. Schauen wir, wie die Bilanz dieser Waffenamnestie ausgefallen ist.

„Was Schönes? Was schönes, Gefährliches? Was schön Gefährliches? Da haben wir hier zum Beispiel die P 08. Das ist eine sehr schöne Waffe. Sie stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit der waren die unteren Offiziersränge der Wehrmacht ausgestattet. Und gerade diese hier ist in einem sehr gut erhaltenen Zustand.“

Oberstleutnant Jiří Záruba spricht gerne über Waffen. Das sieht man ihm an, als im Polizeipräsidium sein Blick über die zwei Tische mit Pistolen und Gewehren schweift. Wie die P 08 nach Tschechien gekommen ist, das interessiert die Polizei allerdings nicht, sagt der Oberstleutnant.

„Wir untersuchen nicht, wie die Waffen hierher gekommen sind, auch nicht, wie der, der sie hier abgegeben hat, in ihren Besitz gekommen ist. Das gehört nicht zu unseren Aufgaben. Wir wollen das auch gar nicht, denn das würde dem grundlegenden Prinzip dieser Waffenamnestie widersprechen. Wir wollen ja gerade, dass die Waffen abgegeben werden, dass sie registriert werden. Und deshalb untersuchen wir nicht, wie die Leute an sie herangekommen sind.“

Foto: ČTK
Die Waffenamnestie galt für ein halbes Jahr, von Februar bis Ende Juli. Jeder, der unberechtigt, also ohne die notwendigen Dokumente eine Waffe in Besitz hatte, der konnte sie straffrei bei der Polizeistation seines Vertrauens abgeben. Die Polizei quittiert, überprüft die Waffe und lässt eine ballistische Expertise anfertigen. Wurde aus der Pistole in der letzten Zeit geschossen? Taucht das Gewehr schon im Register der kriminalpolizeilichen Spurensicherung auf? Wenn nicht, dann hat der sich freiwillig Entwaffnende sogar eine gute Chance, die illegale Waffe als legale Waffe zurückzubekommen. Vorausgesetzt, dass er innerhalb einer Zwei-Monats-Frist die erforderlichen Papiere und Genehmigungen beantragt. Fast 8000 illegale Waffen wurden im letzten halben Jahr freiwillig und straffrei abgegeben. – So viele wie bei den ersten beiden Amnestien 1996 und 2003 insgesamt. Darunter war in diesem Jahr zum Beispiel auch eine Pistole, die in Deutschland gestohlen wurde.

Ist das Risiko für den, der die Waffe abgibt, nicht reichlich groß, Probleme zu bekommen? Polizeioberst Milan Komárek, sagt nein:

„Sie werden ja bei der Abgabe sicher nicht angeben, dass Sie die Waffe geklaut haben. Sie werden also wahrscheinlich nicht für den Diebstahl bestraft. Aber die Waffe werden Sie eben nicht mehr wiedersehen. Sie geht an den ursprünglichen Besitzer zurück. Aber wenn wir feststellen, dass eine Waffe gestohlen wurde, dann sind wir natürlich verpflichtet, die ganzen Umstände zu ermitteln. Aber Sie sind auf der anderen Seite nicht verpflichtet, uns mitzuteilen, auf welche Weise Sie an die Waffe gelangt sind. Dazu können wir Sie nicht zwingen, wenn Sie die Waffe abgeben.“

So läuft also die Waffenamnestie. Man hab nichts zu befürchten, es sei an der Polizei, den Beweis anzutreten. Außerdem sei dieser spezielle Fall eine Angelegenheit der deutschen Polizei. Mit der man natürlich dann zusammenarbeite, sagt Milan Komárek.


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Fast 700.000 Waffen sind in Tschechien offiziell registriert. Dazu kommt eine unbekannte Ziffer illegaler Waffen. Gerade Tschechen sind heiß auf Militärtechnik und Schießgerät. Vor allem, wenn es sich um Originalstücke aus einem der Weltkriege handelt. Diese Begeisterung ist alljährlich zu beobachten am 8. Mai, dem Tag der Befreiung von den deutschen Besatzern. Da rattern nicht nur alte Jeeps mit tschechischer Besatzung in Originaluniformen aus dem Weltkrieg durch die Gegend. Da werden auch historische Panzer abgestaubt, aus der Scheune gerollt und angeschmissen, um den Asphalt in Prag oder Pilsen unsicher zu machen. Da haben die Zurschausteller für gewöhnlich auch alte Handwaffen dabei. Ist dieses Faible für die tschechische Polizei nicht ein besonderes Problem? Polizeioberst Milan Komárek:

Milan Komárek  (Foto: ČTK)
„Das ist eigentlich kein großes Problem. Unsere Abteilung, die ´Abteilung für Waffen und Sicherheitsmaterial´ befasst sich gerade auch mit diesen Liebhabern historischer Waffen. Der Begriff ´Sicherheitsmaterial´ umfasst eben auch das, was diese Interessengruppe sammelt. Also deaktivierte Militärtechnik, ausgediente Panzer und gepanzerte Transporter. Sie haben schon recht; einen alten Panzer zu Hause zu haben, das ist hier schon ein großer Hit. Es gibt eben viele Leute und Gruppen hier, die sich mit Militärgeschichte befassen und diese Artefakte sammeln.“

Probleme würden diese Sammler heißer Ware in der Regel jedenfalls nicht machen, betont Komárek noch einmal.

Aber was geschieht eigentlich mit den Waffen, die nicht an den vorherigen Besitzer zurückgehen? Sie gehen in das Eigentum des Staates über, erklärt Oberst Komárek:

„Das heißt, die Waffen, die von historischem oder technischem Wert sind, die werden den entsprechenden Museen übergeben. In anderen Fällen können bestimmte Abteilungen der Polizei oder überhaupt des Innenministeriums diese Waffen anfordern. Das kann die Polizeischule sein, kriminaltechnologische Abteilungen, Sammlungen auf Schlössern und ähnliches.“

Auch wenn für die Polizisten Záruba und Komárek so eine Waffenamnestie Arbeitet bedeutet, es macht ihnen Spaß, sagt Milan Komárek:

„Jeden Waffenexperten freuen natürlich historische Raritäten, Waffen, die tatsächlich in Kriegen zum Einsatz kamen. Und für mich als Polizisten und früheren Ermittler sind natürlich besonders spannend die Waffen, die sich die Leute zu Hause zusammenbasteln.“

Denn auch von dieser gefährlichen Hausmannskost haben die waffenbegeisterten Tschechen einige Stücke bei der Waffenamnestie 2009 – zum Glück - in sichere Hände gegeben.