Wallfahrtsort im Erzgebirge wiederbelebt: Quinauer Musikfesttage

Quinauer Musikfesttage

Musiker aus Deutschland, der Schweiz und aus Tschechien stellen sich an diesem Wochenende bei einem Musikfestival vor, das im Erzgebirgsort Květnov / Quinau veranstaltet wird. Über die Entstehung und das Programm der Musikfesttage hat Martina Schneibergová mit der Initiatorin, der Cembalistin Alena Hönigová, gesprochen.

Alena Hönigová | Foto: Lukáš Hurník,  Tschechischer Rundfunk

Frau Hönigová, Sie sind Dramaturgin und vor allem auch Initiatorin der Musikfestspiele von Květnov. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

„Ich habe einige Jahre lang ein Musikfestival auf Schloss Jezeří / Eisenberg organisiert. Als ich damit aufhörte, haben mich mehrere Menschen aus dem dortigen Publikum angesprochen und nach einem Musikfest gefragt. Denn sie wohnen in der Umgebung und waren daran gewöhnt, das Festival in Jezeří zu besuchen. Es war für sie so etwas wie der ‚Prager Frühling‘. Ich war damals skeptisch, denn ein Musikfestival zu veranstalten, ist organisatorisch und finanziell anspruchsvoll. Ich suchte schließlich doch die Bürgermeisterin von Blatno (deutsch Platten, Anm. d. Red.), Iveta Houfová Rabasová, auf. Sie hat Erfahrungen, und ich habe gehofft, dass mit ihr eine Zusammenarbeit möglich ist. Im ersten Jahr veranstalteten wir nur ein Konzert, einfach um dem Publikum zu signalisieren, dass es mit den Musikfesttagen weitergeht. Und 2020 fand der erste Jahrgang statt, auch mit ausländischen Künstlern. Alles hat hervorragend geklappt. In diesem Jahr sind wieder Musiker aus dem Ausland dabei, auf dem Programm steht auch eine Inszenierung. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf.“

Květnov ist ein Wallfahrtsort, der heutzutage nicht mehr so bekannt ist. Ist er mit einer Legende verbunden?

Barockkirche in Květnov | Foto: Martin Bílek

„In Květnov, auf Deutsch Quinau, steht eine wunderschöne Barockkirche. Ich habe sie schon früher entdeckt, als wir eine Orchesteraufnahme mit Werken von Johann Joseph Rössler planten. Ich suchte damals nach einer Kirche, in der es still ist und ausreichend Raum für ein Orchester gibt. Geholfen hat mir der Bürgermeister von Horní Jiřetín, Vladimír Buřt. Er riet mir, es in Quinau zu versuchen. Auf schmalen Straßen fährt man durch Berge, und plötzlich öffnet sich vor einem eine Wiese, auf der die große Barockkirche steht. Die Legende erzählt von einem Schäfer, der sich in den dortigen Wäldern verirrte. Er fand eine kleine Marienstatue, und diese trug ihm auf, eine kleine Kapelle zu bauen. Der Schäfer wollte sie in seinem Dorf errichten, aber die Marienfigur kehrte an den Ort zurück, wo heute die Kirche steht. Im 18. Jahrhundert wurde sie viel besucht. In der Kirche befindet sich eine besondere Marienplastik. Auch heute noch kommen Pilger auch aus aller Welt dorthin. In diesem Jahr ist die Kirche der Schauplatz des Festivals, eine Veranstaltung gibt es jedoch auch in der Michaeliskirche in Blatno. Das ist etwa zwei Kilometer von Quinau entfernt.“

Was alles steht auf dem Programm der Musikfesttage?

Quinauer Musikfesttage | Foto: Martin Bílek

„Am Freitagabend wurde das Festival mit einer Reihe Violinensonaten eröffnet. Die Matinee am Samstag findet unter dem Titel ,Fra boschi‘, also ,In den Wäldern‘ statt. Es tritt Iva Lokajíčková auf, die verschiedene Flöten spielt, darunter auch der Tschakan, also eine Stockflöte. Am Abend spielt die Batzdorfer Hofkappelle. Das ist ein interessantes Barockorchester aus der Nähe von Meißen. Die Musiker organisieren seit Jahren auch selbst Musikfestivals.“

Hat die Batzdorfer Hofkapelle schon einmal an den Festivals in Jezeří teilgenommen?

Kirche des Hl. Erzengels Michael in Blatno | Foto: Olca.a.Jarda,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0 DEED

„Ja. Diesmal treten mit dem Orchester auch Sänger auf. Das Thema ist wunderschön: die Verse des Hohen Liedes. Es sind jedoch Paraphrasen dieser Verse, einige sind neu zu diesem Thema geschrieben worden. Ich habe versucht, sie ins Tschechische zu übersetzen. Am Sonntag gibt es ein halbszenisches Programm in der Kirche in Blatno, bei dem das Kesselberg Ensemble aus der Schweiz auftritt. Es spielt Sinfonien vom Genfer Komponisten Gaspard Fritz. Fritz kannte Voltaire persönlich. Der Regisseur Petr Koudelka ist bei der Inszenierung von Voltaires Geschichte über die Prinzessin Formosanta von Babylon ausgegangen. Ich möchte aber nicht zu viel verraten – vielleicht nur, dass die persische Künstlerin Yasmin Goldshani das Bühnenbild entworfen hat.“

Mit wem arbeiten Sie zusammen, um das Festival auf die Beine zu stellen – neben der Bürgermeisterin von Blatno?

„Die Organisation hat die Gemeinde Blatno übernommen. Die Bürgermeisterin half uns mit ihrem Team schon im vergangenen Jahr. Ich kümmere mich nur um die künstlerische Seite und helfe bei der Suche nach Unterstützern. Seit langem werden wir vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert. Dafür bin ich sehr dankbar. Zudem erhielt die Batzdorfer Hofkapelle eine finanzielle Unterstützung für die Corona-Zeiten. In diesem Jahr beteiligt sich auch die Stadt Basel, dank des Programms mit den Schweizer Komponisten.“

Mehr über die Quinauer Musikfesttage erfahren Sie unter: www.kvetnovskehudebnislavnosti.cz

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