Wichtiges Manuskript des Genetik-Begründers Gregor Mendel kehrt nach Tschechien zurück

Karel Schwarzenberg mit dem Manuskript des Genetik-Begründers Gregor Mendel (Foto: ČTK)

Nach einem jahrelangen Tauziehen ist ein wichtiges Manuskript des Genetik-Begründers Johann Gregor Mendel in der vergangenen Woche nach Tschechien zurückgekehrt. Nachdem Missverständnisse um den Besitz des Dokuments geklärt worden waren, kann der Eigentümer, die Augustinerabtei in Brno / Brünn, das Werk der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Karel Schwarzenberg mit dem Manuskript des Genetik-Begründers Gregor Mendel (Foto: ČTK)
„Versuche über Pflanzenhybriden“ heißt das Werk, in dem Mendel seine Vererbungslehre dargelegt und niedergeschrieben hat. Es handelt sich um einen Band von freien, deutsch beschriebenen Din-A-4-Blättern. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg unterstrich für Radio Prag die Bedeutung des Schriftstückes:

„Es ist das Originalmanuskript von Johann Gregor Mendel, einem bedeutenden Wissenschaftler, von dem eigentlich die ganze Genetik begründet wurde. Er war Abt im Augustiner-Kloster in Altbrünn und ein großer Naturforscher. Es ist sein bedeutendstes Werk über seine Versuche mit Hybridenpflanzen, das eigentlich sein Schlüsselwerk ist.“

Das Manuskript hat einen abenteuerlichen Weg hinter sich. Entstanden ist es 1865 in Brünn, wo es dann auch aufbewahrt wurde. Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1953 galt es als verschollen und tauchte erst in den 1980er Jahren wieder auf. Über Wien kam es nach Deutschland. Der Augustiner-Regionalvikar in Wien, Pater Dominic Sadrawetz:

Dominic Sadrawetz
„Es wurde im Jahr 1987 uns anvertraut, und seit dieser Zeit war es eben dann auch in Deutschland, um es sicherzustellen, weil die Zeiten in Tschechien nicht so sicher für dieses Dokument waren. Und seit ein paar Jahren bemühen wir uns, das zurückzubringen.“

Die Rückkehr des Dokuments nach Tschechien ist das Ergebnis eines langjährigen diplomatischen Bemühens. In den 1990er Jahren gelangte es auf Umwegen zu Mendels Nachfahren in Deutschland. Über den Besitz des Manuskripts stritten daraufhin die Familie, der Augustinerorden in Österreich sowie tschechische, deutsche und österreichische Behörden. In Baden-Württemberg wollte man das Manuskript bereits zum deutschen Kulturgut erklären lassen. Pater Sadrawetz:

Manuskript von Gregor Mendel (Foto: ČTK)
„Es sollte ein Verfahren eingeleitet werden, um sicherzustellen, ob es deutsches Kulturgut ist oder nicht. Wenn es deutsches Kulturgut gewesen wäre, dann hätte man es nicht ausführen dürfen.“

Doch eine juristische Analyse bestätigte, dass die Schrift dem Augustinerorden gehört. Vor zwei Jahren folgte eine Intervention des tschechischen Außenministeriums. Minister Karel Schwarzenberg betont, dass sich die deutsche Seite bei den Verhandlungen korrekt verhalten hat:

„Als klargestellt war, dass dieser Anspruch unberechtigt ist – es bestand ja Zweifel an den Eigentumsverhältnissen, weil da jemand den Besitzanspruch erhoben hatte –, hat die baden-württembergische Regierung sofort verfügt, dass es zurückerstattet wird.“

Manuskript von Gregor Mendel (Foto: ČTK)
Das Manuskript war in den vergangenen Jahrzehnten nicht zugänglich, doch der Inhalt der Schrift war bekannt und konnte studiert werden. Pater Sadrawetz:

„Es gibt seit dem Jahr 1992 ein Faksimile von diesem Manuskript, das eins zu eins übernommen wurde und für wissenschaftliche Zwecke herangezogen werden konnte. Das zum einen. Zum anderen hat Mendel damals 1865 einen Vortrag im Naturforscherverein gehalten, der im Jahr 1866 abgedruckt worden ist. Von daher: Alle Erkenntnisse sind in Druck vorliegend.“

Das Manuskript kehrt symbolisch zum 190. Geburtstag Mendels nach Brünn zurück. Dorthin, wo der Augustinermönch Mendel im Garten des Klosters seine Kreuzungsversuche mit Erbsen durchführte und dabei die nach ihm benannten Gesetze der Vererbung entdeckte. Zurzeit wird die Schrift im Safe des Mendel-Museums aufbewahrt, und bei besonderen Gelegenheiten soll sie auch der Öffentlichkeit gezeigt werden.