Wildfleischskandal in Bayern

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Immer länger wird die Liste von Produkten, die man möglichst nicht kaufen sollte. Bedingt durch Geflügelgrippe, Schweinepest und andere Skandale sind die Verbraucher vorsichtiger geworden. Dieser schwarzen Liste wurde nun ein weiterer Punkt hinzugefügt. Europas größter Händler von Wildfleisch steht unter dem Verdacht, in nicht unerheblichem Maße Produkte mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum und nicht mehr genießbares Wildfleisch verkauft zu haben. Was es damit auf sich hat und ob Vergleichbares auch in Tschechien geschehen kann fasst Benjamin Slavik zusammen.

Den Anfang machte Ende Januar die Meldung, dass bei der bayrischen Firma "Berger Wild" E-Mails kursierten, in denen dazu aufgerufen wurde, schon abgelaufenes und nicht mehr genießbares Fleisch wiederzuverwerten. Daraufhin wurde ermittelt, dass beanstandetes Fleisch in 140 weiteren Betrieben, darunter auch ausländische, geliefert wurde. Eine Laboruntersuchung ergab, dass 15 von 53 untersuchten, tiefgekühlten Wildfleischproben der Firma ungenießbar waren. Bei einem Skandal diesen Ausmaßes ist die drängendste Frage des Verbrauchers, an welchem Punkt die Überwachung der Lebensmittelqualität durch den Staat versagt hat.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass auf tschechischer Seite die Frage laut wird, wie der Schutz vor solchen Skandalen in Tschechien gewährleistet wird, und wie es um die Qualität der tschechischen Produkte bestellt ist. Eine Antwort darauf gibt Jiri Silha vom Böhmisch-Mährischen Jägerverband: "Ich denke, dass sich dieser Skandal auf Deutschland beschränkt und sich in der Tschechischen Republik nicht wiederholen wird. Die Kontrolle seitens des Staates ist sehr gut und es gibt über den gesamten Produktionsablauf eine permanente Kontrolle der Qualität des Fleisches. Man kann also sagen, dass das Veterinäramt alles in allem sehr gute Arbeit leistet."

Die Probleme, welche die tschechischen Händler plagen, sind anderer Art. Zwar wird die Qualität der tschechischen Wildfleischprodukte allen Anforderungen der EU voll und ganz gerecht und somit werden die Produkte auch in die Nachbarstaaten exportiert. Doch sind die tschechischen Wildfleischhändler aufgrund ihrer geringen Unternehmensgröße zu teuer, um ihre Produkte in tschechischen Supermarktregalen zu platzieren. Man muss nämlich berücksichtigen, dass von dem Erlös der Wildfleischprodukte 45 Prozent an den Supermarkt und nur 55 Prozent an den Produzenten gehen. Wenn es nach den tschechischen Produzenten von Wildfleisch geht und der Verbraucher auf Nummer sicher gehen will, wäre es also die bessere Wahl, ein etwas teureres Produkt eines einheimischen Produzenten zu kaufen, als ein billiges aus ausländischer Produktion.