„Wir haben uns einen Ruck gegeben“ – Zukunftsfonds fördert Bau einer Kapelle bei Budišov

Budišov nad Budišovkou, foto: Google Maps

Die Verständigung zwischen den Menschen beider Länder zu fördern – das ist die Hauptaufgabe des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds. In jedem Quartal vergibt der Fonds deshalb Zuschüsse an bilaterale Projekte. Zu den Empfängern gehören zum Beispiel Studierende der deutsch-tschechischen Studien in Regensburg und Prag, grenzübergreifende Musikprojekte und Kulturtage oder Begegnungstreffen für Jugendliche. Über die geförderten Projekte und die geplante Einführung von Themenschwerpunkten haben wir mit Joachim Bruss, dem Geschäftsführer des Zukunftsfonds, gesprochen.

Der Verwaltungsrat des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds hat in der vergangenen Woche über die finanzielle Unterstützung von Partnerschaftsprojekten in Deutschland und Tschechien entschieden. Insgesamt erhalten 170 deutsch-tschechische Projekte, die ab dem 1. April 2011 beginnen, eine finanzielle Unterstützung. Joachim Bruss, Sie sind der Geschäftsführer des Zukunftsfonds, was zeichnet die geförderten Projekte aus?

„Das sind Projekte, die deutsch-tschechisch sind, an denen deutsche und tschechische Partner beteiligt sind – das ist eine wesentliche Voraussetzung. Diese Partnerschaft kann sich konkret ganz unterschiedlich gestalten, sie muss aber immer vorhanden sein.“

Treppen der Maria-Himmelfahrt-Kirche in Budišov nad Budišovkou wurden in 2008-2009 mit einer finanziellen Unterstützung des Zukunftsfonds rekonstruiert, foto: Google Maps
Welches sind die wichtigsten Projekte in diesem Quartal?

„Wir haben ein Projekt, das eine Ausnahme darstellt. Das ist die Kapelle in Budišov nad Budišovkou / Bautsch. Normalerweise fördern wir Bauprojekte nur einmal im Jahr. Aber dieses ist nun ein Sonderfall, weil es dort eine sehr große Aktivität gerade auch von deutscher Seite gibt. Deutsche oder ehemalige Bewohner dieses Gebiets haben sehr viel gespendet und wollen noch im Juni diese Kapelle errichten. Da haben wir unsere eigenen Bestimmungen übersprungen, haben uns einen Ruck gegeben und fördern das mit einem Zuschuss in Höhe von 300.000 Kronen.“

Es geht um die Kapelle an der deutsch-tschechischen Verständigungsstraße im nordmährischen Budišov.

„Richtig. Was uns überzeugt hat, war die Aktivität sowohl von tschechischer wie von deutscher Seite. Das ist so ein ganz typisches Partnerschaftsprojekt.“

Erstmals hat der deutsch-tschechische Zukunftsfonds ein Schwerpunktthema ausgerufen: 2012 soll besonders die Unterstützung des Sprachunterrichts im Mittelpunkt stehen. Was hat es denn mit den Schwerpunktthemen, die es in Zukunft jedes Jahr geben soll, auf sich und weshalb wird das erste gerade die Unterstützung des Sprachunterrichts sein?

„Die Schwerpunktthemen sollen auch eingerichtet werden, um den Fonds in der Öffentlichkeit ein bisschen profilierter darzustellen. Deshalb wird es Schwerpunktthemen aus verschiedenen Bereichen in Folge geben. Die ganz konkreten Bedingungen, wie das ausgestaltet wird, stehen noch nicht fest. Wir haben als erstes den Sprachunterricht deswegen ausgewählt, weil es einen Bedarf gibt im Bezug auf den Deutschunterricht hier, aber auch auf den Tschechischunterricht in Deutschland. Wobei es im Moment eine Menge Aktivitäten gibt, im Bezug auf die Unterstützung der Nachfrage nach Deutschunterricht. Das ist etwas, was wir auch fördern wollen. Da kann der Fonds im Rahmen seiner Projektarbeit, mit dem was er macht, sehr gut unterstützend wirken für die Hervorrufung des Bewusstseins, dass Deutsch eine wichtige Sprache ist. Aber auf bayerischer und sächsischer Seite – das wird sich im Wesentlichen auf den Grenzbereich beschränken, muss aber nicht in allen Fällen so sein – ist es auch wichtig, den Menschen deutlich zu machen, dass für das praktische Leben im Grenzbereich, in dem mittlerweile sehr viel Hin und Her existiert, auch für Deutsche das Tschechische einen sehr praktischen Wert haben kann.“