Wirtschaftsaufschwung und weniger Homeoffice: Bau von Büroräumen läuft in Tschechien wieder an

Zu Corona-Zeiten und danach stagnierte in Tschechien der Immobilienmarkt für Büroräume. Nun wird vor allem in Prag, aber auch in weiteren Städten des Landes, wieder in diesem Segment gebaut. Was sind die Gründe?

Illustrationsfoto: Michael Gaida,  Pixabay,  Pixabay License

In der ersten Hälfte dieses Jahres wurde allein in Prag mit dem Bau von 213.000 Quadratmetern Büroräume begonnen. Das ist der höchste Wert seit der Vor-Corona-Zeit, wie aus einer Analyse der Immobilienberatungsgesellschaft IO Partners hervorgeht. In Brno / Brünn sind es rund 100.000 Quadratmeter an Bürofläche, die neu entsteht. Die Entwicklung betreffe aber nicht nur diese beiden Städte, erläutert Jana Krajčíková. Sie ist Analytikerin von IO Partners.

„Wir beobachten derzeit den Bau von neuen Büroräumen auch in anderen Städten, wie Ostrau, Pardubice oder Pilsen. Der Markt belebt sich also nach und nach in ganz Tschechien“, so Krajčíková im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Einer der Gründe für die Entwicklung ist eine Abkehr vieler Firmen vom Homeoffice. Jiří Halbrštát leitet den Bereich Marketing beim Personaldienstleister ManpowerGroup Tschechien:

Jiří Halbrštát  | Foto: Manpower Group

„Die Unternehmen hierzulande haben damit begonnen, Homeoffice stark einzuschränken. Das bedeutet nicht, dass sie es komplett verbieten. Aber sie wollen, dass ihre Angestellten die Arbeitszeit überwiegend im Büro verbringen. Die Menschen sollen sich persönlich begegnen, weil dies die Kooperation fördert, Vertrauen zwischen den Beschäftigten aufbaut und Innovationen befeuert. Denn am Kaffeeautomaten oder zwischen Arbeitssitzungen, also bei der informellen Begegnung entstehen die besten Ideen.“

In Prag nehmen Büroflächen derzeit knapp vier Millionen Quadratmeter ein. Dieser Umfang hat sich seit 2020 praktisch nicht verändert, also als die Angestellten wegen der Pandemie zu großen Teilen begannen, von zu Hause zu arbeiten. 2022 bis 2024 wurden in der tschechischen Hauptstadt sogar überhaupt keine Neubauten mit Büroräumen begonnen. Dahinein spielte auch die Rezession der hiesigen Volkswirtschaft.

Wie Jana Krajčíková betont, hat aber die Konjunktur nun wieder an Fahrt aufgenommen. Besonders im Fall Prag spielten aber noch weitere Effekte hinein, so die Analytikerin:

Foto: Ludmila Opltová,  Tschechischer Rundfunk

„Die wachsende Nachfrage hängt auch mit dem hohen Entwicklungsgrad des Marktes für Büroimmobilien in Prag zusammen sowie mit den Mietzyklen. Denn die Firmen in der Stadt gelangen in regelmäßigen Intervallen zu der Frage, ob sie nicht umziehen sollen. Das belebt den Markt und erhöht die Nachfrage.“

Die jetzt begonnenen Bauten werden allerdings erst 2027 fertiggestellt sein. Und fast drei Viertel der Flächen sind bereits vorgebucht. Nur ein kleiner Teil kommt also frei auf den Markt.

Im Zentrum von Prag liegt der Preis für einen Quadratmeter Bürofläche im Übrigen derzeit bei rund 800 Kronen (knapp 33 Euro). Im Randbereich der Stadt muss hingegen nicht so viel gezahlt werden.

Autoren: Till Janzer , Dominik Hron | Quelle: Český rozhlas
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