WM-Aus für Tschechien - nach zweiter 0:2-Pleite müssen Nedved & Co. die Koffer packen

Pavel Nedved (Foto: CTK)

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat die tschechische Nationalmannschaft am Donnerstag ihr letztes Gruppenspiel in der Gruppe E mit 0:2 gegen Italien verloren und ist damit bereits nach der Vorrunde aus dem WM-Turnier ausgeschieden. Lothar Martin hat auch diese Begegnung für Radio Prag live verfolgt, hier sein Bericht aus Hamburg.

Pavel Nedved (Foto: CTK)
Die Ausgangslage vor dem Topspiel der Gruppe E im Hamburger FIFA World Cup Stadium war klar: Tabellenführer Italien genügte bereits ein Unentschieden zum Weiterkommen, die tschechische Mannschaft aber musste unbedingt gewinnen, um unabhängig vom anderen Gruppenspiel Ghana gegen die USA ins Achtelfinale gelangen zu können. Und entsprechend forsch und engagiert begannen die Mannen um den stark aufspielenden Pavel Nedved, hatten auch zwei, drei gute Tormöglichkeiten, bis, ja bis auch die Italiener zu ihrer ersten echten Chance kamen.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit sah Jan Polak die gelb-rote Karte, etwa eine Stunde später war klar: die Tschechen müssen die Koffer packen. Denn mit zehn Mann gelang es ihnen in der zweiten Halbzeit nicht, dem Match noch eine Wende zu geben. Im Gegenteil, der eingewechselte Inzaghi erzielte kurz vor Schluss, als Tschechien alles riskierte und die Deckung entblößte, noch das Tor zum 2:0 Endstand für die ebenfalls nicht überzeugenden Azzuri. Aber sie leisteten sich weniger Fehler und Undiszipliniertheiten, was auch Tomas Rosicky eingestand:

Baros (links) und Brückner (Foto: CTK)

"Ich finde, dass wir heute gar nicht schlecht gespielt haben. Wir bekamen natürlich so ein dummes Tor. Und außerdem mussten wir dann nur mit zehn Mann spielen. Wenn man so undiszipliniert ist, kann man nicht an Erfolg denken."

Rosicky legte aber auch den Finger in eine andere Wunde, die das tschechische Team während des gesamten Turniers mit sich schleppte:

"Ich habe gesagt vor diesem Turnier: Wir müssen alle gesund bleiben. Wir haben hier kein einziges Mal in der optimalen Besetzung gespielt. Wir können einfach nicht die Ausfälle kompensieren."

Ohne die verletzten Stammspieler Smicer, Baros und Koller, die gar nicht oder nur sehr kurz zum Einsatz kamen, konnte die tschechische Mannschaft nicht an die tollen Offensivleistungen anknüpfen, die sie noch vor zwei Jahren bei der EM in Portugal gezeigt hatte. Dennoch waren die Erwartungen weitaus größer, so dass auch Rosicky zugeben musste:

"Natürlich sind wir enttäuscht, aber so ist der Fußball. Es geht immer weiter. Es ist aber klar, dass wir sehr enttäuscht sind."

Foto: CTK
Enttäuscht hätten in erster Linie auch die tschechischen Fans sein müssen, die wieder mit mehr als 10.000 Anhängern, und zum Großteil auch ohne Karten in die Hansestadt gereist waren. Aber sie ließen sich selbst durch das frühe Ausscheiden ihrer Lieblinge die stimmungsvolle Laune nicht verderben, sondern genossen die erste WM-Teilnahme ihrer Landesauswahl in vollen Zügen. Und Ales Valenta aus Südmähren brachte es auf den Punkt, was jeder am Donnerstag in Hamburg ebenso sehen, hören und erleben konnte:

"Die Tschechen haben die besten Fans. Wir haben unsere Mannschaft nicht nur bis zur letzten Minute angefeuert, sondern wir waren hier in Hamburg klar in der Überzahl. In der ganzen Stadt wimmelte es nur so von Tschechen, Italiener sind uns keine begegnet."

Angesichts dieser Fantreue kann man davon ausgehen, dass die Tschechen ihr Auswahlteam auch bei den kommenden Aufgaben lautstark unterstützen werden. Und in der ab Herbst beginnenden EM-Qualifikation dürfen sie zu einer weiteren Begegnung auch wieder nach Deutschland reisen.

Autor: Lothar Martin
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