Zehn junge europäische Regisseure in Karlsbad: Tim Fehlbaum

Tim Fehlbaum (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)

In Karlovy Vary / Karlsbad findet noch bis zum Wochenende das internationale Filmfestival statt. Bei dem Festival stellt die renommierte Filmzeitschrift Variety seit 15 Jahren jeweils zehn junge europäische Regisseure in einer Sondersektion vor. Die Künstler und ihre Streifen wurden von Kritikern des Magazins zuvor als besonders wichtig und bahnbrechend ausgewählt. In diesem Jahr gehört auch Tim Fehlbaum mit seinem Film „Hell“ dazu. Radio Prag hat den jungen Filmemacher aus Basel auf der Terrasse des Hauptveranstaltungsorts, des Hotels Thermal, getroffen.

Tim Fehlbaum (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
Ihr Film wird in Karlsbad nicht im Wettbewerb, sondern in einer speziellen Sektion der Zeitschrift Variety aufgeführt. Die Festivalzuschauer können ihn hier im Kino sehen. Können Sie unseren Hörern bisschen näher erklären, worum es in Ihrem Streifen geht?

„Mein Film spielt in der Zukunft, nach einer fiktiven Klima-Katastrophe. Es ist ein apokalyptischer Film. Also die Sonne scheint aus unerklärlichen Gründen viel stärker, als wir es gewohnt sind. Deswegen der Titel ´Hell´. Das steckt nicht nur das englische Wort Hölle, sondern auch das deutsche Wort Helligkeit drin. Die Leute gehen nicht mehr raus, ohne sich zu vermummen, weil die Sonne so intensiv geworden ist. Und in dieser Zeit, in der Wasser und Nahrung knapp geworden sind, also das ganze System zusammengebrochen ist, macht sich eine kleine Gruppe auf den Weg in die Berge. Sie vermutet dort Wasser und unterwegs passieren dann Dinge.“

„Hell“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
Was ist das wichtigste im Film? Ist es das ökologische Thema, oder eher das, was innerhalb einer Gruppe von Menschen in einer Stresssituation passiert?

„Das Zweite. Es ist überhaupt kein politischer Film, es ging auch nicht darum, irgendeine Botschaft über den Klimawandel zu transportieren. Es ist einfach ein Thriller und es geht um die menschlichen Konflikte, wie Sie sagen.“

„Hell“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
Warum haben Sie einen so apokalyptischen Film in eine so nahe Zukunft gelegt? 2016, das ist doch nicht so weit entfernt…

„Dafür gab es mehrere Gründe. Erstens wollten wir, dass es sich anfühlt, als könnte das bald passieren. Wenn man also am Anfang im Kino sitzt soll man das Gefühl bekommen: Oh, es könnte bald passieren. Man soll sich nicht zurücklehnen und sagen: Ja Ok, das kommt erst im Jahr 2030. Und zweitens konnten wir dadurch das Setting einigermaßen in der Jetzt-Zeit verankern. Wir mussten uns nicht überlegen, ob schon irgendwelche ganz andere Technologien entwickelt wurden oder so etwas.“

„Hell“
Es handelt sich um Ihren Erstlingsfilm, und Sie haben dafür sehr berühmte und erfahrene Schauspieler engagiert. Wie war es, mit ihnen zu arbeiten?

„Toll. Ich habe sehr viel von ihrer Erfahrung profitiert. Als ich mir das Casting überlegt habe, wollte ich den Film so gut wie möglich besetzen. Dann muss ich mich so wenig wie möglich um die Schauspieler kümmern und kann so viel wie möglich von ihrer Erfahrung profitieren. Und die Rechnung ist aufgegangen. Ich hatte wirklich das Glück mit ganz tollen Schauspielern zusammenarbeiten zu dürfen.“

´Le samurai´ von Melville
Sie haben mit dem Film schon mehrere Erfolge eingefahren und mehrere Festivals besucht. Wie würden Sie die Lage hier beim Festival in Karlsbad mit ihren früheren Erfahrungen vergleichen?

„Das hier ist ein ganz anderes Festival, als jene, die ich bisher kennen gelernt habe. Das Erstaunlichste finde ich, dass es mehr wie ein Open-Air-Music-Festival ist. Also es sind da ganz viele Leute, ganz junge Leute und es scheint riesengroß zu sein. Manchmal sind diese Festivals von der Filmbranche für die Filmbranche, und hier ist es viel offener. Ich war gestern um elf Uhr in einem Film, ´Le samurai´ von Melville, und da war das Kino um elf Uhr morgens knallvoll. Voller junger Leute bei so einem alten Film. Also das fand ich beeindruckend.“