„Zu Hause ist´s am schönsten“ – bei Tschechen boomt der Urlaub im eigenen Land
Die Tschechen mögen ihr eigenes Land gerne – und das auch zum Urlaubmachen. Diesen Sommer zählt das ganz besonders.
„Wir wollten von hier aus auch einen Tag nach Dresden fahren. Wegen der Anschläge in Deutschland haben wir den Ausflug aber gestrichen. Das Risiko ist uns zu hoch.“
Stattdessen gondelt Jana Guličová mit der Seilbahn auf den gut eintausend Meter hohen Ještěd / Jeschken, den Hausberg von Liberec. Das mache sie aus Nostalgie, sagt sie, denn sie habe in der Stadt studiert.Mehr Besucher, das registrieren auch die Betreiber der Seilbahn. Ende Juli sagte der Vorsteher der Ještědbahnen, Vladimír Stěpán:
„Die Zahl der Besucher hat sich gegenüber dem Vorjahr erhöht. Wenn wir weiterhin pro Tag im Schnitt zweitausend Menschen befördern, dann liegen wir für diesen Juli bei 60.000 Fahrgästen. Im Juli vergangenen Jahres waren es 50.000.“
Die zusätzlichen Besucher kommen ebenso aus dem Ausland. Gerade bei deutschen Gästen gab es hierzulande bereits im ersten Quartal dieses Jahres ein starkes Plus. Laut den offiziellen Statistiken stieg ihre Zahl um gut 17 Prozent. Doch immer noch bilden die Einheimischen das Gros. Das Meinungsforschungsinstitut Stem / Mark hat dazu vor kurzem eine Umfrage veröffentlicht. Demnach will dieses Jahr fast die Hälfte der Tschechen (48 Prozent) ihren Urlaub im eigenen Land verbringen. Im vergangenen Jahr planten dies nur 32 Prozent.
Beliebt ist traditionell auch das Riesengebirge. Karel aus Nymburk in Mittelböhmen verbringt einen Kurzurlaub in Harrachov / Harrachsdorf. Er ist mit seiner kleinen Tochter dorthin gekommen:„Es ist schön hier, ich kenne viele Plätze gar nicht. Das ist ein bisschen wie eine Entdeckungstour.“
Jan aus Poděbrady im Elbetal besucht seine Freundin, die in Harrachov als Kellnerin jobbt. Beide sind mit dem Rad unterwegs, unter anderem zum nahe gelegenen Mumlava-Wasserfall. Von Bergeinsamkeit jedoch keine Spur:
„Wahnsinnig voll war es. Auf dem Weg hin und zurück haben wir mindestens 150 Menschen getroffen.“Obwohl viele der Besucher auf eigene Faust gebucht haben, spüren auch die tschechischen Reiseveranstalter den Trend. Dieses Jahr haben sie bis zu 20 Prozent mehr Aufenthalte im eigenen Land verkauft. Auslandsreisen sind hingegen weniger gefragt: Da gab es einen Rückgang um 15 Prozent. Besonders Ägypten, die Türkei, Tunesien und mittlerweile auch Frankreich stehen längst nicht mehr so hoch im Kurs bei den Tschechen wie noch im vergangenen oder vorvergangenen Jahr.







