Zum 90. Todestag von Franz Kafka

Foto: © City of Prague
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Eine Doppelausstellung, mehrere Theatervorstellungen, ein Konzert und noch einiges mehr: So wird an diesen Tagen in Prag des 90. Todestags von Franz Kafka gedacht. Er starb am 3. Juni 1924.

Franz Kafka
Franz Kafka ist einer der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er gilt als Vorläufer des Existenzialismus sowie als Analytiker der Macht und deren Absurdität. Kafka kam 1883 in Prag auf die Welt. Als deutschsprachiger Jude habe er zwischen verschiedenen Welten gelebt, sagt die Leiterin der Franz-Kafka-Gesellschaft Markéta Mališová:

„Kafka war ein in Prag lebender deutschsprachiger Jude. Es lässt sich nicht genau sagen, welchem Milieu er sich zugehörig fühlte. Er lässt sich nicht einordnen. Sein Vater stammte aus einer tschechisch-jüdischen Familie aus Südböhmen, und die Mutter aus einer deutschsprachigen Rabbiner-Familie aus der Region von Nymburk. Bei Kafka vermischte sich alles.“

Kafka schrieb seine literarischen Werke, Tagebücher und Briefe auf Deutsch. Er konnte aber auch gut Tschechisch, betont Mališová. Die Beziehung zu seiner Geburtsstadt war aber kompliziert. Bekannt ist sein geflügeltes Wort: Prag lasse nicht los, dieses Mütterchen habe Krallen.

Markéta Mališová (Foto: Miroslav Krupička)
„Er versuchte immer Prag loszuwerden, doch er lebte fast sein ganzes Leben lang dort, bis auf eine letzte Etappe in Berlin. Er liebte Berlin sehr und betrachtete es als eine große und freie Stadt. Außerdem hatte er dort seinen Verleger, das trug auch zu seiner Liebe zu Berlin bei. Dagegen bezeichnete er Wien als kleines Dorf. Prag war eine Basis für sein Schreiben, es hat ihn wesentlich beeinflusst. Aber ich denke, dass er es nicht besonders liebte.“

Kafka wurde als Autor erst nach seinem Tod berühmt: in den 1940er Jahren zunächst in den USA, in Europa erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst ab den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts rezipierte man sein Schaffen auch in seinem Heimatsland.

Als die wichtigsten Werke Franz Kakfas gelten die drei Romane „Der Prozess“, „Das Schloss“ und „Amerika“. Sie sind aber nicht zu seinen Lebzeiten erschienen. Er selbst gab nur sechs Erzählungen heraus, unter anderem „Die Verwandlung“, „Das Urteil“ sowie „In der Strafkolonie“.

Seit 1990 setzt sich die Franz-Kafka-Gesellschaft in Prag für eine Wiederbelebung jener Traditionen ein, die zum Phänomen der so genannten Prager deutschen Literatur beigetragen haben. Dazu gehört auch die Edition der Werke von Franz Kafka. Markéta Mališová:

„Die Franz-Kafka-Gesellschaft hat einen eigenen Verlag, der das Gesamtwerk von Franz Kafka herausgegeben hat. Das war eine langjährige Arbeit. Meiner Meinung ist die Bedeutung seiner weiteren Schriften mit dem Stellenwert seiner Romane gleichzusetzen: Auch seine Erzählungen, Kurztexte, Briefe und Tagebücher waren literarische Werke.“

Anlässlich Kafkas Todestags finden zahlreiche Projekte und Veranstaltungen in Prag statt. Die Kafka Band gab am Vorabend im Prager Theater Archa ein Konzert, bei dem Songs aus ihrem Album „Das Schloss“ zu hören waren und das Švanda-Theater hat eine Bühnenadaptation der Novelle „Die Verwandlung“ einstudiert. Unter dem Namen „Franz KafKABARET“ treten Figuren aus seinen Werken in einer kabarettartigen Kollage auf der Bühne auf, diese Vorstellung ist vom 4. bis 12. Juni sogar auf Englisch zu bewundern. Im Altstädter Rathaus ist zudem noch bis Ende Juni eine Ausstellung mit dem Namen „Der Prozess. Original und Verwandlung“ zu sehen. Mehr zu einigen dieser Veranstaltungen hören Sie in den nächsten Tagen in unseren Sendungen.