Zutritt verboten: Goldenes Gässchen rund ein Jahr lang gesperrt

Goldenes Gässchen (Foto: Štěpánka Budková)

Hunderttausende Touristen besuchen pro Jahr die Prager Burg. Und für fast alle von ihnen gehört ein Spaziergang durch das berühmte Goldene Gässchen zum krönenden Abschluss. Doch seit Montag heißt es für Besucher: Zutritt verboten! Rund ein Jahr lang wird eine der größten Touristenattraktionen des Landes fest in der Hand von Bauarbeitern und Archäologen sein. Das architektonische Kleinod muss dringend generalsaniert werden.

Goldenes Gässchen  (Foto: Štěpánka Budková)
Das größte Problem für die einmaligen Häuser aus dem 16. Jahrhundert ist die undichte Kanalisation, sagt Václav Beránek, der in der Prager Burgverwaltung für die Kultur zuständig ist:

„Die Schließung der Gasse war unumgänglich. Schon seit Jahren wussten wir, dass Abwasser und Regenwasser nicht abfließen, sondern in die Fundamente der Häuser eindringen und das ist natürlich aus statischen Gründen sehr gefährlich.“

Zwar drohe nicht, wie von manchen Experten behauptet, der Einsturz der Gebäude, so Beránek im Gespräch mit dem Tschechischen Rundfunk. Aber die Schäden seien bereits enorm.

Goldenes Gässchen  (Foto: Štěpánka Budková)
Gleichzeitig mit den Bauarbeitern rücken auch die Archäologen an. Und die machen sich auf so manche Überraschung gefasst:

„Bisher hatten sie noch nie die Möglichkeit, das ganze Goldene Gässchen genau unter die Lupe zu nehmen und in größere Tiefen vorzudringen. Das kann ein sehr interessantes Terrain sein, weil wahrscheinlich die ganze Gasse auf einer Müllhalde steht. Denn seinerzeit gab es dort einen Zwischenraum zwischen der romanischen Befestigungsanlage und den Renaissance-Festungsmauern, die die Jagiellonen erbaut haben.“

Goldenes Gässchen  (Foto: Štěpánka Budková)
Aus diesem Grund sei auch nicht klar, wie lange das Goldene Gässchen gesperrt bleibt, sagt Václav Beránek von der Prager Burgverwaltung. Vorsichtige Schätzungen gehen von rund einem Jahr aus. Ihm sei klar, dass viele Prag-Besucher wegen der Sperre einer der wichtigsten Touristenattraktionen enttäuscht sein werden. Daher habe man ein Ersatzprogramm vorbereitet, sagt Beránek:

„Wir haben einen Teil des Palais Rosenberg für Besucher der Prager Burg geöffnet und in die Besichtigungstour eingefügt. Zu sehen ist dort unter anderem die frisch restaurierte Kapelle mit den wertvollen barocken Fresken und der imposanten Stuckdecke.“

Jahrelang hat die Beseitigung jener Schäden gedauert, die das Innenministerium und die Burgpolizei als Nutzer des Gebäudes verursacht haben. In neuem Glanz erstrahlen wird nach der Sanierung auch das Goldene Gässchen. Und die Burgverwaltung verspricht, dass es dort statt der zahlreichen Ramschläden in Zukunft mehr Kultur geben wird. Unter anderem eine Ausstellung über die Entstehung der berühmten Gasse. Und auch ein kleines Kino wird eingerichtet, in dem historische Filme über die Prager Burg gezeigt werden sollen.