„5 Minuten“ - neue TV-Serie im tschechisch-sächsischen Grenzgebiet

Foto: www.5min-online.eu

Im Fernsehen sehen, was sich bei dem Nachbarn tut. Das ist ab sofort möglich und zwar im tschechisch-sächsischen Grenzgebiet. Die tschechische Bürgervereinigung „Evropan“ (Europäer) und das sächsische Mediennetz „Sendernetz“ haben ein binationales Fernsehprojekt auf die Beine gestellt. „Wir sind Nachbarn“ – 5 Minuten Sachsen, 5 Minuten Böhmen, so heißt es. Wie das Projekt funktioniert und was es bewirken soll, darüber sprach Christian Rühmkorf im Forum Gesellschaft mit der Evropan-Projektmanagerin Pavla Růžičková.

Erste Pressekonferenz
Am 1. Oktober ist in der deutsch-tschechischen Grenzregion, in Nordböhmen und Sachsen, das Fernsehprojekt „5 Minuten Böhmen – 5 Minuten Sachsen“ auf Sendung gegangen. Pavla Růžičková von der Bürgerinitiative Evropan, Sie sind die Managerin des Projektes auf tschechischer Seite. Was genau ist das Fernsehprojekt „5 Minuten“ und welches Ziel verfolgt es?

„Das Ziel dieses Projektes ist, uns gegenseitig mehr kennen zu lernen. Denn wir haben leider festgestellt, dass wir ganz nah nebeneinander an der Grenze leben aber über den jeweils anderen kaum etwas wissen. Die meisten Tschechen hier wissen zwar, wo man prima einkauft, vielleicht auch noch wo man in Sachsen baden gehen kann. Aber über das alltägliche Leben haben sie keinerlei Informationen. Nun haben wir dieses Projekt und dabei entsteht jede Woche ein neuer Teil einer Serie. Die Serie trägt den Namen ‚Wir sind Nachbarn’ - ‚5 Minuten Böhmen, 5 Minuten Sachsen’. Und diese Teile werden getauscht. Das ist das Ding an der Sache…“

Erste Pressekonferenz
Das ist dann der binationale Aspekt? Die Teile werden ausgetauscht…

„Genau. Und zwar drehen wir auf unserer Seite, wie es bei uns ist, zum Beispiel im Schulwesen, wie bei uns die Kindergärten funktionieren und wie das alles läuft. Das machen wir aus unserer Sicht. Unsere Projektpartner auf sächsischer Seite - „Sendernetz“ - drehen zum gleichen Thema, aber aus der sächsischen Sicht. Insgesamt entstehen während des Jahres 104 Sendungen. Und wir haben uns Themen herausgepickt aus dem alltäglichen Leben, aus Kultur und Sport aber auch aus dem Sozialwesen und der Gesundheitsfürsorge - alles aus der tschechischen Sicht und aus der sächsischen Sicht.“

Erste Pressekonferenz
In der ersten Sendung am 1. Oktober sind ja Stereotypen, Vorurteile thematisiert worden. Glauben Sie, dass Sie mit diesen Sendungen die sehr festgefahrenen Bilder in den Köpfen der Menschen in Deutschland und in Tschechien aufbrechen können? Denn das, was da ja zu hören war, das waren wirklich die ganz alten Vorurteile, und da merkte man, dass es selbst im Grenzgebiet wenig Kontakt zwischen den Menschen aus beiden Ländern gibt.

Erste Pressekonferenz
„Wir machen uns nicht vor, dass wir das alles auf einmal in einem Jahr ändern können. Aber wir hoffen, dass wir die Leute dazu bewegen können, sich darüber Gedanken zu machen und zu sagen: ‚Ok, unsere Nachbarn sind zwar anders, aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie schlecht oder falsch sind.’ Und wir waren selbst auch sehr überrascht bei den ersten Dreharbeiten, wie fest diese Stereotypen in den Gedanken der Leute leben und dass davon sogar auch junge Leute betroffen sind. Das tat uns recht leid und wir hoffen, dass wir in dieser Sache mit unseren Sendungen etwas machen können. Die werden auch auf unserem tschechisch-deutschen Webportal angeboten. Man kann sie sich also jederzeit ansehen. Und wir planen sogar diese Sendungen jedes Vierteljahr auf einer DVD in verschiedene Institutionen oder auch in Schulen zu schicken, damit das wirklich auch an die breite Öffentlichkeit gelangt und vielleicht auch Lehrer oder andere Institutionen damit arbeiten können.“

Erste Pressekonferenz
Wer produziert in Tschechien die Beiträge und wer bestimmt, was da hineinkommt?

„Was hineinkommt bestimmen wir, das heißt die Bürgerinitiative Evropan, also ich als Managerin und meine Mitarbeiter, in Absprache mit der deutschen Seite. Und bei uns produziert das TV Lyra. Das ist ein regionaler Fernsehsender. Mit dem Sender haben wir einen Vertrag und die Leute sind uns sehr entgegengekommen. Die drehen für uns das Ganze. Aber wir haben immer eine Übersicht, was gedreht wird und wie es gedreht wird und wir sind auch bei der ganzen Produktion dabei.“

Erste Pressekonferenz
Wo sind die Sendungen zu empfangen außer im Internet?

„Auf der sächsischen Seite in einem ganzen Netz von lokalen Sendern im Kabelfernsehen. Und auf der tschechischen Seite deckt eben mit seinem Signal TV Lyra die ganze Region Ústí nad Labem / Aussig an der Elbe ab. Die senden das freiwillig und kostenlos.“

Wie wird das Ganze finanziert? Die EU hat da ihre Finder mit drin, richtig?!

„Ja, ganz genau. Es ist ein großes Projekt und mitfinanziert von der EU. Und wir beziehen unser Geld über die Sächsische Aufbaubank (SAB). Das ganze Projekt vorzubereiten hat - unter Zusammenarbeit mit dem deutschen Partner und mit der SAB – eineinhalb Jahre gedauert. Wir haben also die Fördermittel bekommen und nun drehen wir schon.“

Die erste Sendung ist ja noch ganz jung, erst ein paar Tage alt. Haben Sie dennoch vielleicht schon die eine oder andere Reaktion erhalten?

„Ja, haben wir, und zwar eine sehr gute von den Studenten der hiesigen Uni in Ústí / Aussig. Das waren Germanistikstudenten, und die waren ganz begeistert davon und haben sich sogar bereit erklärt, mit uns zusammenzuarbeiten und bei den Themen und vielleicht auch bei der Produktion behilflich zu sein. Wir sind sehr froh darüber. Und auch die Pädagogen haben sich dazu sehr erfreut geäußert. Das sei etwas, das hier fehle. Wir haben auch schon von unseren Zuschauern ein paar Anrufe bekommen, dass es interessant sei und man sich auf die weiteren Beiträge freue.“

Dann wünschen wir Ihnen noch viel Erfolg bei den nächsten Sendungen von „5 Minuten Sachsen – 5 Minuten Böhmen“. Pavla Růžičková, herzlichen Dank für das Gespräch.

Fotos: www.5min-online.eu