Abschluss des Festivals Prager Frühling: Mahlers „Sinfonie der Tausend“ mit renommierten Solisten

Das internationale Musikfestival Prager Frühling geht mit zwei Konzerten zu Ende, bei denen Gustav Mahlers „Sinfonie der Tausend“ erklingt. Martina Schneibergová hat mit einigen der Mitwirkenden gesprochen.

Gemeinsam mit der Tschechische Philharmonie, die unter der Leitung ihres Chefdirigenten Semjon Bytschkow spielt, treten am Montag und Dienstag im Smetana-Saal des Prager Gemeindehauses (Obecní dům) acht Solisten und drei Chöre auf. Denn es erklingt Gustav Mahlers 8. Sinfonie, auch bekannt als „Sinfonie der Tausend“. Die britisch-deutsche Sopranistin Sarah Wegener hat bereits mehrmals in diesem Monumentalopus gesungen. Über die Prager Aufführung sagte sie vorab:

Sarah Wegener | Foto: Václav Hodina,  Pražské jaro

„Ich habe in der Sinfonie schon einige Male gesungen – ich glaube, es waren 18 Mal oder so. Und es ist natürlich jedes Mal anders, weil ja die Zusammenstellung anders ist. Man hat andere Kollegen. Zum Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der zweiten Sopranistin ganz wichtig, ich singe den ersten Sopran. Wenn diese Kooperation nicht klappt, kann man es vergessen. Aber ich habe das Glück gehabt, dass ich immer ganz tolle Kolleginnen hatte. Manche Dirigenten und Dirigentinnen mögen das mehr dramatisch besetzt, andere wollen es mehr transzendent hören. Das ist ganz interessant. Und hier in dieser Zusammenstellung haben wir eine tolle Mischung aus einerseits dramatischen Stimmen, die sich aber andererseits alle auch zurücknehmen können und transparent singen. Und das finde ich ganz toll.“

Die österreichische Sopranistin Miriam Kutrowatz hat in der „Sinfonie der Tausend“ eine kleine, jedoch wichtige Rolle. Die Solistin merkte an:

Miriam Kutrowatz | Foto: Václav Hodina,  Pražské jaro

„Ich darf die Mater Gloriosa im zweiten Teil singen. Wie der Maestro (Semjon Bytschkow, Anm. d. Red.) vorher gesagt hat, beginnt da ein bisschen dieses schwebende Ende, das sich dann wirklich bis ganz zum Schluss aufbaut. Ich bin in den Proben immer sehr gerne von Anfang an dabei, um diese Reise vom ersten Teil über den zweiten Teil mitzuerleben und auch mein Motiv schon ganz am Anfang zwischendurch zu hören. Jetzt bin ich, je öfter ich jetzt da drinnen gesessen bin, immer öfter auf Stellen gekommen, in denen ich schon etwas höre, was dann später kommt. Diesen kurzen schwebenden Moment zu singen, ist einfach immer ganz besonders, mit ganz viel Herzklopfen.“

Und wie fand die deutsche Mezzosopranistin Stefanie Irányi die Arbeit am Einstudieren der „Sinfonie der Tausend“ in Prag?

Stefanie Irányi | Foto: Václav Hodina,  Pražské jaro

„Für mich ist Mahlers 8. Sinfonie insofern ein unglaubliches Erlebnis, vor allen Dingen die Probenzeiten, weil man mitbekommt, wie komplex, wie polyphon alles geführt ist. Die verschiedenen Stimmen zu hören, die Schönheiten in jedem Detail, das ist etwas ganz Besonderes. Und das verstärkt sich noch, wenn man die Möglichkeit hat, nicht nur eine oder zwei Proben zu absolvieren, sondern den ganzen Aufbau mitzuerleben, wenn der Chor mit hinzukommt. Man entdeckt tatsächlich immer wieder neue Stellen, die plötzlich eine Schönheit ausstrahlen, die man vorher nicht erwartet hat. Wir haben dieses Mal drei Klavierproben gehabt, was aber ganz toll ist, weil man diese Zeit eigentlich braucht. Aber es dauert auch eine Weile, bis sich acht Solisten gefunden haben, wie man sich farbenmäßig vom Timbre annähert – also ganz banale Dinge, die organisiert werden müssen. Es ist auch ein körperlicher Prozess, den man durchgeht, bis man dieses Werk so inhaliert, dass man das Gefühl hat, jetzt wird man eins mit ihm.“

Die Solistinnen sprachen sich des Weiteren zu ihrer Beziehung zur tschechischen Musik aus. Sarah Wegener meinte zuerst, sie hätte vielleicht eine muttersprachliche Kollegin oder eine Mentorin gebraucht, die ihr eine der tschechischen Kompositionen empfohlen hätten. Dann sagte sie, sie hätte beinahe das wichtigste Werk vergessen:

Foto: Václav Hodina,  Pražské jaro

„Das Stabat Mater von Dvořák, ich liebe es. Es ist auch ein bisschen ähnlich wie bei der 8. Sinfonie von Mahler. Vom ersten Ton, der erklingt, geht so ein Universum auf – und man ist im Herzensraum.“

Und Stefanie Irányi schloss sich ihrer Kollegin an:

„Ich habe ebenfalls das Stabat Mater und das Requiem von Dvořák gesungen. Wobei ich ganz deutlich zum Stabat Mater tendiere. Da ist die Musik wahnsinnig einnehmend. Dvořáks Zigeunerlieder habe ich sehr oft gemacht. Das ist eine wunderbare Musik, vor allen Dingen auch, dass man das Gefühl hat, man lernt das Land besser kennen.“

Miriam Kutrowatz nennt ebenfalls Antonín Dvořák:

Sarah Wegener,  Stefanie Irányi und Miriam Kutrowatz | Foto: Václav Hodina,  Pražské jaro

„Ich habe jetzt ein bisschen überlegt. Aber auch mein einziger Berührungspunkt ist Dvořáks Musik. Vor allem auch gibt es die ,Klänge aus Mähren‘. Die habe ich als kleines Kind immer wieder gehört. Und im Herbst trete ich bei einem Konzert auf, bei dem ich ‚die Klänge‘ singen darf.“

Sie hörten Gespräche mit der britisch-deutschen Sopranistin Sarah Wegener, der deutschen Mezzosopranistin Stefanie Irányi und der österreichischen Sopranistin Miriam Kutrowatz. Sie singen in der „Sinfonie der Tausend“ von Gustav Mahler, die zum Abschluss des Festivals „Prager Frühling“ am Montag und am Dienstag im Prager Gemeindehaus erklingt.