Altbewährt: Radio Prag nun wieder auf Kurzwelle zu empfangen

Foto: Renjith Krishnan, FreeDigitalPhotos.net

Ab 1. November sind die Sendungen von Radio Prag auch wieder traditionell über Kurzwelle zu hören - als Teil eines Projektes von Radio360eu. Erstmals seit 2011 kann das Programm nun täglich ab 21 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz empfangen werden. Die Übertragung ist Teil einer neuen Sendestrecke am Abend. Dabei wird hintereinander das deutsche Programm des slowakischen, tschechischen und polnischen Rundfunks ausgestrahlt. In etwa anderthalb Stunden können sich die Hörer über die neuesten Geschehnisse in Mittel- und Osteuropa informieren. Wie es dazu kam, erläutert der Verantwortliche des Projektes, Christian Milling.

Foto: Renjith Krishnan, FreeDigitalPhotos.net
Herr Milling, Ihr Ziel ist es, Auslandsdienste wieder zurück ins Radio zu bringen. Für die Sendungen von Radio Prag wird es nun auch ein Comeback zur Kurzwelle geben. Vielleicht können Sie unseren Hörern kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist...

„Wir betreiben schon seit vielen Jahren in der Eifel, in Deutschland, eine eigene Kurzwellensendeanlage. Damals war sie die einzig privat geführte Anlage, denn die restlichen waren bereits vom Staat übernommen worden. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, und unsere Mitglieder sind fasziniert von diesem Medium. Wir können uns aus eigener Überzeugung sowie anhand der Faktenlage von diesem Medium nicht ganz verabschieden. Der Wechsel ins Internet ist noch nicht vollständig möglich. Gerade in unserer Region gibt es noch zahlreiche sogenannte weiße Flecken auf der Landkarte. Dort ist immer noch kein schnelles Internet verfügbar. Wir sind dagegen, die Leute aus den ländlichen Regionen, die nicht über jene Zugänge verfügen, vom internationalen Nachrichtenfluss auszuschließen. Deswegen möchten wir mit unserem Projekt die bewährten und bekannten Sender wieder zurück auf die Kurzwelle bringen.“

Christian Milling (Foto: Archiv von Christian Milling)
Sie haben bereits die Übertragung per Internet angesprochen. Die Sendungen von Radio Prag laufen schon seit einiger Zeit als Webstream oder als Podcast auf Ihrer Onlineplattform Radio369eu: Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen den Onlineangeboten und dem traditionellen Empfang von Radio über Kurzwelle?

„Der Unterschied ist zunächst, dass ich online viel mehr Möglichkeiten habe. Das ist gut und wichtig. Es ist der Weg, den man in der heutigen Zeit gehen muss. Allerdings ist der Zugang zum Netz für viele noch mit Hindernissen verbunden. Zum einen mangelt es an den technischen Möglichkeiten, die zahlreichen bunten Grafiken und Audiostreams zu empfangen, da sie bestimmte Datenvolumen darstellen und dementsprechend Geschwindigkeiten bei der Übertragung voraussetzen. Der andere Punkt ist: Beim Kurzwellenradio muss man nur einmal in das Gerät investieren und kann es immer wieder nutzen. Im Vergleich dazu hat man online eine Zugangshürde, indem man monatlich einen Beitrag an den Netzbetreiber bezahlen muss. Um informiert zu werden, muss man also den Anbietern immer wieder das Geld hinterhertragen.“

In der neuen Sendestrecke werden neben Radio Prag auch Radio Slowakei und der Auslandsdienst des polnischen Rundfunks übertragen. Das Ganze hat damit nun einen Fokus auf Ost- und Mitteleuropa bekommen - wie hat sich das ergeben?

„Das hat sich einerseits ergeben, weil sehr viele Hörer nach der Abschaltung der Kurzwellenprogramme der einzelnen Länder sagen, ihnen fehle da etwas und sie hätten völlig den Kontakt verloren. Daraufhin wurden wir von einigen Hörern angesprochen, ob es nicht möglich sei, die Programme wieder über Kurzwelle zu übertragen. Außerdem senden wir schon seit längerer Zeit die Auslandsdienste von Radio Belarus und weiteren Sendern. Daraus entstand die Idee hiefür. Wir werden einfach die Rückmeldungen auf die altbewährte Übertragung per Kurzwelle abwarten und ihre Daseinsberechtigung prüfen.“

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