Am Freitag beginnt in Prag das internationale Internetprojekt cafe9.net

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Es gibt auch Internetcafés, wo man mehr als einen Feriengruß an seine Freunde mailen kann. Ein solcher Kommunikationsort der besonderen Art heißt seit Freitag im Prager Universalraum Roxy alle Besucher willkommen. Dieses Café schaute sich für uns bereits Daniela Králová an, ihren Bericht liest für sie Katrin Schröder.

Im Internetcafé Roxy wird für zwei Monate ein internationales Internetprojekt stattfinden, das unter dem Patronat der Gesellschaft Prag - Kulturstadt Europas 2000 steht. An der Veranstaltung, die unter dem Titel "Cafe9.net" läuft, beteiligen sich außer Santiago de Compostela alle europäischen Kulturstädte 2000: Avignon, Brüssel, Bergen, Bologna, Helsinky, Reykjavik, Krakau und Prag.

Das Hauptanliegen des Projektes ist die Schaffung eines gemeinsamen virtuellen Raumes, wo man kreativ zusammenarbeiten kann. Die Autoren und Organisatoren des Projekts wünschen sich, dass ein langfristiges Kommunikationsnetz aufgebaut wird, dass auch in der Zukunft einem internationalen kulturellen Austausch dienen kann.

Neben Krakau ist Prag die einzige osteuropäische Stadt, die sich an diesem Projekt, das auf Kommunikation via neue Medien basiert, beteiligt. Wie sind die Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit tschechischen Künstlern im Vergleich mit ihren westlichen Kollegen, fragte ich den Direktor des Zentrums für Gegenwartskunst, Ludvik Hlavacek, der das Projekt mitorganisiert:

"In der Tschechischen Republik überwiegt eine Art Traditionalismus. Im Zusammenhang mit solchen Projekten, die neue Technologien anwenden, gibt es hier eine sehr starke Skepsis. Die ist unter den westlichen Künstlern nicht so deutlich, aber ich muß sagen, dass in Westeuropa auf diesem Feld auch viele osteuropäische, russische, bulgarische oder rumänische Künstler wirken."

Trotz dieser Skepsis - oder gerade wegen ihr - lohnt es sich, eine solche Aktion auf die Beine zu stellen. Die Nutzung der neuen Technologien kann nämlich viel Positives mit sich bringen. Was der scheinbar isolierte Mensch, der nur mittelbar per Bildschirm kommuniziert, dabei lernen kann, sagt Ludvik Hlavacek:

"Es steht außer Zweifel, dass sich dadurch der Mensch der Gesellschaft oder der Kommunität, mit der er im Kontakt steht, öffnet. Und dabei ist sehr wichtig, dass er anderen Menschen zuhören kann und dass er bereit ist, seine Anschauungen, in denen er durch seine physische Anwesenheit sozusagen verankert ist, zu korrigieren und zu verändern. Dadurch kann er auch Ansichten akzeptieren, die für ihn nicht geläufig sind, die aber vielleicht in einer Tausende von Kilometern entfernten Kultur normal sind. Die Nutzung der neuen technischen Mittel birgt deshalb auch eine Chance. Wir können dadurch vielleicht eine gewisse Beschränktheit, zum Beispiel die Fremdenfeindlichkeit, oder andere unserer Grenzen loswerden."

Auf dem Programm der Veranstaltung stehen mehr als hundert Aktionen, die sich mit Bereichen wie Globalisierung, Mediennutzung und Zukunft von Europa auseinandersetzen. Dabei können die Teilnehmer von Techniken wie Videokonferenz, Streaming Audio-Video, Audio Production Workshop und anderen Gebrauch machen.

Das Projekt dauert noch bis zum 28. Oktober und ist auch im Internet unter www.cafe9.net zu finden.

Autor: Katrin Schröder
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