Anti-Terror-Einsatz in London führte zu Flugausfällen auch in Prag

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Menschen, die Karten spielen, ein Buch lesen oder ein Kreuzworträtsel lösen. Aber auch Leute, die unentwegt zur Anzeigetafel schauen, nervös auf ihren Fingernägeln kauen oder fluchen und aufgeregt gestikulieren. Nichts ging mehr für die Passagiere, die am Donnerstag auf dem Prager Flughafen Ruzyne auf eine Maschine Richtung Großbritannien oder USA warteten. Die vereitelten Terroranschläge in London hatten ihren Schatten auch bis nach Tschechien geworfen. Lothar Martin berichtet.

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Zunächst war die Erregung und Enttäuschung groß, als auf dem Prager Flughafen bekannt gegeben werden musste, dass sich Flüge nach London verspäten oder ganz vom Flugplan genommen werden. Doch als nach und nach durchsickerte, dass der größte europäische Flughafen in London-Heathrow gesperrt ist, weil Polizei- und Sicherheitskräfte einen geplanten massiven Terroranschlag voll und ganz ausschließen wollten, da wuchs das Verständnis spürbar an. Wie zum Beispiel auch bei dieser wartenden Amerikanerin:

"Wahrscheinlich bleibe ich noch einige Tage in Prag, bis alles eindeutig geklärt ist. Ich habe hier im Sommer studiert."

Lediglich Reisende, die aufgrund dienstlicher Verpflichtungen nach London wollten, waren hektischer und noch betriebsamer als sonst. Denn Termine und andere Verpflichtungen mussten kurzfristig via Telefonat oder sms abgesagt und alternative Lösungen gefunden werden. Aber es ließ sich nicht ändern: Wegen der Schließung des Flughafens Heathrow mussten am Donnerstag zwei Flüge mit der tschechischen Gesellschaft CSA, drei mit British Airways und sogar alle mit dem Billiganbieter easyJet gekänzelt werden. Die Sicherheit der Passagiere allerdings geht vor, bestätigte auch die Sprecherin der Flughafenverwaltung Letiste Praha, Veronika Sedlacková:

Flughafen Ruzyne  (Foto: CTK)
"Man kann jetzt noch nicht sagen, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Der Flughafen Prag ist natürlich darauf vorbereitet, auf jede mögliche Forderung einer Fluggesellschaft oder eines anderen zu reagieren, wenn diese die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen wollen. Denn uns ist natürlich bewusst, dass es hier um die Sicherheit der Passagiere geht."

Und die bereits verschärften Sicherheitsvorkehrungen haben es zum Teil in sich: Neben der noch genaueren Pass- und Visakontrolle dürfen zum Beispiel auf Flügen nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten keine Flüssigkeiten, Brillenetuis oder spezielle Hygieneartikel für Frauen mit an Bord genommen werden. Die für Kleinkinder erlaubte Milch muss persönlich vorgekostet werden. Und die Mitführung von Handgepäck wurde generell verboten.

Neben diesen speziell für Flüge nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten geltenden Sicherheitsmaßnahmen hat die Tschechische Republik aber auch eigene Vorkehrungen zur Überwachung der internationalen Flughäfen in Prag und Brno / Brünn unternommen. Aus diesem Grund hatte sich Premier Jiri Paroubek noch am Donnerstag mit Vertretern der nationalen Sicherheitskräfte getroffen. Paroubek ordnete danach an, die Stärke der Einsatzkräfte beim Nachrichtendienst soweit zu erhöhen, dass der internationale Informationsfluss noch engmaschiger verfolgt und eventuelle Entscheidungen noch kurzfristiger getroffen werden können, teilte Regierungssprecherin Lucie Orgonikova gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit.