Arboretum aus dem Tertiär in Nordböhmen

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In der neuen Ausgabe des Regionaljournals führt Sie Dagmar Keberlova nach Nordböhmen. Diesmal nicht nur eine Reise durch die Region, sondern auch durch der Zeit - und weit zurück, bis in das Tertiär! Im nordböhmischen Bilina bei Teplice wollen Wissenschaftler ein Arboretum errichten, in dem Pflanzen aus dem Tertiär wachsen sollen. Mehr dazu erfahren Sie in den folgenden Minuten von meinen Kollegen Thomas Kirschner und Dagmar Keberlova.

Fossilien aus dem Tertiär sind in Nordböhmen nichts Neues. Diese findet amn dort schon seit langer Zeit und durch die Ausgrabungen steht heute eine umfassende Sammlung zur Verfügung. Die Idee war, den Menschen nicht nur diese Fossilien zu zeigen, sondern auch die Umgebung, in der diese damals gelebt haben. Seit mehreren Jahren verfolgt Karel Mach, der Gründer der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft von Bilina, die hinter dem Projekt steht, diese Idee. Nun ist es soweit, um das Projekt ins Leben zu rufen. Warum gerade in Bilina, dies ist schon die erste Frage an Karel Mach:

"Es gibt mehrere Gründe, warum wir es hier erbauen wollen. Erstens wurden hier gerade bei Bilina die Fossilien gefunden, zweitens sind die Gründungsbedingungen gut. Dazu gehören große Landteile, die noch nicht rekultiviert wurden. So werden beispielsweise große Seen durch die Füllung der ehemaligen Bergbaugruben entstehen. Und nicht zuletzt gibt es bei uns Menschen, die für diese Idee arbeiten wollen."

Das Arboretum sollte helfen, die durch den Bergbau verwüstete Landschaft in Nordböhmen zu kultivieren und das Interesse der Touristen um die Stadt erhöhen. Wege, wie das alles finanziert werden soll, gebe es zwei: Beide gehen über die Severoceska uhelna, die Nordböhmische Bergbaugesellschaft, weil das Arboretum gerade auf den Landflächen, die von dieser Firma rekultiviert werden, erbaut werden soll. Die Firma wird dafür also im Rahmen der Rekultivierung der Landschaft finanziell aufkommen. Hier kommen aber die zwei Wege: einer ist die Anwendung der Fonds, die von der tschechischen Regierung für die Rekultivierung der Landschaft in Nordböhmen bestimmt wurden. Das sind insgesamt 15 Milliarden Kronen, ein Teil davon könnte dem Arboretum zu Gute kommen. Das wurde noch nicht entschieden, das Projekt des Arboretums ist aber immer noch unter den Projekten, aus denen diejenigen ausgesucht werden, unter denen die Summe verteilt wird. Falls dies nicht klappen sollte, hat Herr Mach einen Ersatzplan: dann sollte s aus einem besonderen Fonds der Firma bezahlt werden, der nur für die Rekultivierung bestimmt ist. Die Summe ist aber im Endeffekt nicht so hoch: 700 000 Kronen, also etwa 22 000 Euro. Und was auf der Fläche von etwa 8 Hektar in der Zukunft wachsen soll? Karel Mach antwortet:

Foto: Morty, Creative Commons 2.0
"Wir setzen voraus, dass wir hier Pflanzen einsetzen werden, die naturgemäß mit denen aus dem Tertiär nicht ganz identisch sein werden, aber ihre Nachfahren sind. Die wichtigste Pflanze, die es im Tertiär gab und auch hier in unserer Region sind die sog. "Taxodia", das sind Pflanzen die heute im süd-östlichen Teil der USA wachsen. Dann eine Reihe von Pflanzen, die die Menschen aus unseren klimatischen Bedingungen kennen wie Kiefer, Eichen, Pappeln, Ahorne etc."

Das Arboretum zu erbauen dauert ein bis zwei Jahre, so Herr Mach, Erfahrung damit gebe es in Europa bereits. Zwei davon gibt es sogar in Deutschland, eins wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Das Problem bei der Öffnung fürs Publikum liegt darin, dass man den Besuchern nicht die gerade eingepflanzten Bäume etc. zeigen kann. Dadurch wird es für die Besucher erst nach etwa 15 Jahren zugänglich, da die Pflanzen erst ein wenig wachsen müssen, damit sie für die Besucher interessant werden. Wer sind eigentlich sind engagierten Leute die hinter der Idee des Arboretums stehen? Herr Mach antwortet:

"Es ist eine Gruppe von Menschen, die glauben, dass Bilina und Nordböhmen nicht nur Bergbaugruben, Stromleitungen und rauchende Schornsteine sind, sondern dass es auch ein wunderschönes Stück Natur ist und dass es sich lohnt, dieses der Öffentlichkeit zu zeigen und zu präsentieren, sei es in anderen Teilen unseres Landes oder im Ausland. Unsere Gesellschaft wurde vor einem Jahr gegründet. Damals begannen dort drei Leute zu arbeiten, heute sind es bereits - die Jugendsektion mit eingeschlossen - über 30 Menschen."

Des weiteren machen sie Aufklärungsseminare zum Thema Natur und Umweltschutz. Zu den praktischen Tätigkeiten gehört die Übersiedlung von durch den Bergbau gefährdeten Tieren in Landteile, die bereits rekultiviert wurden. Damit helfen sie beiden: den Tieren das Leben zu retten und das rekultivierte Land zu besiedeln. In Bilina widmet man sich auch den Jüngsten: Man habe auch eine eigene Kindersektion, so Herr Mach:

"Wir haben eine Kindersektion, wo wir die Kinder zum Umweltschutz erziehen sowie ihr Wissen über die Natur erweitern wollen. Die Kinder sind nach dem Alter eingeteilt. Dann bauen wir ein Umweltzentrum am Gymnasium in Bilina. Im Rahmen des Zentrums planen wir ein Juwel, würde ich sagen, ein Naturwissenschaftliches Museum. Dieses wird sich auf die Entstehung der Kohle orientieren, sowie auf die Fauna und Flora. Des weiteren wollen wir dort ein Aquarium anbringen, und auch die Fossilien aus der Umgebung behandeln."