Archäologiepark Všestary zeigt originalgetreuen Brunnen aus Jungsteinzeit
Im Archäologiepark im ostböhmischen Všestary, ganz in der Nähe von Hradec Králové, gibt es neuerdings den Nachbau eines prähistorischen Brunnens zu sehen. Er wurde ausschließlich mit Methoden errichtet, wie sie vor 7000 Jahren üblich waren.
Bei der Errichtung eines Brunnens, wie er in der Jungsteinzeit angelegt wurde, sei einiges zu beachten. Mit diesen Worten begrüßt der Direktor Radomír Tichý persönlich die Besucher im Archäologiepark in Všestary, die eine Demonstration des Brunnenbaus mitverfolgen. Zunächst müssen dafür vier Balken vorbereitet werden, die die Ecken der Konstruktion bilden. Dazu sei Teamarbeit nötig, erläutert Tichý:
„Ich werde den Pfahl jeweils anspitzen. Und mein Kollege hat die kompliziertere Arbeit, er muss nämlich die Rille einkerben.“
In die Rillen werden dann übereinander Holzbretter gesetzt, und fertig ist die Umrandung des Brunnens. Präsentiert wird ein quadratischer Holzverhau von etwa einem Meter Seitenlänge, der dann in die Erde eingelassen wird – so wie es offenbar auch die Menschen in der Jungsteinzeit gemacht haben.
Tichý und seine Mitarbeiter orientieren sich an jenem echten Brunnen, der 2018 knapp 50 Kilometer südöstlich in dem Dorf Ostrov entdeckt wurde. Experten schätzen sein Alter auf 7300 Jahre, womit er zu den ältesten bekannten Holzkonstruktionen in ganz Europa gehört.
7300 Jahre altes Vorbild
Grund genug, seine Replik im Archäologiepark Všestary zu errichten. Gebaut wurde sie ausschließlich mit Werkzeugen, die es den wissenschaftlichen Forschungen zufolge in der Jungsteinzeit gab. Das sind Hammerköpfe verschiedener Größen, die auf Äste geschoben werden, oder auch archaisch anmutende Hacken, umwickelt mit Bastfäden. Radomír Tichý weist angesichts all der groben Gerätschaften auf die Feinheiten der Arbeit hin, mit der die Holzpfähle zugerichtet werden:
„Es ist, als ob man einen Bleistift anspitzt. Ich schlage keine großen Stücke ab, sondern muss mich vorsichtig zu den einzelnen Abschnitten vorarbeiten. Dabei fallen feine Splitter ab.“
Werkzeuge, wie sie im Archäologiepark jetzt extra angefertigt wurden, hätten früher einiges aushalten müssen, betont Tichý:
„Wir selbst haben 37 Stunden an dem Brunnen gebaut, was relativ anstrengend war. Das Objekt gab uns die Möglichkeit, eine sehr konkrete Arbeit auszuführen – genauso wie es für die Menschen in der Jungsteinzeit nötig war.“
Die Brunnenreplik reiche drei Meter tief in die Erde, erläutert der Pädagoge Aleš Panáček:
„Aber die Pfähle, die wir benutzt haben, sind 4,10 Meter lang. Ein Ende ragt also an der Oberfläche heraus. Und das andere Ende befindet sich noch tiefer als der Brunnenboden.“
Wasser steht in dem Erdloch bisher keines. Denn den Besuchern soll vor allem die Konstruktion gezeigt werden, begründet Panáček. Und mehr noch: Der Holzbau soll vor Nässe durch Regen geschützt werden, weswegen er demnächst noch ein Dach bekommt.
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