Architekt und Mäzen: Vor 190 Jahren wurde Josef Hlávka geboren

Vojtěch Hynais: Porträt von Josef Hlávka (Quelle: Archiv der Nationalgalerie in Prag, Wikimedia Commons, CC0)

Berühmte Bauten von Josef Hlávka finden sich in Prag, Wien und anderen Ecken der ehemaligen Habsburger Monarchie. Die von ihm gegründete Stiftung besteht bis heute. Am 15. Februar 1831 wurde der umtriebige Architekt und Förderer der Wissenschaft und Kultur geboren.

Prager Geburtsklinik Apolinarius  (Foto: Lenka Žižková)

Josef Hlávka gelang so ziemlich alles, was er in Angriff nahm. Schon in jungen Jahren fiel er durch großen Fleiß und harte Arbeit auf. Während der Jahre 1860 bis 1869 ließ Hlávkas Wiener Baukanzlei ganze 142 Gebäude errichten. Darunter war etwa die Prager Geburtsklinik Apolinarius, für die der Architekt selbst den Entwurf vorlegte. Das nach ihm benannte Studentenwohnheim in der Neustadt stiftete er für begabte, aber mittellose Studenten. Und im ukrainischen Czernowitz entwarf er die bischöfliche Residenz.

Gebäude der Wiener Staatsoper  (Foto: Peter Gerstbach,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0)

Weitere Bauten stehen vor allem in Wien. Die bekanntesten sind die Oper und das Albrechtspalais. Aber auch das Akademische Gymnasium, an dem der tschechoslowakische Staatsgründer Tomáš Garrigue Masaryk sein Abitur nachte, ist ein Werk von Hlávka.

Das hohe Arbeitspensum und die anstrengenden Reisen forderten bald ihren Tribut. Im Herbst 1869 erlebte der Architekt einen Zusammenbruch, seine Beine blieben gelähmt. Hlávka war fortan an den Rollstuhl gefesselt, gab seine Kanzlei auf und ließ sich in der Abgeschiedenheit des Schlosses Lužany / Luschan nieder, nur wenige Kilometer von seinem Geburtsort Přeštice / Prestitz in Westböhmen entfernt.

Schloss Lužany  (Foto: Marcela Hájková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

An seinem neuen Wohnort empfingen Hlávka und seine zweite Frau Zděnka zahlreiche namhafte Gäste aus Kultur, Wissenschaft und Politik. In Lužany entstand die Idee für die tschechische Akademie der Wissenschaften, für neue Gebäude der Akademie der Bildenden Künste in Prag und für viele weitere Projekte.

Josef Hlávka mit seinen Ehefrauen Marie und Zdenka  (Quelle: CC0)

Weil Hlávka keine Nachkommen hatte, ging nach seinem Tod am 11. März 1908 laut letztem Willen sein gesamtes Vermögen in die von ihm zuvor gegründete „Josef-, Marie- und Zdenka-Hlávka-Stiftung“ über. Diese überstand fast wie durch ein Wunder sowohl die Zeit des Nationalsozialismus als auch der kommunistischen Herrschaft und ist heute die älteste noch bestehende Stiftung Tschechiens.

Relief von Josef Hlávka auf der Hlávka-Brücke  (Foto: ŠJů,  Wikimedia Commons,  CC BY 4.0)