Auch Wildwuchs braucht am Anfang Regeln - der Urwald in Zelezne hory

Zelezne hory

Es vermehren sich die Waldgebiete, die sich selbst überlassen werden - die also zu einer Art Urwald werden sollen. Zu den fünf Gebieten auf tschechischem Boden gehört seit zwei Monaten auch ein Teil des Naturschutzgebietes "Zelezne hory" in Ostböhmen. Christian Rühmkorf war dort.

Zelezne hory
Rechts fließt ein kleiner Bach vorbei, ein Weg führt in den Wald hinein, rechts und links steigen felsige Hügel auf. Wir sind in einem Urwald - auch wenn man es nicht sieht. Ein Urwald ist nach den herkömmlichen Vorstellungen ausgestattet mit riesigen Bäumen. So sieht es hier eigentlich noch nicht aus. Aber so soll es werden, in hundert Jahren, in zweihundert Jahren. Dieser Wald ist dazu bestimmt, ein Urwald zu werden.

"Urwald - das ist ein Wald, der sich lange Zeit ohne menschliche Eingriffe entwickelt hat. Und wir sind hier an einem Ort, wo der Wald noch nicht sehr lange auf sich allein gestellt ist. Aber wir haben alles getan, damit er es in Zukunft sein wird", meint Frantisek Barta, der Direktor des Naturschutzgebietes Zelezne Hory - Eisengebirge - in Ostböhmen.

Frantisek Barta  (links) mit Ales Kopecky
Nach monatelangen Verhandlungen zwischen den staatlichen Institutionen, der Forstverwaltung und der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz, wurde Ende Februar ein Vertrag unterzeichnet. Der besiegelt die Verwandlung eines insgesamt 50 Hektar großen Waldgebietes in ein Stück unberührter Natur und zwar auf unbestimmte Zeit. Die Verhandlungen dauerten so lange, sagt der Förster des Eisengebirges, Ales Kopecky, weil...:

"...weil man viele Daten braucht. Die Grenzen des Gebietes müssen eindeutig festliegen und kartiert werden. Dazu gehört es auch alle Eigentumsverhältnisse genau zu prüfen, damit wir auch sicher sein können, dass nur der Staat auf den Wald Zugriff hat."

Wenn man in Zeiträumen von mehreren hundert Jahren denken muss, sind klare Eigentumsverhältnisse die wichtigste Voraussetzung, damit kein Privateigentümer auf die Idee kommt abzuholzen. Das ist nämlich jahrhundertelang in Böhmen geschehen. Aufgeforstet wurden für diese Landschaft untypische Nadelbaumarten. Der zukünftige Urwald jedoch ist ein Mischwald aus Laubbäumen - eine Grundlage für ein hohes Alter. Und auch für eine große Artenvielfalt. Gerade der natürliche Verfall des Holzes lockt viele Vogel-, Käfer- und Nachtfalterarten an. Auch Menschen dürfen nach wie vor in den Wald, aber ein Streifzug jenseits der Wege ist strengstens verboten. Und somit auch das unter Tschechen so beliebte Pilzesammeln. Um die Natur sich selbst zu überlassen, braucht es also zunächst mal Regeln. Doch wenn die eingehalten werden, dann hat der zukünftige Urwald eine Chance. Und mit ihm auch die Menschen in dieser Landschaft:

Amt für Naturschutz Zelezne hory
"Eine Chance in einer angenehmen Umwelt zu leben, eine Chance der Welt etwas zeigen zu können und eine Chance langfristig die Landschaft zu erleben und zu genießen."

Frantisek Barta gedenkt das auch noch zu tun, wenn er schon längst nicht mehr zu Gast auf dieser Welt sein wird:

"Ich habe schon bestimmt, dass man meine Asche vom Flugzeug aus über diesem Wald verstreuen soll. Ich werde hier also bis in alle Ewigkeit herumgeistern."

Fotos: Autor