Auf den Spuren des Heiligen Gunther zwischen Bayerischem Wald und Böhmerwald

Hl. Gunther (Foto: Matěj Baťha, Wikimedia CC BY-SA 2.5)

Er ist ein Geheimtipp unter Wanderern: der Gunthersteig, der von Niederalteich in Niederbayern nach Dobrá Voda / Gutwasser in Südböhmen führt. Auf einer gemütlichen Vier-Tages-Tour vom Bayerischen Wald in den Böhmerwald bietet sich dem Wanderer eine abwechslungsreiche Natur, von Wiesen und Feldern über Waldwege und Bachtäler.

Gemeinde Niederalteich  (Foto: Ammerseer,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Es sind 88 Kilometer von Niederalteich im Landkreis Deggendorf bis nach Dobrá Voda bei der tschechischen Stadt Hartmanice / Hartmanitz. Es ist ein Marsch, der sich lohnt: Denn nicht nur bietet sich auf der Strecke zwischen Bayerischem Wald und Böhmerwald und bei der Überwindung von knapp 700 Höhenmetern immer wieder ein atemberaubendes Panorama. Auch kulturell gibt es einiges zu besichtigen. Einen Besuch wert ist sicher der Ausgangspunkt der Reise, die Gemeinde Niederalteich. Dort steht ein Benediktinerkloster aus dem 8. Jahrhundert nach Christus. Genauso lohnt sich die zweite Etappe:

Barockkirche in Rinchnach  (Foto: Konrad Lackerbeck,  Wikimedia CC BY-SA 2.5)
„Die zweite Station, die unbedingt angesteuert werden sollte, ist der Ort Rinchnach. Die Gründung erfolgte durch St. Gunther. In Rinchnach steht eine herrliche Barockkirche – die einzige Kuppelkirche des Bayerischen Waldes. Außerdem erinnert eine Wallfahrtskirche bei Gehmannsberg an Gunther. Sie ist auch barock ausgestattet und wird im Volksmund heute noch ,Guntherkircherl‘ genannt“, sagt Josef Dengler, ein Hauptschullehrer mit Passion für den Gunthersteig.

Dengler ist in Rinchnach geboren und hat sich immer schon mit Heimatkunde beschäftigt. Drei Ausstellungen zum Gunthersteig und zum Heiligen Gunther hat er konzipiert und dazu Kataloge verfasst. Zur Vorbereitung auf die 1000-Jahr-Feier des Ortes Rinchnach im Jahr 2011 organisierte er ein Gunther-Symposium mit Fachhistorikern aus Deutschland, Ungarn und Tschechien.

Lalling  (Foto: Konrad Lackerbeck,  Wikimedia CC BY 3.0)
Der Wanderweg entlang des Gunthersteiges folgt den Spuren des Benediktinermönches. Zunächst geht es von Niederalteich ins 21 Kilometer entfernte Lalling. Von dort machen sich die Wanderer am nächsten Tag über den so genannten Guntherstein, einen Aussichtsfelsen, auf den Weg nach Rinchnach. Am dritten Tag wandert man über Zwiesel weiter der tschechischen Grenze entgegen, die schließlich am vierten Tag bei Prášily / Stubenbach passiert wird. Der Steig folgt einem alten Handelsweg, den Gunther Anfang des 11. Jahrhunderts nach Christus erschließen ließ. Für die meisten Wanderer ist dann in Dobrá Voda / Gutwasser Endstation. Josef Dengler:

Guntherskirche in Dobrá Voda  (Foto: Johan N,  CC BY 3.0)
„Das ist Gunthers Sterbeort. In Dobrá Voda befindet sich die einzige Kirche, die St. Gunther geweiht und zum anderen heute mit Glaskunstwerken ausgestaltet ist. Diese Glaskunstwerke stammen von der tschechischen Künstlerin Vladěna Tesařová. Der Hintergrund ist, dass die Kirche während des Kommunismus als Militärmagazin und Lagerort missbraucht wurde. So war der Kirchenraum nach der Wende völlig entleert. Die Glaskünstlerin hat sie nach und nach mit ihren Objekten neu gestaltet. Sie hat unter anderem einen Glasaltar, einen Glaskreuzweg, einen Glasmittelaltar und einen Ambo geschaffen. Höchst sehenswert!“

Hl. Gunther  (Foto: Matěj Baťha,  Wikimedia CC BY-SA 2.5)
Gunther ist ein Heiliger, der bis heute fasziniert: Er wurde wahrscheinlich im Jahr 955 nach Christus im heutigen Thüringen in das Herrschergeschlecht Käfernburg / Schwarzburg hineingeboren. Aus unbekannten Gründen entsagte er mit 50 Jahren dem weltlichen Leben und trat in den Benediktinerorden der Abtei Hersfeld im heutigen Hessen ein. Ausschlaggebend soll auch der Hersfelder Abt Gotthard gewesen sein, der ursprünglich aus Niederalteich stammte und zum väterlichen Freund Gunthers wurde.

„An Weihnachten im Jahr 1005 vermachte Gunther dem Kloster Hersfeld in einer Urkunde einen Teil seines Privatbesitzes und gab den Entschluss zum Eintritt in den Orden bekannt. Auf Einfluss des Abtes Godehards kam Gunther anschließend nach Bayern in das Kloster Niederalteich. Sein weiteres Wirken war dann im Bayerischen Wald in Rinchnach angesiedelt“, erläutert Dengler.

Der mittlere Teil des Bayerischen Waldes war zu dieser Zeit noch nicht bewohnt. Zur Aufgabe Gunthers gehörte es, dorthin vorzudringen und das Land für eine Besiedelung zu erschließen. So gründete Gunther im Jahr 1011 den Ort Rinchnach. Die Siedlung war Ausgangspunkt für Exkursionen in den Bayerischen Wald und in den Böhmerwald. Aufgrund seiner adeligen Herkunft war Gunther dafür prädestiniert, die Kolonisation der damals noch wilden Wälder zu organisieren. Er plante unter anderem die erste große Waldrodung, um in Rinchnach ein Kloster zu errichten. Auch als Missionar war Gunther unterwegs.

Josef Dengler  (Foto: Bayerisches Fernsehen)
„Es ist bekannt, dass Gunther ein begnadeter Prediger war. Er konnte zwar nicht lesen und schreiben – das konnten aber auch Kaiser und hohe Adelige seiner Zeit nicht, das waren Aufgaben des Kanzlers. Es ist überliefert, dass er eine Missionsreise in das Gebiet zwischen Elbe und Havel unternahm, zu den Slawen dort. Diese Missionsreise war der Überlieferung nach aber nicht erfolgreich. Sicher hatte er ebenfalls ein missionarisches Wirken zum Auftrag, und das war ihm wahrscheinlich auch ein Bedürfnis“, so Josef Dengler.

St.-Gunther-Wallfahrt  (Foto: Archiv von Centrum Bavaria Bohemia)
Heute reist am Gunthersteig, wer Erholung finden möchte oder auf Sinnsuche ist. Ein anderes Motiv für ihre Wanderung hatte Manuela Schiller, die aus der ebenfalls am Gunthersteig gelegenen Gemeinde Lalling stammt. Gemeinsam mit ihrer Schwester wandelte sie im Mai dieses Jahres drei Tage lang auf den Spuren des Heiligen Gunther:

„Die Gründe waren bei mir und meiner Schwester verschieden. Meine Schwester wollte die Wanderung in erster Linie machen, um sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und den Kopf frei zu bekommen: das Gedankenkarussell abschalten, einfach gehen und die Natur genießen. Das hat anscheinend auch so funktioniert. Bei mir war das sozusagen eine Dankwallfahrt, weil mein Sohn im April 2013 einen schweren Motorradunfall hatte und lebensgefährlich verletzt war. Da habe ich zu meiner Schwester gesagt: Wenn der Simon wieder gesund wird, dann gehen wir zusammen den Gunthersteig.“

Pilger in der Guntherskirch in Dobrá Voda  (Foto: Archiv von Centrum Bavaria Bohemia)
Manuela Schiller war zufrieden mit der Pilgerreise, ihr hat der Gunthersteig Spaß gemacht. Die meisten Informationen bezog sie aus einem Heft, das in der Tourismusinformation Lalling ausliegt. Dort sind Höhenmeter, Entfernung und Wanderzeit genau beschrieben. Es gibt zudem detaillierte Informationen zu den einzelnen Etappen und zu den Dörfern, die auf dem Weg passiert werden. Auch die Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten sind sorgfältig und mit Telefonnummern aufgelistet. Dazu gibt es eine Rubrik mit „Wissenswertem“ zu den einzelnen Gemeinden. Auch Manuela Schiller hat Tipps für künftige Reisende:



Wallfahrtskirche Frauenbrünnl  (Foto: Konrad Lackerbeck,  Wikimedia CC BY 3.0)
„Um die Übernachtungen sollte man sich vorher schon kümmern, weil das aufs Geratewohl schwierig ist. Die Natur ist faszinierend, das muss ich sagen. Vor allem die Wallfahrtskirche Frauenbrünnl hat uns sehr gut gefallen.“

Der Heilige Gunther liegt übrigens in Prag begraben. Nachdem er zwei Jahrzehnte lang das von ihm gegründete Kloster bei Rinchnach geleitet hatte, zog er sich in die Wälder zurück. Zunächst lebte er als Einsiedler unterhalb des Guntherfelsens. Hoch betagt verstarb er als 90-Jähriger bei Dobrá Voda. Seine sterblichen Überreste wurden dann ins älteste böhmische Benediktinerkloster Břevnov in Prag überführt.


Es ist übrigens auch möglich, von Dobrá Voda in einigen Etappen weiter Richtung Prag zu pilgern. Wen die Wanderlust gepackt hat, der kann sich im Internet unter http://www.rinchnach-guntherort.de genauer informieren. Und wer gerne mehr über den Heiligen Gunther erfahren möchte, wird im Kreuzgang des ehemaligen Klosters in Rinchnach fündig. Dort besteht immer noch einen Teil der Ausstellung zur Tausendjahrfeier der Gemeinde.

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Autor: Hannah Illing
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