Aus aktuellem Regionalgeschehen

Seeadler
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Im Dezember und Januar hat sie Jitka Mladkova wiederholt zu einem Exkurs in die Vergangenheit eingeladen, bei dem ihre Gesprächspartner über deren Suche nach den eigenen Familienwurzeln hierzulande erzählten. Diesmal hingegen geht es um das Hier und Jetzt! Welche Themen die Autorin ausgewählt hat, sagt Sie Ihnen selbst sagen:

Elbe
"Keine Angst vor dem Flussbaden!" So titelten zuletzt im Sommer des vergangenen Jahres einige tschechische Tageszeitungen. Einladende Artikeltitel wollten damals anlässlich eines neuen Jahrgangs des Elbe-Badetags viele Tschechen, die generell eher ein zurückhaltendes Verhältnis zum Flussbaden haben, zur Teilnahme an dieser Veranstaltung bewegen. Wie wird es wohl im diesjährigen Sommer sein? Werden die Lockstimmen der Badetagsorganisatoren am oberen Flussabschnitt der Elbe erhört, der diese Tage durch das Zyanidgift verseucht wurde? Eine Antwort auf diese Frage haben wir natürlich nicht parat, doch der Vorfall ist immerhin eines der Themen unseres heutigen Regionaljournals. Toxische Stoffe stellen nicht den einzigen unerwünschten grenzüberschreitenden Export- bzw. Importartikel dar. Je nachdem wie man´s nimmt. In der entgegen gesetzten Richtung wanderten ganze Riesenhaufen von Abfall von Deutschland nach Tschechien.. Ebenfalls ein Thema der heutigen Ausgabe unserer Rubrik. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei, von den schlechten sind es nicht selten noch mehr. Das dritte Thema bei uns: Das triste Schicksal des Seeadlers, der es beim Überwintern in Tschechien nicht leicht hat. Soviel zu den Themen in unseren kommenden Minuten mit dem Regionaljournal!

Draslovka Kolin (Foto: CTK)
Vor knapp zwei Wochen tauchte am oberen Elbelauf in der Nähe der mittelböhmischen Stadt Kolin plötzlich eine größere Menge toter Fische auf der Wasseroberfläche auf. Nach den von der Wasserwirtschaftsbehörde Povodi Labe durchgeführten Messungen war Eines klar: Die Flusswasserproben wiesen hohe Zyanidwerte auf. Wie in einem spannenden Krimi war auch hier der Schadenverursacher zunächst unbekannt. Erst ein paar Tage später wurde die Chemiefirma Lucebne zavody Draslovka Kolin als Täter entlarvt. Der Betrieb versuchte zwar zunächst das Maleur herunterzuspielen, musste letztendlich jedoch zugeben, dass es im Betrieb zu einer technischen Störung an der Sensoreneinrichtung gekommen war. Wegen dem hochtoxischen Zyanid schlug man sofort bis nach Sachsen Alarm. Glücklicherweise bestätigte sich in den vergangenen Tagen, worauf die tschechischen Wasserwirtschaftler und mit ihnen viele andere hofften: Durch den Zusammenfluss der Elbe mit der Moldau soll sich die Situation wesentlich verbessern. Karel Dostal von der Wasserwirtschaftsbehörde Povodi Labe brachte dafür am Mittwoch dieser Woche ein überzeugendes Argument vor:

Foto: CTK
"Eine Verbesserung der Lage kommt vor allem durch die unterschiedliche Durchflussmenge der beiden Flüsse zu Stande. Bei Brandys, das an der Elbe in der Nähe von Melnik liegt, beläuft sich die Menge auf 30 Kubikmeter pro Sekunde. In der Moldau hingegen konnten wir heute, nur unweit von deren Mündung in die Elbe, 120 Kubikmeter messen. Also das Vierfache."

Dank der Wassermenge und dank der höheren Wassertemperatur in der Moldau, kam es zur Verdünnung des Elbwassers und zugleich zum schnelleren Zyanidabbau. Auch am Donnerstag konnte man weder in Decin und Hrensko, noch in der Nähe der tschechisch-deutschen Grenze erhöhte Zyanidwerte feststellen. Das sächsische Umweltministerium konnte ein positives Signal senden, Mensch und Tier durften aufatmen. Anders in Tschechien: Die Folgen für die Umwelt und insbesondere für die Fischwelt des etwa 60 Kilometer verseuchten Elbeabschnitts sind derzeit noch nicht genau abzusehen. Im Jahre 2005 hatte hier der Fischverband, der in dieser Woche etwa neun Tonnen von Zyanid vergifteten Fischen melden musste, noch eine neue Fischpopulation für 1,5 Millionen Kronen, rund 300 000 Euro, ausgesetzt. Deren Erneuerung soll nach Expertenangaben angesichts der entstandenen Umweltschäden noch teurer werden. Die Firma Lucebne Zavody Draslovka,, die auf ihrer Webseite angibt, dem Umweltschutz kontinuierlich maximale Aufmerksamkeit zu schenken, droht nun eine Bußgeldsumme von etwa 10 Millionen Kronen. Die Firma nahm am Donnerstag Verhandlungen über mögliche Entschädigungen mit Vertretern der Fischer auf.

Toxische Stoffe hinaus, Abfall hinein. Ein trauriges Beispiel für den deutsch-tschechischen "Warenaustausch", genauer gesagt vom so genannten Müll-Tourismus, mit dem man offensichtlich gute Geschäfte machen kann. Im Hinblick auf dessen sprunghaften Anstieg haben tschechische Behörden bereits vor einiger Zeit eine härtere Gangart angekündigt. Zwei Tschechinnen, die über den Gewerbestatus "Unternehmerin" verfügten, hatte es bereits erwischt. Auf grenznahen Deponien in der Nähe von Sluknov/Schlukenau und Frydlant/Friedland in Nordböhmen hatten sie eine Riesenmenge von deutschem Müll, gegen Bezahlung auf tschechischen Boden geschafft. Auf Beschluss des Tschechischen Aufsichtsamtes für Umwelt müssen sie nun dreihundert bzw. vierhundert tausend Kronen Bußgeld bezahlen. Darüber hinaus müssen beide Frauen innerhalb von drei Monaten den Müll auf eigene Kosten entsorgen. Danuse Hrazska von der genannten Behörde mit Sitz in Liberec/ Reichenberg schloss nicht aus, auch gegen die deutsche Firma, die seit Sommer 2005 schätzungsweise 10 000 Tonnen Müll in die Ortschaften Sosnova, Arnoltice und Cernousy eingefahren hat, ein Verwaltungsverfahren einzuleiten.

"Wir warten vorläufig auf die Entscheidung eines Gerichtssachkundigen im Bereich der Abfälle. Wir brauchen eine Bestätigung, dass es sich hierbei um keine, wie die deutsche Firma bei der Einfuhr fälschlich angab, "sauberen" Plasten handelt, sondern um Plasten, die hohe Verschmutzungswerte aufweisen. Sie sind darüber hinaus auch mit anderem Haushaltsmüll vermischt, kurzum es handelt sich um gesonderten Kommunalabfall."

Eine positive Nachricht sei der Mülltragödie noch hinzugefügt: Die Regionalzeitung Klatovsky denik berichtete diese Woche, dass in der Umgebung von Zelezna Ruda/Eisenstein im Böhmerwald in jüngster Zeit wesentlich weniger Müll in Plastiktüten gesichtet worden war, als zuvor. Oftmals deponieren deutsche Touristen ihre Plastiktüten in den Straßengräben auf tschechischer Seite.

Seeadler
Lang anhaltende Winterkälte fordert in der Tierwelt immer mehr Opfer. Die Tiere sind erschöpft, weil sie nur schwer unter der dicken Schneeschicht Nahrung finden. Und auch die Jäger melden schnell schwindende Futtervorräte. Es ist also vor allem die Natur, die ihre Bewohner tötet, doch nicht nur diese! Über kaum begreifliche Vorfälle der Vergiftung verschiedener Tiere, verursacht durch menschliche Hand, informierte in dieser Woche die Tschechische Ornithologische Gesellschaft auf einer Pressekonferenz in Prag. Dass Menschen auch dann nicht zurückschrecken, wenn es sich um eine in den hiesigen geographischen Breiten seltene Tierart handelt, berichtete die Mitarbeiterin der Gesellschaft Lucie Hoskova. Thema war unter anderem der Seeadler, der hierzulande zum Vogel des Jahres 2006 ausgerufen wurde. Dies geschah zum einen aufgrund der Schönheit des majestätisch wirkenden Raubvogels mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei ein halb Meter, zum anderen aber auch, um auf die ihn bedrohenden Gefahren aufmerksam zu machen. In den zurückliegenden zwei Jahren haben Unbekannte insgesamt sechs Seeadler absichtlich vergiftet, außerdem auch mehrere Eier. Lucie Hoskova:

Krähen (Foto: Tom Harpel, CC BY 2.0 Generic)
"Wir verfügen über eine Datenbank all dieser Vorfälle und wissen, dass neben den Seeadlern auch Krähen, Raben, Elstern und andere Vogelarten bösen Menschen zum Opfer fallen. Der Seeadler hat den Vorteil, dass er von weitem her gut erkennbar ist. Die erwachsenen Vögel sind groß, haben einen schneeweißen Federschwanz, einen gut sichtbaren gelben Schnabel. Zum Überwintern kommen bis zu 200 Seeadler nach Tschechien, die man landesweit sehen kann."

Aktuellen Informationen einheimischer Ornithologen zufolge befinden sich derzeit nur etwa 25 - 30 Seeadlerpaare auf tschechischem Gebiet. Ihre erfreuliche Rückkehr in die tschechische Natur ist jedoch durch das rücksichtslose, menschliche Verhalten gefährdet. Es ist bei weitem nicht nur diese Vogelart betroffen. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass die im Rahmen des europäischen Projektes "Natura 2000" auch in Tschechien gesetzlich verankerte Errichtung von Vogelgebieten, nur ziemlich mühsam umgesetzt wird. Tschechische Ornithologen wollen deshalb bereits die dritte Beschwerde gegen das Vorgehen der Regierung bei der Europäischen Kommission einreichen. Vor einiger Zeit hat das Kabinett beispielsweise die bereits laufenden Verhandlungen über Vogelgebiete in der südböhmischen Teichregion Ceske Budejovice/Budweis wegen angeblicher Arbeitseinschränkung der Fischertätigkeit unterbrochen. Im Zusammenhang mit der Planung einer neuen Industriezone im nordmährischen Dolni Lutyne sollen zuständige Behörden bis Ende Januar über die Verringerung des nahe gelegenen Vogelgebietes Hermansky stav entscheiden. Wie das Tauziehen zwischen den Behörden und den Vogelfreunden letzten Endes ausgehen wird, ist wohl leicht zu erraten!