Bauindustrie: Öffentliche Ausschreibungen sollen Nutzung sekundärer Rohstoffe fördern

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Bei öffentlichen Ausschreibungen sollte in Zukunft nicht nur der angebotene Preis entscheidend sein, sondern zum Beispiel auch die Verwendung wieder aufbereiteter Rohstoffe. Dafür setzt sich das Prager Institut für zirkulare Ökonomie ein. Unterstützung bekommt es dafür sowohl aus der öffentlichen Verwaltung als auch von Bauunternehmern.

Konferenz „Abfall als Ressource“ (Foto: Archiv des Instituts für zirkulare Ökonomie)

„Abfall als Ressource“ – der Titel der Konferenz in Brno / Brünn gibt die Richtung vor. Eine Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist es, das riesige Müllaufkommen einzudämmen. Das Institut für zirkulare Ökonomie hat diesbezüglich schon im Februar dieses Jahres ein Memorandum aufgestellt, nach dem öffentliche Ausschreibungen für Bauprojekte um ökologische Kriterien erweitert werden sollen. Entscheidend für die Vergabe von Aufträgen sollte demnach zum Beispiel die Frage sein, ob Einwegsubstanzen verwendet werden oder eine bessere Instandhaltung möglich ist. Auch die Verwendung von lokalen und wieder aufbereiteten Materialien sollte ausschlaggebend sein. So soll die Müllproduktion reduziert werden.

Karel Fronk (Foto: Archiv des Tschechischen Rats für nachhaltige Gebäude)

Auf der Konferenz in Brünn hat auch Karel Fronk das Memorandum unterschrieben. Er ist der Vorsitzende des Tschechischen Rats für nachhaltige Gebäude:

„Viele Firmen aus dem Bereich fangen an, sich immer mehr mit Themen wie der Wassernutzung oder dem Klimawandel zu beschäftigen. Mit der Nutzung von Erzeugnissen aus der zirkularen Produktionskette nähern wir uns dem Ziel der dauerhaften Nachhaltigkeit oder auch der Karbonneutralität.“

Der Rat für nachhaltige Gebäude hat sich vor elf Jahren gegründet. Er setzt sich dafür ein, dass die tschechische Bauindustrie alle zur Verfügung stehenden Materialien inklusive rezyklierter Stoffe verwendet und so wenig Abfall wie möglich produziert. Der Rat hat derzeit 82 Mitglieder, unter ihnen sind Bauinvestoren, Architekten und Hersteller von Baumaterialien.

Die Einführung zirkularer Kriterien – also zum Beispiel eine Maßgabe für die Verwendung aufbereiteter Materialien bei einem bestimmten Projekt – wird laut Fronk für die Firmen auch finanziell immer interessanter:

„Noch vor einigen Jahren waren Materialien aus sekundären Rohstoffen relativ teuer und bestanden nicht in der Konkurrenz mit traditionellen Erzeugnissen. Jetzt sinken die Preise, die Technologien verbessern sich und die Entwicklung ist sehr progressiv. Das ist für die Unternehmer schon viel attraktiver.“

Soňa Jonášová (Foto: YouTube)

Zur weiteren Senkung der Preise kann eben auch die Verankerung ökologischer Prinzipien in öffentlichen Ausschreibungen beitragen. Die Gründerin des Instituts für zirkulare Ökonomie, Soňa Jonášová, bestätigt, dass auch die ausschreibenden Verwaltungen daran ein Interesse haben – also Gemeinden, Städte und Kreise:

„Wenn wir ihnen das Konzept erklären und darauf hinweisen, dass die Voraussetzungen dafür schon lange geschaffen sind, dann ist ihre Reaktion immer sehr positiv. Meist sagen sie, dass sie das schon längst eingeführt hätten, wenn sie nur davon gewusst hätten.“

Jonášová erklärt außerdem, welche weitreichenden positiven Auswirkungen es haben kann, auf nachhaltige Rohstoffe und Materialien zu bestehen:

„Das bringt den gesamten Markt in Bewegung. Es ist dringend nötig, lokale Verarbeiter und Hersteller zu unterstützen. Zum Beispiel dadurch, dass wir Erzeugnisse aus Holz kaufen, das wegen der Borkenkäferplage geschlagen werden muss und ansonsten zu Abfall wird.“

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Unterstützung bekommt Jonášová auch vom Umweltministerium. Auf der Brünner Konferenz wurde es durch Anna Pasková vertreten. Sie bestätigte die Implementierung neuer Kriterien in die Ausschreibungen ab dem nächsten Jahr:

„Die neuen Operationsprogramme sind vorbereitet. Es geht uns sehr um die Bonifikation von Konzepten zur Aufbereitung von Rohstoffen. Wir wollen das noch nicht zwingend vorschreiben, sondern durch die Finanzierung freiwilliger Vorhaben Anreize geben.“

Geld könnte fließen für Regenrückhaltebecken, Kompostanlagen oder Grasfliesen. Das Ministerium folgt damit dem Plan der Europäischen Union, nach dem die Mitgliedsstaaten bis 2030 insgesamt 60 Prozent des anfallenden Restmülls aufbereiten oder erneut verwenden sollen.