Beachvolleyballer bleiben bei EM in Wien ohne Medaille – Sehnal wechselt in BBL

Bei den Olympischen Spielen erkämpfte Tschechien elf Medaillen. Das erfolgreiche Abschneiden wurde indes getrübt durch sechs Corona-Fälle, die nach der Anreise einer kleinen Gruppe mit einer Chartermaschine in Tokio zu Tage traten. Es betraf unter anderen vier Sportler. Besonders ärgerlich waren die Auswirkungen für den Beachvolleyball, denn sie schlugen auch auf die folgende EM in Wien durch. Im Basketball wartet dagegen eine neue Herausforderung auf den großen Hoffnungsträger unter den Tschechen.

Beachvolleyball: Verband fordert Entschädigung vom ČOV

Ondřej Perušič und David Schweiner | Foto: Tschechisches Fernsehen

Die Bekanntgabe, dass sich auf dem Flug einer kleinen Abordnung des tschechischen Olympia-Teams mit einer Chartermaschine von Prag nach Tokio sechs Personen mit dem Coronavirus infiziert haben, schlug hierzulande hohe Wellen. Es war sogar von einem Skandal die Rede, insbesondere weil herauskam, dass der mitgereiste Mannschaftsarzt Vladimír Voráček nicht gegen Corona geimpft war. Voráček wurde dann auch in Tokio als Erster positiv auf das Virus getestet. Der Arzt stritt zwar ab, der Auslöser für die Corona-Fälle in der Abordnung zu sein. Doch die Folge war, dass vier Sportler wegen positiver Corona-Tests gar nicht erst bei den Spielen starten konnten. Die Beachvolleyballer Ondřej Perušič und dessen Teampartner David Schweiner wiederum griffen verspätet ins olympische Turnier ein, da Perušič nach seinem Positivbefund erst eine zehntägige Quarantäne durchstehen musste.

Zu den Vorfällen äußerte sich nach der Rückkehr aller Sportler aus Tokio auch der Chef der Tschechischen Sport-Union (ČUS), Miroslav Jansta:

Miroslav Jansta | Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

„Wegen der Ansteckung mit dem Coronavirus während des Fluges konnten einige Sportler nicht an Olympia teilnehmen. Das Olympische Komitee trägt für die Anreise die Verantwortung und hätte sich deshalb bei diesen Sportlern längst entschuldigen sollen. Und es sollte sie dafür auch entschädigen.“

Das nicht nur von Jansta kritisierte Tschechische Olympische Komitee (ČOV) reagierte auf die Vorwürfe. Unmittelbar nach der Ankunft in Prag äußerte sich dazu dessen Vorsitzender Jiří Kejval:

Jiří Kejval | Foto: Kateřina Rychtecká,  Tschechischer Rundfunk

„Bezüglich einer finanziellen Entschädigung werde ich vor dem Plenum des Komitees einen Vorschlag unterbreiten. Die Gelder werden wir jedoch nur auf einer entsprechenden Rechtsgrundlage auszahlen. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Betreffende dazu ein Anrecht hat, wird es keine Diskussion darüber geben. Wenn dieser Anspruch aber nicht vorliegt, werde ich wohl in dieser Sache nichts tun können.“

Mittlerweile hat der tschechische Volleyball-Verband (ČVS) eine Entschädigung für seine Sportler gefordert.

Beachvolleyball-EM: Tschechische Duos im geschlagenen Feld

Markéta Nausch Sluková und Barbora Hermannová | Foto: Ailura,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0 AT

Für Beachvolleyballerin Markéta Nausch Sluková wäre eine solche Entschädigung aber eher nur ein schwacher Trost. Zu tief sitzt bei ihr die Enttäuschung, dass sie wegen des Positivbefunds nicht bei Olympia starten konnte. Denn die Spiele sollten das bevorstehende Ende ihrer sportlichen Laufbahn krönen. Zu allem Überfluss musste die 33-Jährige nach ihrer Rückkehr aus Tokio auch noch in häusliche Quarantäne. Daher verpasste Nausch Sluková zudem die nachfolgende Beachvolleyball-Europameisterschaft in Wien. Und ihre Mitspielerin Barbora Hermannová, die ebenso um den olympischen Auftritt gebracht wurde, musste sich für die EM umgehend eine neue Partnerin suchen. Sie fand diese in der 22-jährigen Marie Sára Štochlová, die 2016 schon als U18-Europameisterin auf sich aufmerksam machte. Dennoch galt die EM-Teilnahme der beiden als ein eher aussichtsloses Unterfangen, weil sie nicht eingespielt waren. Umso erfreulicher war dann, dass sie ihr Auftaktspiel gegen Emilie Olimstad und Ingrid Lunde aus Norwegen mit 16:14 im Tiebreak gewannen. Barbora Hermannová:

„Wir haben vor dem Turnier nur zweimal miteinander trainiert, gestern und vorgestern. Die Norwegerinnen waren da schon eingespielter, zudem haben sie vor der EM noch an einem Turnier teilgenommen. Bei uns beiden ist aber zu sehen, dass wir noch nicht aneinander gewöhnt sind.“

Marie Sára Štochlová | Foto:  Tschechisches Fernsehen

Auf die Frage, ob sie deswegen nicht ziemlich nervös gewesen sei, antwortete Marie Sára Štochlová:

„Gewiss war ich das. Ich habe daher versucht, meine Nervosität etwas zu zügeln beziehungsweise sie in positive Energie umzuwandeln. Das ist mir dann im Spiel immer besser gelungen. Nach einigen erfolgreichen Schlägen wurde ich psychisch stabiler, und von da ab habe ich mich nur noch auf jeden Ball konzentriert.“

Nach diesem Sieg konnten Hermannová und Štochlová auch noch ihre Landsfrauen Michala Kvapilová und Martina Williams bezwingen. In der Gruppenphase unterlagen sie aber dem deutschen Duo Karla Borger und Julia Sude und im Achtelfinale schließlich Tina Graudina und Anastasia Krawtschenko aus Lettland. Dennoch zeigte sich Barbora Hermannová nicht enttäuscht:

Illustrationsfoto: Miguel Teirlinck,  Unsplash,  CC0

„Dafür, dass wir ein ganz frisch zusammengestelltes Team sind, bin ich sehr zufrieden. Und nicht nur, weil wir den 9. Platz erreicht haben, sondern dass ich hier in Wien überhaupt antreten konnte. In den vier Begegnungen, die wir gemeinsam absolviert haben, konnten wir uns dann auch von Spiel zu Spiel besser aufeinander abstimmen. Und die Partien gegen die Deutschen und die Lettinnen haben wir jeweils nur knapp verloren.“

Unter Berücksichtigung aller notwendigen Präventionsmaßnahmen wurde das Beachvolleyball-Großereignis in Wien diesen Sommer von der Donauinsel ins Zentrum der Stadt verlegt. Die neue Eventlocation war die Red Bull Beach Arena am Heumarkt, die Side Courts aber blieben auf der Donauinsel. Der Weg zwischen beiden Spielstätten führte über eine Donaubrücke. Und diese Brücke spielte auch für die beiden Tschechinnen eine ganz bestimmte Rolle. Marie Sára Štochlová:

Mārtiņš Plavinš | Foto: zilupe,  Flickr,  CC BY 2.0

„Noch vor Beginn des Turniers haben wir miteinander abgesprochen: Egal wie es für uns endet, werden wir von der Brücke springen und in der Donau baden. Das Versprechen haben wir dann eingelöst.“

Nach Mannschaftsarzt Voráček war Beachvolleyballer Ondřej Perušič der Erste gewesen, der in Tokio positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Seine zehntägige Quarantäne hatte dann dafür gesorgt, dass er und sein Teampartner David Schweiner erst später in das olympische Turnier einsteigen konnten. Die dadurch ausgefalle Begegnung mit den Letten Mārtiņš Plavinš und Edgars Točs aber wurde am grünen Tisch gegen sie gewertet. Und dies hat die Tschechen letztlich um eine reelle Medaillenchance gebracht. In Wien wollten sie daher zeigen, was sie wirklich können. Ondřej Perušič:

„Die Europameisterschaft haben wir ohnehin zu unserem Saison-Höhepunkt erkoren, ganz unabhängig von den Ergebnissen bei Olympia. Dass die Spiele in Tokio dann für uns unerfreulich verlaufen sind, stachelt uns nur noch mehr an, zu zeigen, dass wir mit der europäischen Spitze und letztlich auch der Weltspitze durchaus mithalten können. Wir hoffen, dass wir gute Leistungen abrufen und damit im Turnier sehr weit kommen.“

Alex Horst und Clemens Doppler  | Foto: Ailura,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0 AT

In der Gruppenphase ist dies dem tschechischen Duo eindrucksvoll gelungen. Perušič und Schweiner besiegten sowohl die österreichischen Lokalmatadoren Clemens Doppler und Alex Horst sowie die Letten Plavinš / Točs, gegen die sie in Tokio nicht antreten konnten. Im Achtelfinale triumphierten sie ebenso über die ehemaligen Europameister Aleksandrs Samoilovs und Janis Smedins aus Lettland, und erst im Viertelfinale setzten ihnen die Niederländer Stefan Boermans und Yorick de Groot das Stoppzeichen. Dieses Match verloren die Tschechen mit 10:15 im Tiebreak. Dies hätte jedoch nicht sein müssen, sagt Ondřej Perušič:

„Den Tiebreak haben wir nicht sehr gut begonnen, denn die Holländer konnten sich schnell einen Drei-Punkte-Vorsprung erarbeiten. Wir hatten dann mehrfach Chancen zum Ausgleich, womit wir wieder im Spiel gewesen wären. Doch wir haben sie nicht genutzt.“

Ondřej Perušič und David Schweiner | Foto:  Tschechisches Fernsehen

Und so belegten die beiden Tschechen in der Endabrechnung den 5. Platz. David Schweiner:

„Vor der EM wären wir mit dem fünften Platz zufrieden gewesen. Dann aber hat sich das Turnier für uns sehr gut entwickelt, so dass wir mehr wollten, und zwar möglichst eine Medaille. Gleichzeitig wussten wir aber um die Stärke der Holländer. Von daher mussten wir eine überzeugende Leistung bringen, was uns leider nicht gelungen ist. Um gewinnen zu können, hätten wir im dritten Satz mehr auf Tuchfühlung bleiben müssen. So aber haben die Holländer verdient gewonnen.“

Bei der nächsten EM aber wollen sich Perušič und Schweiner ihren Medaillentraum endlich erfüllen.

Basketballer Sehnal wechselt nach Braunschweig

Ondřej Sehnal | Foto:  Tschechisches Fernsehen

Er gilt als das derzeit größte Talent im tschechischen Basketball, der Zuspieler Ondřej Sehnal. Als Mitglied der Nationalmannschaft durfte der 23-Jährige jüngst in Tokio schon einmal olympische Luft schnuppern. Auch wenn das tschechische Team nach dem Auftaktsieg über den Iran und den zwei Niederlagen gegen die späteren Finalisten Frankreich und USA gleich nach der Gruppenphase ausschied, war Olympia für den Prager ein nachhaltiges Erlebnis:

„Es war toll in Tokio, vor allem das Zusammentreffen mit den anderen tschechischen Sportlern und die stimmungsvolle Begrüßung der Medaillengewinner. Dies wird mir stets als ein wunderbares Erlebnis in Erinnerung bleiben.“

Ondřej Sehnal | Foto:  Tschechisches Fernsehen

Nach Olympia aber beginnt für Sehnal ein neuer Abschnitt in seiner noch jungen Karriere: Der langjährige Stammspieler des USK Prag wird erstmals außerhalb der Heimatstadt sein Geld verdienen. Sechs Tage nach der Rückkehr aus Tokio unterzeichnete das Ausnahmetalent seinen ersten Profivertrag im Ausland – Sehnal spielt in der bevorstehenden Saison für die Löwen aus Braunschweig. Und er freut sich schon auf die neue Herausforderung:

„Ich wollte jetzt den nächsten Schritt machen und mich aus Tschechien herauswagen. Und ich denke, Braunschweig ist dazu momentan die ideale Adresse. Denn die deutsche BBL ist eine der stärksten europäischen Ligen. Dort will ich zeigen, was ich drauf habe.“

Martin Peterka | Foto:  ČT24

Das ist in der Tat nicht wenig. Als zentraler Aufbauspieler verbuchte Sehnal beim fünftplatzierten Team der tschechischen Liga in der abgelaufenen Saison einen Schnitt von 16,7 Punkten pro Spiel. Und mit acht Korbvorlagen pro Begegnung war er der zweitbeste Zuspieler in der Liga, ganz knapp hinter dem Serben Pedja Stamenković vom Team aus Hradec Králové / Königgrätz. Im Ausland aber muss sich der tschechische Newcomer auf weitaus härtere Konkurrenz einstellen. Da trifft es sich gut, dass sein Nationalmannschaftskollege Martin Peterka, der seit einem Jahr in Braunschweig spielt, seinen Vertrag mit den Löwen um ein Jahr verlängert hat. Sehnal wird also an seiner neuen Wirkungsstätte nicht völlig auf sich allein gestellt sein. Trotzdem erwidert der tschechische Hoffnungsträger:

Illustrationsfoto: Markus Spiske,  Unsplash,  CC0

„Mit Martins Hilfe wird mir der Übergang zum Basketball in Deutschland sicher leichter fallen. Doch ich möchte ihn nicht unnötig für mich einspannen, sondern plane, die meisten Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ich bin selbst gespannt, was mich in Braunschweig erwartet, doch es liegt an mir, mich dort mit meinen Stärken zu zeigen.“

Dies kann Ondřej Sehnal spätestens ab dem 26. September, wenn seine Löwen in der neuen Saison am ersten Spieltag der Basketball Bundesliga (BBL) bei den Fraport Skyliners antreten.

Autoren: Lothar Martin , Kateřina Součková , Mikuláš Jáša
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