Belastendes Material gegen Pilip und Bubenik?

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Fast zwei Wochen haben die beiden verhafteten Tschechen, Ivan Pilip und Jan Bubenik, bereits im kubanischen Gefängnis verbracht, und ihr weiteres Schicksal ist immer noch unklar. Die kubanischen Ämter haben angeblich bei Pilip und Bubenik einen Computer mit Adressen von Personen gefunden haben, mit denen sie sich die beiden bei ihrem Privatbesuch auf Kuba treffen sollten. Mehr dazu von Dagmar Keberlova.

Die kubanischen Ämter halten ihr Versprechen ein, jeden Tag einen Besuch der nach Kuba angereisten Familienmitglieder zu erlauben. Diese Besuche haben laut Gattin von Ivan Pilip Lucie einen familiären Charakter und sollen den beiden Inhaftierten moralische Unterstützung geben. Pilipova traf sich auch mit ausländischen Journalisten, die sich derzeit auf Kuba mit diesem Vorfall beschäftigen. Die kubanischen Ämter haben laut dem Sonderberichterstatter des Tschechischen Rundfunks auf Kuba, Filip Kanda, mitgeteilt, sie werden für keinen tschechischen Journalisten in dieser Causa eine Akkreditierung erlauben. Lucie Pilipova und Martin Bubenik setzen mittlerweile ihre Suche nach einem Rechtsanwalt fort.

Die offizielle Kommunikation zwischen Kuba und Tschechien bleibe auch weiterhin aus. Nach Aussagen des stellvertretenden tschechischen Außenministers, Hynek Kmonicek, kommuniziere das Außenministerium nur mit der kubanischen Staatssicherheit, von dem kubanischen Außenministerium kam bisher keine Information.

Offensichtlich am besten informiert scheinen erneut die tschechischen Kommunisten zu sein. Diese sollen laut ihrem stellvertretenden Vorsitzenden, Miloslav Ransdorf, ein schriftliches Material erhalten haben, in dem mitgeteilt wird, dass die kubanischen Ämter einen Computer sowie Disketten und CD´s bei Pilip und Bubenik gefunden haben, die Adressen von Menschen beinhalten, mit denen sich Pilip und Bubenik auf Kuba treffen sollten. Auch die Quelle der Materialien, die amerikanische NGO Freedom House, sei dort angeführt.

Demnächst soll eine sechsköpfige tschechische Parlamentarier-Delegation nach Kuba reisen. Die Abgeordneten haben bereits kubanische Visa erhalten, mit der Abreise warten sie indes noch ab. Über die Gründe der Verzögerung äußerte sich die sozialdemokratische Abgeordnete Petra Buzkova, die die Delegation leiten soll, wie folgt:

"Die Delegation will wissen, mit wem sie sich treffen kann, um über die Freilassung zu verhandeln und auf welchem Niveau die Gespräche stattfinden könnten."

Der Parlamentsvorsitzende Vaclav Klaus begrüßt die Aktivitäten des Parlaments und hofft auf eine baldige Rückkehr von Ivan Pilip:

"In diesem Fall sind wir alle durch die Aktivität unseres Kollegen und seiner Verhaftung de facto Teilnehmer an dieser Kuba Krisegeworden. Das Schicksal des Abgeordneten Pilip betrifft uns alle."

Aber auch direkt aus Kuba kommt Unterstützung für die beiden verhafteten Tschechen. Am Dienstag setzte sich Oswaldo Paya Sardinas, Chef der Christlichen Befreiungsbewegung in Kuba, mit der tschechischen Menschenrechtsorganisation "Mensch in Not" in Kontakt, um seine Unterstützung für Tschechien durchzugeben:

"Ich begrüße alle Tschechen und will meine Solidarität hiermit zum Ausdruck bringen. Ich möchte, dass Ivan Pilip und Jan Bubenik freigelassen werden und hoffe, dass sie bald in ihre Heimat zurückkehren werden. Tschechien ist für mich nicht nur ein befreundetes Land, sondern auch ein Beispiel für ein Volk, dass seine Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und demokratische Umwandlungen auf einem gewaltlosen Wege erreicht hat."