Christliches Zeugnis in der Gegenwart: Kirche der Böhmischen Brüder unterstützt Dissidenten in Kuba

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Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (ČCE) ist aus der Reformation hervorgegangen und besteht doch erst seit knapp 91 Jahren. 1918 entstand sie durch den Zusammenschluss der evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses und der Kirche Helvetischen Bekenntnisses. Mit ihren etwa 120.000 Mitgliedern ist sie neben den Katholiken die zweitstärkste Kirche in Tschechien.

Gerhard Frey-Reininghaus (Foto: Autorin)
Am vergangenen Wochenende trafen die Vertreter der Böhmischen Brüder aus ganz Tschechien zur Synodesitzung in Prag zusammen. Dabei ging es auch um christliches Engagement in der Gegenwart, oder, anders ausgedrückt, das christliche Zeugnis in unserer Gesellschaft. Nach den Hilfsprojekten der Kirche im Ausland fragte ich den aus Deutschland stammenden Pfarrer Gerhard Frey-Reininghaus, der Kirchenrat für Ökumene und Internationale Beziehungen ist.

Ihre Kirche engagiert sich auch im Ausland. Dabei geht es nicht darum, Seelen zu fangen, sondern den Brüdern und Schwestern vor allem in den Ländern Osteuropas zu helfen.

Bethaus der Böhmischen evangelischen Brüderkirche in Prag (Foto: Autorin)
„Genau. Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder hat ein großes Interesse, dass sie mit den Möglichkeiten, die sie hat, Zeugnis nicht nur in der Tschechischen Republik gibt. Sondern sie hilft Gemeinden in Osteuropa, die eine tschechische Tradition haben, und denen wir helfen können. Wie gehen hin und bieten beispielsweise in Bohemka im Sommer einen Tschechischkurs an und helfen dort den Kindern Tschechisch zu lernen und die Ferien in der Gemeinschaft miteinander zu verbringen.“

Wo liegt dieses Bohemka?

„Bohemka ist eine kleine Stadt, etwa 120 Kilometer nördlich von Odessa entfernt, wo seit vielen Jahrzehnten eine kleine tschechische Gemeinde besteht.“

Die Böhmischen Brüder helfen aber, soviel ich weiß, auch den Dissidenten aus Kuba. Wie entstand diese Initiative?

„In den letzten Jahren hat sich die Synode mit dem Thema Menschenrechte immer wieder beschäftigt. Die Synode hat auch beschlossen, dass es für uns ein wichtiges Anliegen ist, Menschen zu helfen, die wegen ihrer politischen Überzeugung oder wegen ihrem Glauben in Bedrängnis kommen. Wir setzen uns für die Einhaltung der Menschenrechte in Kuba ein. Wir suchen nach Möglichkeiten, wie wir dort Menschen, die verfolgt werden oder im Gefängnis sind, unterstützen und wie wir mit ihnen solidarisch sein können. Denn diejenigen, die hier vom kommunistischen Regime verfolgt wurden und im Gefängnis saßen, sagen: ´Jetzt haben wir die Möglichkeit, in einer freien Gesellschaft ein Zeugnis zu geben und dies sollen wir auch nützen. ´ “

Vor kurzem gab es eine große Konferenz zum Thema Menschenrechte in Kuba. Sind dabei konkrete Hilfsprojekte zustande gekommen?

„Ja schon. Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt und unter anderem eine Auktion veranstaltet. Dabei wurden Bilder von tschechischen Künstlern sowie von kubanischen Kindern versteigert. Den Erlös haben wir nach Kuba geschickt: Das sind zum einen Bereiche, wo gerade Kinder darunter leiden, dass ihre Väter im Gefängnis sind. Zum anderen wurden finanzielle Mittel der christlichen Gemeinde zur Verfügung gestellt, die versucht, ihren Glauben trotz allem in Kuba zu leben.“