Bergsteiger-Ikone Diemberger eröffnet Vortragsreihe in Prag

Kurt Diemberger (Foto: DoJo, Wikimedia BILD-BY)

Im Tschechischen Nationalmuseum in Prag wurde am Mittwoch eine Vortragsreihe gestartet, die noch nicht sehr bekannt, dafür aber umso namhafter besetzt ist. Es ist die Serie „Cestovatelské středy“ (Reiseerzählungen am Mittwoch), bei der 30 Persönlichkeiten aus Tschechien und einige internationale Stargäste jeweils mittwochs aus ihrem erlebnisreichen Leben erzählen. Den Auftakt machte kein Geringerer als der Österreicher Kurt Diemberger, der einzige lebende Bergsteiger, der zwei Achttausender erstbestiegen hat.

Kurt Diemberger (Foto: DoJo, Wikimedia BILD-BY)
Vor seinem Vortrag feierte Diemberger ein Wiedersehen mit dem Tschechen Josef Rakoncaj, mit dem er 1983 den berühmt-berüchtigten K2 über die Nordkante bestiegen hat. Radio Prag nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Bergsteiger, Filmemacher, Fotografen und Buchautoren.

Herr Diemberger, was machen Sie heute? Als 81-Jähriger besteigen Sie sicher nicht mehr die ganz großen Berge…

„Nein, natürlich nicht. Heute gehe ich auf niedrigere und wirklich nicht sehr hohe Berge. Aber das ist nicht so wichtig, denn ich muss schreiben! Ich muss das erzählen und schreiben, was ich früher erlebt, gesehen und bestiegen habe. Das ist viel Arbeit.“

Foto: National Geographic
An was arbeiten Sie gerade?

„Jetzt gerade habe ich ein Buch in Deutschland wieder herausgebracht. Es heißt ´K2 – Traum und Schicksal´. Das Buch habe ich schon vor vielen Jahren geschrieben, aber jetzt ist es neu überarbeitet und als Taschenbuch erschienen.“

Sie haben zwei Achttausender erstbestiegen. Wann war das und mit wem waren Sie damals unterwegs?

„Der erste der beiden ´jungfräulichen´ Achttausender, die ich bestiegen habe, war 1957 der Broad Peak, also der breite Berg. Ich habe ihn zusammen mit Hermann Buhl, Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller bestiegen. Wir haben ihn nur zu Viert im Westalpenstil, ohne Hochträger und ohne Sauerstoffgeräte gemeistert. Das war etwas absolut Neues, eine Pionier-Erstbesteigung sozusagen. Der zweite Gipfel, den ich als Mensch erstbestiegen habe, war 1960 der Dhaulagiri. Dabei haben wir ein Gletscherflugzeug verwendet. Es ist bis an den Fuß des Berges geflogen, Von dort sind wir dann zu Fuß hinaufgestiegen.“

Josef Rakoncaj (Foto: Jiří Špitálský, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Wenn Sie ihre Erstbesteigungen mit dem heutigen ´Hochgebirgstourismus´ vergleichen, was hat Ihnen damals gefehlt?

„Heute ist alles völlig total anders. Jetzt hat man eine meteorologische Wettervorhersage über Satellit, das haben wir alles nicht gehabt. Ich glaube, es ist jetzt kein großes Abenteuer mehr, es sei denn, man besteigt einen Gipfel von einer noch unbekannten Seite.“

Zusammen mit dem Tschechen Josef Rakoncaj haben sie 1983 erstmals den Gasherbrum bestiegen…

(Diemberger berichtigt): „… nicht bestiegen, sondern den Gasherbrum-Gletscher erkundet. Von hier aus haben wir den K2 bestiegen, jedoch mit unterschiedlichem Erfolg: Rakoncaj ist bis zum Gipfel hinaufgekommen, ich bis zur Höhe von 8000 Meter.“

K2 (Foto: Guilhem Vellut, CC BY-SA 2.0)
Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen? Bergsteiger suchen ja oft nach Partnern für einen gemeinsamen Aufstieg.

„Das stimmt. Wir hatten eine internationale Expedition mit vielen Italienern, aber auch mit einem Tschechen und einem Österreicher.“

Wie sind Sie damals miteinander klargekommen? Wie ist Ihre Freundschaft gewachsen?

„Das funktionierte gut, ja sogar sehr gut. Wir haben uns dann später am K2 erneut getroffen, allerdings in keinem guten Jahr – es war das für uns Alpinisten traurige und schwarze Jahr 1986.“

Kurt Diemberger und Josef Rakoncaj haben sich nun nach fast 20 Jahren am Mittwoch erstmals wieder getroffen. Der 62-jährige Tscheche, der die Achttausender neunmal bezwungen hat und dabei den K2 als erster Bergsteiger der Welt sogar zweimal, wird seinen Vortrag am 16. April halten. Die Vortragsreihe, die vom Nationalmuseum und dem Brünner Reisebüro Livingstone veranstaltet wird, läuft bis Ende Mai.

Autor: Lothar Martin
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