Schwierigste Felswand der Welt: Kletterer Ondra knackt Rekordzeit

Foto: ČTK

Der Fels-Monolith „El Capitan“ steht im US-amerikanischen Nationalpark Yosemite und ist berühmt-berüchtigt. Denn dort führt eine Kletterroute hinauf, die als schwerste der Welt gilt. Sie heißt „Dawn Wall“. Der Tscheche Adam Ondra hat sie nun in freier Begehung in neuer Rekordzeit erklommen.

Fels-Monolith „El Capitan“ (Foto: ČTK)
Adam Ondra ist zwar erst 23 Jahre alt – aber in der Kletterszene bereits ein absoluter Star. Niemand schafft so schwierige Passagen wie er in so kurzer Zeit. Die Dawn Wall im Yosemite ist jedoch auch für absolute Spitzenkönner eine Herausforderung. Sie ist 1000 Meter hoch und hängt teilweise über. Adam Ondra über das Besondere der Felswand:

„Die einzelnen Seillängen sind zwar nicht ganz so extrem wie bei manchen niedrigeren Wänden. Doch während es sich dort um vielleicht eine Seillänge handelt, sind es an der Dawn Wall insgesamt 32. Und je höher man kommt, desto müder wird man.“

Adam Ondra (Foto: ČTK)
Vor zwei Jahren haben die US-Amerikaner Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson die Route als Erste ohne technische Hilfsmittel durchstiegen. Sie brauchten 19 Tage und hatten sich geschlagene sechs Jahre vorbereitet.

Auch Adam Ondra hatte schon länger mit der Dawn Wall geliebäugelt. Doch erst einmal schloss er in diesem Jahr seinen Bachelor in Wirtschaftsmanagement ab. Mitte Oktober kam er dann in den Yosemite, um den sehr glatten Granit zu erkunden. Teilweise habe er Haltepunkte „mit dem Mikroskop suchen“ müssen, so der Tscheche.

„Dort spielen dann Details eine Rolle, ob ich mich einen Millimeter weiter nach rechts oder links bewege. Das hat mir bei der Besteigung geholfen.“

Mit ihm in der Wand war Pavel Blažek als Kletterpartner. Wegen der Hitze kletterten beide anfangs am Nachmittag und in der Nacht, mit Stirnlampen am Kopf. Übernachtet wurde in Hängezelten in der senkrechten Wand. Für Nicht-Kletterer ein Abenteuer, anders für Adam Ondra, wie er im Vorfeld gegenüber dem Tschechischen Fernsehen geschildert hatte:

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„Das ist relativ gemütlich, wenn man dann drinliegt. Wir haben dort zum Beispiel Solarzellen, können also unsere Handys aufladen und mit der Welt kommunizieren. Nur das Klettern ist sehr anstrengend.“

Während es am Anfang noch heiß war, schlug das Wetter gegen Ende um. Auch das bremste Ondra etwas aus. Doch nach acht Tagen hatte er die Route geschafft – in weniger als der Hälfte der Zeit der beiden amerikanischen Erstbesteiger. Und mit nur einem Bruchteil an Vorbereitungszeit. Von dem gelungenen Rekordversuch gibt es auch spektakuläre Aufnahmen.



Adam Ondra (Foto: ČTK)
„Wir hatten zwei österreichische Fotografen und Kameraleute dabei. Sie sind manchmal mit uns über Nacht in der Wand geblieben. Manchmal haben sie sich aber auch ins Tal abgeseilt, um unter anderem die Batterien der Fotoapparate aufzuladen. Am letzten Tag sind sie um die Wand herum gegangen und auf den Berg hinauf, um uns vom Gipfel auf den letzten drei Seillängen zu filmen.“

Seinen Erfolg hat Adam Ondra übrigens bescheiden gefeiert: mit Pizza und ein paar Bier. Seine nächsten Kletterprojekte führen den Tschechen nach Spanien und Norwegen. Auch in den Yosemite will er noch einmal zurückkehren. Er hält eine noch schnellere freie Begehung der „Dawn Wall“ für möglich.

Autor: Till Janzer
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