Beuroner Kunst im Kloster Emmaus

Foto: Martina Schneibergová
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Der sogenannte Beuroner Stil heißt nach dem gleichnamigen schwäbischen Kloster bei Sigmaringen, wo er Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Benediktinermönche brachten den Stil auch nach Prag. Im Stadtteil Smíchov ließen sie die Klosterkirche St. Gabriel bauen. Sie gilt als eine der wertvollsten Sehenswürdigkeiten, die in diesem Stil in Europa gestaltet wurden. Neben Beuron und Monte Cassino gilt Prag als eines der wichtigsten Zentren der Beuroner Kunst. Trotzdem fand hierzulande noch nie eine Ausstellung zu diesem Kunststil statt. Die erste wurde aber nun am Donnerstag im Benediktinerkloster Emmaus eröffnet. Dazu ein Gespräch mit der Vorsitzenden des Prager Fördervereins für Beuroner Kunst, Monica Bubna-Litic.

Monica Bubna-Litic (Foto: Martina Schneibergová)
Frau Bubna-Litic, Sie haben gerade die erste Ausstellung Beuroner Kunst in Prag eröffnet. Was war der Beweggrund?

„Der Hauptgrund war wahrscheinlich die Kopie der zwei Meter hohen Statue des Erzengels Gabriel. Die ursprüngliche Statue stand über dem Eingang in die Mariä-Verkündigungskirche beim St.-Gabriel-Kloster in Prag. Diese Statue haben die Benediktinerinnen mitgenommen, als sie das Kloster 1919 verließen. Wir haben die Ordensschwestern, denen das Originalwerk gehört, gebeten, ob sie uns ermöglichen würden, eine Kopie herzustellen. Das ist dann auch passiert. Die Kopie der Statue ist zwei Jahre alt. Wann sie auf das Dach über dem Kircheneingang platziert wird, wissen wir noch nicht. Wir möchten die Erzengelstatue der Öffentlichkeit jetzt erst mal zeigen. Denn wenn die Statue dann auf dem Dach steht, wird dies zwar wunderschön sein und die Menschen zur Besichtigung der Kirche anregen, aber andererseits wird man sie nicht mehr aus der Nähe bewundern können.“

Erzengel Gabriel (Foto: Martina Schneibergová)
Der Erzengel Gabriel steht wortwörtlich im Mittelpunkt der Ausstellung. Zu sehen sind aber auch zwei weitere kleinere Plastiken. Woher stammen sie?

„Die kleinere Madonna aus Bronze heißt ´Madonna Isis´. Sie ist ein Werk des Begründers der Beuroner Kunstschule, Pater Desiderius Lenz. Er schuf sie in den 1870er Jahren. Madonna Isis hält ihren Sohn Horus in den Armen. Lenz hat sich stark von den Ägyptern inspirieren lassen, darum die ägyptische Madonna. Sie steht im Zusammenhang mit einem Lesepult, das wir in Sankt Gabriel haben. Dieses Lesepult haben wir 2008 aus Österreich zurückerhalten. Man nannte es Adlerpult, weil es mit einer Vogelplastik verziert ist. Aber in Wirklichkeit bildet die Plastik keinen Adler, sondern einen Falken nach. Und der Falke war ein Attribut des ägyptischen Gottes Horus.“

Foto: Martina Schneibergová
Dieses Pult ist nicht das einzige Kunstwerk, das aus Österreich nach Prag zurückgegeben wurde. Es stammen auch einige weitere Exponate von den Ordensschwestern aus Österreich…

„Ja, zu sehen ist noch das sogenannte ´ägyptische Pluviale´- es ist ein liturgisches Gewand mit wunderschönen Stickereien, die vier Propheten und König David darstellen. Die beiden Ornate in der Vitrine wurden auch von den Schwestern aus St. Gabriel gestickt. Diese Kirchengewänder gehören der Abtei Emmaus. Die Benediktinerinnen haben sie erst 1928 für dieses Kloster genäht und gestickt.“

Ausgestellt sind auch die Kopien von zwei Seiten des Beuroner Evangeliars. Wann entstand dieses liturgische Buch?

„Das Evangeliar haben die Schwestern von St. Gabriel in Prag in den Jahren 1904 bis 1912 zusammengestellt. Das Buch befindet sich heutzutage im Diözesanmuseum in Graz. Wir haben von den Benediktinerinnen die Urheberrechte bekommen, um das Evangeliar als Buch herauszugeben. Ich arbeite zusammen mit Miroslav Kunštát an der Übersetzung und Gestaltung des Buchs. Gedruckt werden soll es dann im Eos-Verlag in Sankt Ottilien in Deutschland.“

Foto: Martina Schneibergová
Wann soll es erscheinen?

„In diesem Jahr eigentlich. Ich muss aber zugeben, dass wir sehr langsam arbeiten. Es ist sehr schwierig, und wir trauen uns nicht, jedes Wort zu benutzen. Die Arbeit am Evangeliar ist herrlich, kostet aber unwahrscheinlich viel Zeit. Hoffentlich wird es ein schönes Buch.“

Kommen wir noch zu den Bildern und Fotos in der Ausstellung…

„Das Bild des Erzengels Michael wurde auch aus Österreich wieder nach Prag gebracht. Es handelt sich ebenfalls um Beuroner Kunst. Ich weiß leider nicht, wer der Maler war. Wir forschen und hoffen, dass wir dies eines Tages herausfinden. Ich glaube nicht, dass es Lenz selbst war. Denn Lenz arbeitete sehr streng nach dem Beuroner Kanon, die Personen auf seinen Bildern machen keine großen Bewegungen. Aber dieser Engel ist in Bewegung dargestellt. Das andere sind historische Fotos aus dem Jahr 1891, die wir vergrößert haben. Die drei Fotos zeigen die erste Etappe beim Bau des Klosters St. Gabriel in Prag in den Jahren 1889 bis 1891. Die Bibliothek wurde später gebaut, sie ist hier nicht inbegriffen. Auf einem der Fotos ist die Originalstatue des Erzengels Gabriel auf dem Dach deutlich zu sehen.“

Foto: Martina Schneibergová
Gegenüber hängt aber eine Fotografie des Interieurs der Klosterkirche. Wurde sie später gemacht?

„Ja, das ist die Abteikirche von St. Gabriel, sie heißt Mariä-Verkündigungskirche. Die Schwestern haben sie spätestens 1919 fotografiert. Das Schwarz-Weiß-Foto nahmen sie mit nach Österreich und ließen es später kolorieren. Ich habe von dieser Fotografie Ansichtskarten machen lassen.“

Bis wann ist die Ausstellung im Emmaus-Kloster zu sehen?

Foto: Martina Schneibergová
„Sie ist bis 20. September zu sehen. Im September möchten wir auch ein Begleitprogramm anbieten, und zwar neben Besichtigungen dieses Klosters auch Führungen durch St. Gabriel. Das Kloster ist heutzutage leer.“