Biaggi fuhr 1,5 Millionen Kronen für südböhmischen Ort Doudleby ein

Max Biaggi, Foto:CTK

Wie wir bereits in unserem letzten Sportreport berichtet haben, ist auch der Bereich Sport von der Hochwasserkatastrophe arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Mehrere Sportstätten sind derart zerstört, dass auf ihnen für längere Zeit keine sportlichen Wettkämpfen ausgetragen werden können. Dazu gehört die Galopprennbahn im Prager Stadtteil Velká Chuchle, auf der am Sonntag eigentlich ein großer Renntag hätte stattfinden sollen. Aber man müht sich redlich, die Ausfallquote so gering wie möglich zu halten und auch das sportliche Leben hierzulande Schritt für Schritt zur Normalität zu führen. Daher wurde der Prager Renntag, mit dem Großen Preis von Prag und dem Großen Preis des tschechischen Turfsports als Hauptrennen, kurzerhand auf dem Hippodrom von Most ausgetragen. Und die Begeisterung war riesig.

Max Biaggi, Foto:CTK
Ähnliches lässt sich vom Grand Prix im Motorradrennsport sagen, der schon traditionell auch diesmal wieder am letzten Augustwochenende in Brno/Brünn über die Bühne ging. Die vom Hochwasser zerstörte Infrastruktur und einige gesperrte deutsch-tschechische Grenzübergänge hatten zwar dafür gesorgt, dass an den beiden Trainingstagen kaum Zuschauer auf dem nahe der mährischen Messestadt gelegenen Masaryk-Ring zugegen waren, doch die drei WM-Läufe am Sonntag erlebten immerhin knapp 40.000 Besucher. Und sie sahen großartiges Racing mit jeweils italienischen Siegern. Dazu Radiokollege Petr Horák:

"Der Große Preis von Brünn kennt für das Jahr 2002 seine Gewinner: in der 125-ccm-Klasse war Cecchinello der Schnellste vor dem Spanier Pedroso und dem Franzosen Vincent; die 250-ccm-Klasse gewann Melandri, Zweiter wurde der Argentinier Porto und Dritter der Spanier Elias; und in der Königsklasse freute sich Max Biaggi über den Sieg, der auf das Siegerpodest von den Japanern Kato und Ukawa begleitet wurde."

Mit dem 31-jährigen Biaggi, der in Brünn bereits zum siebten Male erfolgreich blieb, davon zum dritten Male in der höchsten Klasse, freuten sich ganz besonders auch die Einwohner der südböhmischen Gemeinde Doudleby. Denn auch den internationalen Motorradrennfahrern war die verheerende Flutkatastrophe in Tschechien nicht entgangen, weshalb sie sich bereit erklärten, mit dem Rennen noch einen weiteren, ganz speziellen Wettkampf auszufechten. Vor dem Start waren auf das Teilnehmerfeld der Königsklasse böhmische Orte ausgelost worden, die vom Hochwasser schwer gezeichnet wurden. Titelverteidiger und WM-Favorit Valentino Rossi trat dabei für das bei Melník gelegene Libis und Biaggi, der Trainingsschnellste, für besagtes Doudleby an. Klar, dass gerade die Einwohner dieser beiden Orte beim Rennen der für Zwei- und Viertakter offenen Klasse via TV mitfieberten. Die Einwohner von Libis mussten jedoch erleben, wie sich bei Rossi´s Hinterrad sechs Runden vor Rennende Gummiteile vom Hinterrad lösten, wonach der WM-Führende zunächst an die Box und später ganz aufgeben musste. Die Einwohner von Doudleby hingegen können sich mit Biaggis Sieg auch über mindestens 1,5 Millionen Kronen freuen, die der Veranstalter aus dem Verkauf von Eintrittskarten und Sonderkarten zum Betreten des Fahrerlagers ausgelobt hat.

Man sieht also, der Möglichkeiten gibt es viele, um den Hochwassergeschädigten finanziell zu helfen und ihnen darüber hinaus noch ein paar abwechslungsreiche, unterhaltende Minuten zu bieten. Wie der Bürgermeister von Doudleby der Tageszeitung "Mladá fronta Dnes" versicherte, wird das Geld aller Voraussicht nach zur Instandsetzung der stark beschädigten Brücke über die Malse verwandt.