Bildhauer der tschechischen Erinnerungskultur: Vor 100 Jahren wurde Olbram Zoubek geboren
Olbram Zoubek gehörte zu den bedeutendsten tschechischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Er prägte die Erinnerung an Diktatur und Verfolgung mit.
Die hohen und dünnen Figuren aus patinierten Materialien sind zu einem Symbol der tschechischen Bildhauerkunst im Dienste der Erinnerungskultur geworden. Olbram Zoubek, geboren am 21. April 1926 in Prag, ließ sich bei vielen seiner Werke durch einen tiefen Humanismus leiten. Er arbeitete mit Zement, Blei oder Zinn und überzog die Skulpturen oft mit einer gold- oder türkisfarbenen Schicht.
Schönheit und Schmerz
Schon in den 1960er Jahren hatte sich Zoubek in der landesweiten Kunstszene etabliert. Dann stellte sich ihm die Politik entgegen. Weil er die Todesmaske von Jan Palach angefertigt hatte – jenem Studenten, der sich auf dem Wenzelsplatz aus Protest gegen die sowjetische Besatzung selbst verbrannte –, geriet Zoubek in das Visier der kommunistischen Geheimpolizei. Ausstellungen und Reisen wurden ihm verboten, weswegen der Künstler sein Geld jahrelang nur mit Restaurationsarbeiten verdiente.
Später waren Mut und politische Unterdrückung immer wieder Themen für Zoubek. Er schuf das Mahnmal für die Opfer des Kommunismus auf der Prager Kleinseite und auch die Grabmäler für Jan Palach sowie Jan Zajíc, der sich ebenfalls 1969 selbst verbrannt hatte.
Vermächtnis über die Grenzen hinaus
Zoubeks letztes Werk entstand kurz vor seinem Tod am 15. Juni 2017. Es handelt sich um eine mehr als zwei Meter hohe Metallplastik, die den Priester Josef Toufar darstellt. Der Geistliche war 1950 nach Polizeiverhören an den Folgen der Folter gestorben. Die Skulptur steht in der Kirche der verschwundenen Siedlung Zahrádka, direkt an der Moldau westlich von Havlíčkův Brod.







