„Ich glaube, dass mehr Licht nicht nötig sein wird“

Foto: Tschechisches Fernsehen

Am 16. Januar 1969 hat sich Student Jan Palach auf dem Prager Wenzelsplatz selbst verbrannt. Drei Tage später unterlag er seinen schweren Verletzungen. Mit seiner Tat wollte er die Gesellschaft aus der Lethargie wachrütteln, die sich nach der Niederschlagung des Prager Frühlings im Land verbreitete. Ein neuer Dokumentarfilm über Palach von Olga Sommerová wurde diese Woche im Tschechischen Fernsehen gezeigt.

Olga Sommerová (ganz links). Foto: Tschechisches Fernsehen
„Ich glaube, dass mehr Licht nicht nötig sein wird.“ Diese Worte schrieb Palach in seinem Abschiedsbrief. Regisseurin Olga Sommerová hat das Zitat zum Titel ihres neuesten Films gemacht. Er sei letztes Jahr anlässlich des 50. Todestags von Jan Palach und der Eröffnung der Gedenkstätte in Palachs Heimatort Všetaty entstanden, sagte die Regisseurin.

„Heute werden Wahrheit und Gerechtigkeit oft infrage gestellt, weshalb die Erinnerung an Jan Palach umso wichtiger ist. Im vergangenen Jahr gab es anlässlich seines 50. Todestags den ganzen Tag lang Veranstaltungen auf dem Wenzelsplatz. Auf einmal war zu spüren, dass Jans Vermächtnis lebt und immer noch Aufmerksamkeit weckt. Ich denke, das hat den folgenden Grund: Er hat das Leiden, einen schmerzvollen Tod gewählt und auf sämtliche Erlebnisse verzichtet, die ihn im Leben noch erwartet hätten. Das tauschte er gegen eine Tat, mit der er zum Ausdruck brachte, dass es notwendig ist, gegen das Böse zu kämpfen. Seine letzten Worte lauteten, der Mensch müsse gegen das Böse kämpfen, das er imstande ist zu bezwingen.“

Jan Palachs Bruder Jiří im Film „Ich glaube, dass mehr Licht nicht nötig sein wird.“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Einen Monat nach Palach wurde auf dem Wenzelsplatz auch der Student Jan Zajíc zur lebenden Fackel. Er nahm zuvor am Hungerstreik teil, mit dem die Studenten in Prag gegen die Zensur protestierten. Die Regisseurin:

„Palach und Zajíc hatten gemeinsam, dass sie die Ungerechtigkeit hassten. Sie mussten etwas dagegen unternehmen. Die Familien der beiden jungen Männer nahmen Kontakte auf, nachdem Jan Palachs Mutter einen Brief an die Mutter von Jan Zajíc geschrieben hatte. Ich bin sehr froh, dass ich dank dem Film Jan Palachs Bruder Jiří und die beiden Geschwister von Jan Zajíc kennenlernen konnte. Ich habe gesehen, dass die Tat nach 50 Jahren immer noch lebendig ist. Ich war sehr tief gerührt, als Palachs Bruder Jiří erklärte, er habe nie einen so charaktervollen Menschen wie seinen Bruder getroffen. Er sagte, er sei der beste Mensch gewesen, den er gekannt hat.“

Olga Sommerová ist ein Jahr jünger, als es Jan Palach heute wäre. Im Film bearbeitete sie ein Thema, das für einen großen Teil ihrer Generation ein sehr persönliches ist. In der Dokumentation treten fast zwanzig Menschen auf, die Palach kannten: seine Freunde aus der Kindheit sowie Kommilitonen von der Hochschule. Sommerová betont mit ihrem Film, dass Palachs Opfer nicht vergeblich gewesen sei. Sie nutzt auch Aufnahmen vom Januar 1989, die Demonstranten auf dem Wenzelsplatz zeigen, die von Polizisten geschlagen werden. Am Wenzelsdenkmal zwischen den Kerzen liegt ein Herz aus Papier, auf dem steht: „Verzeihe, Jan, dass es zwanzig Jahre lang gedauert hat!“

Foto: Tschechisches Fernsehen