Bildung und Globalisierung am Forum 2000

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Auch am ersten Konferenztag des Forums 2000 am Montag brillierte der Spanische Saal der Prager Burg mit der Anwesenheit illustrer Namen aus der Welt des Geistes, der Wissenschaft und der Kunst. Wir fassen die Debatten rund um das Thema "Bildung" in Zeiten der Globalisierung zusammen.

Bei der kurzen Eröffnungsrede im prunkvollen Spanischen Saal äusserte sich Präsident Vaclav Havel gleich dezidiert politisch. Er wies darauf hin, dass man dem bekannten russischen Journalisten Andrej Babicki von Radio Liberty, der sich um kritische Reportagen aus Tschetschenien verdient gemacht hatte und am Forum hätte teilnehmen sollen, in Moskau jedoch keinen Reisepass ausgestellt hatte. Der Saal gedachte auf Havels Initiative hin während einer Schweigeminute der Opfer des Blutvergiessens im Nahost und dieses tragische Thema war nicht nur durch die Anwesenheit des haschemitischen Prinzen Jordaniens Hassan bin Talal den ganzen Tag präsent. Bildung als Türe für zwischenmenschliche Verständigung wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Wie wichtig es ist komplexe Zusammenhänge zu verstehen und nicht nur Wissensstoff und Fakten anzuhäufen, erläuterte im Gespräch mit Radio Prag der Rektor der Universität der Vereinten Nationen in Tokio, Hans van Ginkel:

Das Thema der diesjährigen Konferenz ist Bildung, Kultur, Religion in Zeiten der Globalisierung und dieses Wort wurde von verschiedensten Rednern immer wieder aufgegriffen, definiert und manchmal mit ängstlicher Ehrfurcht behandelt. In Zeiten der weltweiten Vernetzung aller Informationskanäle, darin waren sich alle einig, müsse das Menschliche, der Dialog, mehr in den Vordergrund treten, darauf wies auch ein tschechischer Studentenvertreter am Forum 2000, Lukas Vylupek hin.

"Das ist bestimmt ein Problem. Wichtig ist ein Rückhalt, beispielsweise die Familie. Der Mensch muss wissen, wo er seine Wurzeln hat und dass jemand hinter ihm steht und ihn unterstützt. Nicht dass der Vater nur ab und zu mal auf dem Handy eine Nachricht hinterlässt. Es muss ein Gegenüber sein, mit dem man jederzeit ein Gespräch führen kann. Das Internet bietet riesige Möglichkeiten, ich beobachte das an der Uni, wo ich auch unterrichte. Da hat man bei all diesen neuen Kommunikationsmöglichkeiten manchmal Mühe zu sehen, dass auch der ruhige, introvertierte Student absolut geniale Gedanken haben kann, irgendwie lässt sich das immer schwerer herausfinden."

Welche Richtung die Bildungsinstitutionen künftig einschlagen müssen, darüber hat man am runden Tisch leidenschaftlich diskutiert, der ehemalige portugiesische Schulminister Eduardo Marcal Grilo hat folgende Vorstellung:

"Wir müssen wahrscheinlich mündige Bürger erziehen, die integriert sind, die handeln und an der neuen Gesellschaft partizipieren, sie müssen autonom sein und sollten für ihre Taten Verantwortung tragen. Es muss sich um Aktivitäten handeln, die aus eigener Initiative entstehen. Ein wichtiger Punkt ist die Toleranz, lange Zeit war das Schulsystem Sache der Nationalstaaten, alle Schüler und Studenten hatten sich an den jeweils gegebenen Lehrplan zu halten. Damit ist es heute vorbei, weil jede Schule heute selbstständig sein kann. In modernen Bildungseinrichtungen gibt es heute nicht eine strikt vorgeschriebene Linie, sondern eine Vielzahl von Unterrichtsmöglichkeiten, denen man Raum schaffen muss."