Böhmerwald ist ernsthaft bedroht

Böhmerwald

In dem folgenden Programm von Radio Prag hören Sie nun die Sendereihe Regionaljournal. Einer der schönsten Nationalparks der Tschechischen Republik, der in Südböhmen gelegener Böhmerwald, ist ernsthaft bedroht. Es gibt Vorschläge, nach denen das bestehende Gebiet um bis zu einem Drittel verkleinert werden sollte. Diese alarmierende Tatsache war nicht nur Grund für einen Protestmarsch durch die betroffenen Gebiete, sondern auch dafür, dass wir uns heute im Rahmen des Regionaljournals nach Südböhmen begeben werden. Durch die Sendung führen Sie meine Kollegen Martina Schneibergova und Dagmar Keberlova.

Böhmerwald
Die südliche Grenze Tschechiens kann sich nicht über Mangel an Ereignissen beklagen. Doch die meisten waren in letzter Zeit eher unangenehmer Natur und hatten einen gemeinsamen Nenner (und das ist) - das Atomkraftwerk Temelin. Das schreibt ein trauriges Kapitel der österreichisch-tschechischen Beziehungen, doch nicht alles, was mit Südböhmen zu tun hat, ist so schwarz. Vor zwei Wochen wurde einmal mehr gezeigt, dass man auch miteinander und nicht nur gegeneinander demonstrieren und protestieren kann. Es handelte sich um den Naturschutz und ganz konkret um den Reichtum des bestehenden Nationalparks Sumava/Böhmerwald. Vor zwei Wochen haben Tschechen und Deutsche gemeinsam protestiert. Mehr zu dem Warum sagte uns die Sprecherin der Umweltinitiative Duha/ Regenbogen Karolina Sulova, die diese viertägige Protestwanderung organisiert hat:

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"Die Bewegung Duha hat vor zwei Wochen die viertägige Protestwanderung quer durch die Naturschutzgebiete Sumava/Böhmerwald und den Bayerischen Wald vor allem deshalb organisiert, um somit auf die gemeinsamen Probleme der beiden Nationalparks hinzuweisen. Und das sind zum einen der Umgang mit dem Borkenkäfer beziehungsweise mit dem Fällen der Bäume und zweitens die drohende Verkleinerung des Nationalparks auf der tschechischen Seite der Grenze."

Zur Gefahr, die diese beiden Probleme für den Nationalpark darstellen, berichtete uns weiter Karolina Sulova:

"Beides stellt für die Natur des Böhmerwaldes ein großes Risiko dar. Das Fällen der Bäume auf der tschechischen Seite führt dazu, dass die wertvollsten Bäume in den einzigartigen Berg-Urwäldern gefällt werden, wodurch große Lichtungen entstehen, die nur sehr schwer wieder zu bewalden sind."

Warum sich an der Protestaktion auch die bayerische Seite beteiligt hat, dies fragte ich Herrn Nicolaus Fritsch vom Naturschutzbund Bayern. Hier seine Stellungnahme:

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Was also konkret diese Wanderung für einen Sinn hatte? Für die tschechischen Teilnehmer war sie sehr lehrreich:

"Die Teilnehmer der Wanderung haben sehen können, dass man auf der bayerischen Seite das Problem ganz anders angeht. Dort lässt man die alten trockenen Bäume stehen, und unter ihnen kann ein neuer Wald wachsen. Die alten Bäume schaffen ein besonderes Klima, in dem die kleinen Bäume wachsen. Der Wald ist dann gesünder und lebt länger als das, was wir auf der tschechischen Seite sehen."

In Tschechien gelte Frau Sulova zufolge nach wie vor das Prinzip: dem Wald hilft man am besten mit der Motorsäge. Doch dazu gibt es ja Naturschutzgebiete, dass man in ihnen die Natur wirken lässt. Die Vorteile der natürlichen Lösung bestätigte uns auch Herr Fritsch von der bayerischen Seite:

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Der Nationalpark Sumava versucht weiter zu kämpfen. Das letzte mal sorgte er in der tschechischen Tagespresse vor zwei Jahren für Schlagzeilen, als junge tschechische Naturfreunde mit einer Blockade gegen das Fällen in den sogar für Wanderer gesperrten Schutzzonen des Parks protestiert hatten. Nachdem jetzt Vorschläge auf die Reduzierung der Fläche des Nationalparks auftauchten, hatte die Umweltinitiative Duha bereits im Juni diese umfangreiche Kampagne gestartet. Aktuelles zu den Plänen, die die Reduzierung der Fläche vorschlagen, sagt Ihnen Karolina Sulova:

"Auf einer Oktobersitzung des Abgeordnetenhauses wird wird über das Gesetz zum Schutz des Nationalparks verhandelt und es besteht die Gefahr, dass Änderungsvorschläge vorgebracht werden, die die Fläche des Parks verringern sollten. Einer der Änderungsvorschläge rechnet mit dem Ausschluss von einem Drittel des Gebietes, worin die interessantesten und einzigartigsten Regionen eingeschlossen wären, wie z. B. das Flusstal der Vydra oder die ursprünglichen Wälder von Stozec/Tusset."

Auch die bayrischen Naturschützer zeigen sich besorgt über die Reduzierung der Fläche des Naturschutzgebiets. Herr Fritsch hierzu:

Die Idee, den Nationalpark zu reduzieren, stammt von der Holzfällerlobby und wird von denjenigen unterstützt, die mit der Errichtung eines großen Wintersportzentrums in Smrcina rechnen. Was die betroffenen Gemeinden davon halten? Karolina Sulova:

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"Die meisten Gemeinden haben wir für unsere Initiative zur Beibehaltung des Nationalparks in seiner bisherigen Form gewinnen können. Die meisten Bürgermeister haben eine gemeinsame Erklärung unterschrieben, in der sie die Verkleinerung des Parks ablehnen. Andererseits gibt es Gemeinden, die die Reduzierung der Parkfläche begrüßen würden. Diese stellen aber eine Minderheit dar."

Den Grund dafür sieht Frau Sulova auch darin, dass es in Tschechien für die Gemeinden immer noch keinen Gewinn darstellt, im Nationalpark zu liegen. In Bayern würden hingegen die Gemeinden davon riesig profitieren. Und Herrn Fritschs Meinung zur Nutzung des Gebiets als Wintersportzentrum?