Briefbomben-Serie

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Von Olaf Barth.

Vier führende Vertreter der bankrotten Baugesellschaft H-System erhielten am Mittwoch Briefbomben. Laut Polizeiangaben kam es bei einem der Adressaten zu einer Explosion und eine Person wurde an der Hand verletzt. Drei weitere vermeintliche Sprengsätze konnten von der Polizei rechtzeitig unschädlich gemacht werden.

Unklar ist dagegen weiterhin, ob es sich bei dem Verletzten um den ehemaligen Direktor der Baugesellschaft, Jaroslav Elias, auf dessen Wohnung bereits 1997 ein Brandanschlag verübt wurde, oder um dessen Sohn handelt.

Das erste derartige Päckchen erhielt am frühen Nachmittag das H-Systém- Vorstandsmitglied Ladislav Tuma, der es auch tatsächlich öffnete. Als jedoch verdächtige Drähte zum Vorschein kamen, verständigte er die Polizei, die das Päckchen vorsichtshalber entsorgte. Laut eines an der Aktion beteiligten Polizisten, habe es sich bei der Sendung höchstwahrscheinlich um einen Sprengsatz gehandelt. Die Polizeisprecherin Ivana Zelenikova erklärte am Mittwoch:

"Aus der Herstellungsweise schliessen wir, dass es sich um Päckchen von ein und derselben Person handelt. Die Polizei reagierte auf diese Ereignisse mit der Verhängung besonderer Maßnahmen, die die Zustellung dieser explosiven Sendungen an weitere Personen verhindern sollen. Gegenwärtig werden Analysen des sichergestellten Materials durchgeführt."

Sowohl Tuma als auch die übrigen Betroffenen - allesamt Vertreter des bankrotten Unternehmens - lehnten jeglichen Kommentar dazu ab, ob die Briefbomben in irgendeinem Zusammenhang mit deren Tätigkeit für H-Systém stehen. Die Baugesellschaft H-Systém versprach ihren Kunden den Bau von günstigen Familienhäusern. Die Bauprojekte wurden dann aber abgebrochen, ohne dass den Kunden ihr Geld zurückerstattet wurde. Viele Familien standen sprichwörtlich vor dem Nichts. Tuma und seine Kollegen sind des Betrugs beschuldigt, eine Anklageerhebung soll bereits in den nächsten Tagen erfolgen.

Es scheint aber so, als hätte jemand den Rechtsweg nicht abwarten wollen und die Sache stattdessen lieber in die eigenen Hände genommen.

Weil am Mittwochnachmittag gegen 17:00 Uhr zudem im Kaufhaus C&A auf dem oberen Wenzelsplatz in Prag ein verdächtiges Paket gesichtet wurde, musste das Bombenkommando erneut anrücken. Teile des Wenzelsplatzes wurden von der Polizei abgesperrt. In dem Paket war allerdings, wie sich dann herausstellte, keine Bombe, sondern lediglich Oberbekleidung enthalten.

Autor: Olaf Barth
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