Brixen in Südtirol gedachte den böhmischen Schriftsteller Karel Havlicek

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Der Name eines Städtchens in Südtirol - Brixen - kommt in Tschechien jedem Schüler bekannt vor. Diese Stadt wurde nämlich vor 150 Jahren zum Verbannungsort für den böhmischen Schriftsteller, Journalisten und Politiker Karel Havlicek Borovsky bestimmt. Er wurde auf Anordnung der damaligen österreichischen Regierung wegen seiner politischen und journalistischen Tätigkeit in die Alpen geschickt. Markéta Maurová hat Ende der letzten Woche Brixen-Bressanone besucht: Was war dort los?

"In Brixen wurden zweitägige Feierlichkeiten aus Anlass des 150. Jahrestags des Aufenthalts von Karel Havlicek Borovsky veranstaltet, an denen sich die Stadt Brixen und die tschechische Stadt Havlickuv Brod beteiligt haben. Ein großer Verdienst gebührt in diesem Zusammenhang dem Literaturhistoriker Jiri Morava aus Insbruck, der seine Forschung gerade Havlicek geweiht hat. Er bereitete für uns einen Spaziergang auf den Spuren Havliceks in Brixen vor - wir sahen also seine vier Wohnorte, einen Buchladen, in dem er Bücher kaufte und der bis heute existiert und sogar Bücher von Havlicek selbst anbietet. Vor dem Haus mit zwei Gedenktafeln in tschechischer, italienischer und deutscher Sprache fand auch eine Gedenkfeier statt, im Hotel Goldener Adler wurde eine Havlicek-Ausstellung eröffnet usw. Die ganzen Feierlichkeiten bekamen einen musikalischen Rahmen, für die ein Bläsertrio der Musikgrundschule aus Havlickuv Brod sorgte."

Wer hat an den Festlichkeiten im Südtiroler Städtchen teilgenommen?

Wie ich schon gesagt habe - es waren Vertreter der Städte Havlickuv Brod und Brixen - das übrigens in diesem Jahr sein 1100stes Gründungsjubiläum feiert. Aus Wien kam der tschechische Botschafter und Schriftsteller Jiri Grusa, der auch das Grußwort von Präsident Vaclav Havel übermittelte. Ich kann vielleicht kurz aus Havels Brief zitieren: "Jene anti-normative, demythisierende Ausdrucksfindung spricht uns bis heute an und auch seine Epigramme treffen ins Ziel und verallgemeinern gekonnt unsere eigene Situation. Mit einer Weitsicht gewappnet, die vom Verstand und Humor getragen wurde, kämpfte Havlicek gegen alle Arten von Dumm-, Beschränkt- und Feigheit, ja auch Willkür, wo immer er sie in seinem Umfeld antraf."

Hast du in Brixen erfahren, wie das dortige Leben Havliceks ausgesehen hat?

Havlicek verbrachte dort drei ein halb Jahre - vom Februar 1851 bis Mai 1855. Was er dort machte und wie er sich fühlte, darüber lasse ich lieber den Havlicek-Forscher Jiri Morava sprechen:

"Ja - es war der Verbannte da, und dann hat er im besten Hotel gewohnt, dann haben sie für ihn eine Untermiete gefunden, und dann konnte seine Frau mit der Tochter zu ihm kommen, dann haben sie sich ein Häuschen gemietet... Der hat ziemlich gut gelebt, aber - wie ich gesagt habe, er war in einem goldenen Käfig. Sie müssen sich vorstellen: Er hat mit der Familie gewandert, gebadet, er ist ins Gasthaus gegangen, er korrespondierte... Na ja, gut, aber war in einem fremden Land und hat nicht gewusst, wann er rauskommt."