Cannabisplantagen – illegaler Anbau in Tschechien hat sich verdoppelt

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Die Zahl der von der Polizei aufgedeckten illegalen Marihuana-Plantagen hat sich im letzten Jahr fast verdoppelt. Der tschechische Marihuana-Markt gilt als einer bestentwickelten in Europa. Auch weiterhin haben Vietnamesen am häufigsten die Finger im Spiel. Aber gerade in Tschechien finden sie auch viele Abnehmer. Tschechische Jugendliche gehören mit ihrem Marihuana-Konsum zur Spitze in Europa. Trotzdem denkt der Innenminister an eine Legalisierung von Marihuana – streng zu medizinischen Zwecken allerdings.

Ostrava (Ostrau), 10. Februar - eine Spezialeinheit der Polizei bricht die Tür zu einer großen Wohnung im Zentrum auf. Hier herrscht Ordnung. In Reih und Glied stehen weit über 2000 Cannabispflanzen, bestrahlt von künstlichem Licht. Das grüne Gold für zwei Tschechen und sechs Asiaten. Sie werden bei der Razzia festgenommen. Solche Einsätze haben sich für die Antidrogenzentrale im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Radek John (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
„Im Jahr 2009 haben wir 84 solcher Cannabisplantagen entdeckt, 2010 waren es schon über 140 Plantagen“, erklärt Jakub Frydrych, der Chef der Antidrogenzentrale, nach seinem Treffen mit Innenminister John. Ein dramatischer Anstieg also. Solche Großplantagen von Cannabis zu betreiben, ist vor allem eine Spezialität vietnamesischer Verbrecherorganisationen. Dabei sind Tschechen oft Kompagnons und Handlanger.

„Der Markt im Ausland entwickelt sich in die Richtung, dass Vietnamesen die Chefs sind, und Tschechen erledigen den Anbau von Marihuana vor Ort, also hier im Land“, so Innenminister John.

Jiří Presl
Aber warum sind die Vietnamesen gerade auf dem tschechischen Markt so aktiv? Zum einen definiert die tschechische Gesetzgebung recht großzügig, was man unter straffreiem Eigenbedarf zu verstehen hat. Der Besitz von 15 Gramm Marihuana wird seit gut einem Jahr nicht mehr bestraft. Antwort geben aber auch die Zahlen: Fast fünf Millionen Tabletten Ecstasy, je eine Tonne Heroin und Kokain und ganze 19 Tonnen Cannabis - das ist der Jahresverbrauch gängiger Drogen in der Tschechischen Republik. Damit bewegen sich die Tschechen an der Spitze Europas. Beinahe jeder zweite Tscheche unter 24 Jahren hat Erfahrung mit Drogen, die meisten mit Cannabis. Nach Schätzungen haben sich im vergangenen Monat 28 Prozent dieser Altersgruppe einen Marihuana-Joint angesteckt. Jiří Presl, leitender Arzt der Drogenhilfe Drop-In, meint jedoch:

„Nach meinen Erfahrungen ist der Großteil der Produktion für den Export bestimmt.“

Die Marihuana-Produktion ist jedoch bei weitem nicht das einzige Sorgenkind der Antidrogenzentrale, wie Jakub Frydrych erklärt.

„Beunruhigend ist der Trend, dass immer mehr vietnamesische Verbrecherorganisationen an der Einfuhr von Ephedrin und Pseudoephedrin zur Herstellung von Methamphetamin beteiligt sind.“

Im Klartext: zur Herstellung von Crystal oder Crystal Speed, hierzulande als Pervitin bekannt. Und Pervitin-Küchen gibt es gerade in Tschechien überdurchschnittlich viele.