Corona: Ausstieg aus Maßnahmen in fünf Schritten

Foto: ČTK / Kateřina Šulová

Ab Montag kommender Woche dürfen in Tschechien wieder Wochenmärkte stattfinden. Zudem dürfen Handwerksbetriebe sowie Autohäuser wieder aufsperren. Dies ist der erste Schritt hin zur Lockerung der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Die Regierung hat am Dienstag ihren Ausstiegsplan vorgestellt.

Foto: ČTK / Kateřina Šulová

Wochenmarkt (Foto: Gabriela Hauptvogelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Regierung sei bei der Zusammenstellung des Plans von den Erkenntnissen der Epidemiologen ausgegangen, erklärte Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (parteilos):

„Eine klare Bedingung war, die Gesundheit zu schützen. Weitere Aspekte betrafen die Wirtschaft. Wir haben uns die Nachfrage der Bürger bewusst gemacht und die einzelnen Branchen berücksichtigt. Wir haben versucht, einen ausgewogenen Mix zusammenstellen, der, wie ich im Voraus bemerke, nicht hundertprozentig gerecht ist.“

Die jeweiligen Aktivitäten wurden dem Minister zufolge in einige Gruppen geteilt. Der Ausstiegsplan rechnet mit insgesamt fünf Schritten. Zunächst werden am 20. April Handwerksbetriebe und Autohäuser wieder geöffnet. Zudem dürfen erneut Wochenmärkte veranstaltet werden. Leistungssportler können unter bestimmten Bedingungen wieder in den Sportstätten trainieren und kleinere Hochzeiten sollen wieder möglich sein. Eine Woche später dürfen kleinere Geschäfte mit einer Fläche von maximal 200 Quadratmetern öffnen, sofern sie sich nicht in den Einkaufszentren befinden. Zwei Wochen später, am 11. Mai, können Geschäfte mit einer Fläche von maximal 1000 Quadratmetern wieder aufsperren. Auch dies gilt nur für Läden, die sich außerhalb von Einkaufszentren befinden. Auch Autoschulen und Fitnesszentren sollen von da an wieder in Betrieb sein. Eine weitere Lockerung der Corona-Maßnahmen werde anschließend nach zwei weiteren Wochen folgen, bemerkte Havlíček:

Foto: ČTK / Kateřina Šulová
„Am 25. Mai können Restaurants, Gaststätten, Cafés und Weinstuben öffnen, die ihre Gäste über ein Take-Away-Fenster oder in einem Biergarten bedienen. Zudem werden Friseure sowie Nagelstudios und Kosmetiksalons ihren Betrieb wieder aufnehmen. Ab 25. Mai möchten wir außerdem Museen, Galerien und Zoos öffnen. Dort wird man zunächst aber nur die Außengehege betrachten dürfen.“

In der letzten Etappe, am 8. Juni, könnten Einkaufszentren, Hotels und Restaurants wieder öffnen. Auch Burgen und Schlösser werden dann ihre ersten Besucher in der Saison begrüßen können. Das Regierungskabinett würde auch mit Kultur- und Sportveranstaltungen mit maximal 50 Teilnehmern rechnen. Minister Havlíček dazu:

Karel Havlíček (Foto: ČTK / Vít Šimánek)
„Ich möchte betonen, dass die Voraussetzung für die Umsetzung dieses Plans ist, dass wir das Coronavirus wie bisher unter Kontrolle halten. Es könnte zu bestimmten Verschiebungen kommen, aber wir wären froh, wenn wir den Plan einhalten würden. Wenn wir unsere Vorhaben mit denen in den Nachbarländern vergleichen, ist er mit der Lockerung der Maßnahmen in Österreich zu vergleichen. Wir sind jedoch etwas vorsichtiger, was die Öffnung der Einkaufszentren anbelangt.“

Ein Teil der Opposition begrüßte den Plan der Regierung zur Lockerung der Coronavirus-Maßnahmen. Die Vizevorsitzende der Piratenpartei, Olga Richterová, ist jedoch davon überzeugt, dass die Geschäfte nicht nach deren Fläche geöffnet werden sollten, sondern nach deren Fähigkeit, die notwendigen hygienischen Maßnahmen einzuhalten.

Foto: ČTK / Kateřina Šulová
„Wir würden bevorzugen, dass bei Geschäften, die von der Straße betreten werden, die Zahl der Kunden im Geschäft oder pro Kasse berücksichtigt wird, und dass sie nicht wegen ihrer Fläche lange geschlossen bleiben.“

Der Präsident des Verbandes für Handel und Tourismus, Tomáš Prouza, hält die allmähliche Öffnung der Geschäfte für zu langsam. Er warf der Regierung vor, dass sie ihre Schritte nicht mit denjenigen konsultiert habe, die davon betroffen seien. Eine ausführliche Stellungnahme möchte der Verband am Mittwoch veröffentlichen.

Die Regierung machte zudem ihre Vorstellungen darüber bekannt, welche Schulen geöffnet werden sollten. Am 11. Mai könnten die Abiturienten als erste wieder den Unterricht besuchen. Mit den ersten Abiturprüfungen rechnet das Bildungsministerium am 1. Juni. Am 25. Mai könnten sich die Schüler der ersten bis fünften Klasse wieder in die Bänke setzen. Wie das in der Praxis aussehen könnte, dazu Bildungsminister Robert Plaga (Partei Ano):

Robert Plaga (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)
„Es werden strenge Maßnahmen getroffen. Der Unterricht wird in Gruppen von maximal 15 Kindern verlaufen. In jeder Bank soll nur ein Kind sitzen. Die Zusammensetzung der Kindergruppen darf nicht geändert werden. Im Vordergrund stehen hygienische Regeln.“

Im Gespräch ist außerdem, dass die Schüler den Unterricht freiwillig besuchen dürfen.

Der Ausstiegsplan rechnet damit, dass sich die epidemiologische Situation in Tschechien gut entwickeln wird. Im Gegenteil könne die Lockerung der Coronavirus-Maßnahmen verlangsamt werden, erklärte Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos):

Adam Vojtěch (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)
„Jeder, der seinen Betrieb öffnet, muss sich dessen bewusst werden, dass es von jedem einzelnen abhängt, ob wir imstande sein werden, die Lockerung fortzusetzen. Oder aber ob wir wegen eines eventuellen Anstiegs der Patientenzahl zum Einfrieren der Maßnahmen greifen müssen. Dieser Zeitplan wird noch durch ein weiteres Dokument ergänzt, in dem die Grundbedingungen für den Betrieb der jeweiligen Geschäfte, Restaurants, Schulen und anderer Einrichtungen beschrieben werden.“

Das Regierungskabinett befasste sich dem Gesundheitsminister zufolge nicht detailliert mit der Frage der Grenzöffnung. Vor Juni werden die Grenzen laut Vojtěch bestimmt nicht geöffnet. Dies hängt seiner Meinung nach auch von der Entwicklung in den anderen Ländern ab.