Corona-Maßnahmen: Der Schnee kommt, die Skigebiete machen dicht

Foto: ČTK / David Taneček

Nur neun Tage lang liefen die Lifte in den tschechischen Mittelgebirgen. Am Sonntag musste der Betrieb wieder eingestellt werden, weil die Regierung in Prag die Maßnahmen zum Kampf gegen das Coronavirus verschärft hat. Manche Betreiber von Wintersportzentren treibt nun bereits die Angst um vor dem finanziellen Ruin.

Foto: ČTK / David Taneček

Den Hang hinunterzuschwingen, um dann mit dem Lift nach oben zu fahren. Das war am Samstag noch möglich. Selbst der kleine Toník wusste aber, dass er danach seine Ski erst einmal wieder in die Ecke stellen muss…

„Heute ist zum letzten Mal Skifahren. Vielleicht fahre ich heute zehn Mal runter“, so der kleine Junge auf der Piste im Böhmerwaldort Kvilda / Außergefild.

Die Skigebiete müssen den Betrieb ausgerechnet jetzt stoppen, da sich der Winter ankündigt und Schnee erwartet wird. Das schränkt auch Matěj Janda aus Prachatice / Prachatitz ein:

„Das ist schade, da ich Student bin und als Skilehrer mein Studium finanziere. Ich unterrichte in einer Skischule sowohl Abfahrt als auch Snowboard.“

Skigebiet Dolní Morava  (Foto: Jan Ptáček,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Vor allem sind aber Hoteliers, Wirte und Liftbetreiber geschädigt von den schärferen Corona-Maßnahmen. Für sie hätte in diesen Tagen die Hauptsaison begonnen. Tomáš Drápal leitet als Manager das Skigebiet Dolní Morava / Nieder-Mohrau am Fuß des Králický Sněžník / Glatzer Schneeberg. Am Sonntag sagte er in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Murphys Gesetz funktioniert wieder einmal prächtig: Heute scheint die Sonne, und es ist kalt – beste Bedingungen also fürs Beschneien und Skifahren. Aber die Skigebiete sind geschlossen.“

Einige wenige Wintersportbegeisterte waren dennoch auf den Pisten – sie mussten zu Fuß den Hang hochstapfen, um dann abfahren zu können. So wie dieser Herr:

Skigebiet Dolní Morava  (Foto: Karel Macalík,  Flickr,  CC BY 2.0)

„Es ist super. Das Wetter ist toll. Erstaunlicherweise ist es leichter, nach oben zu gehen als hinunterzufahren. Denn die Piste ist nicht präpariert und vereist. Das ist sicher nicht für jeden etwas.“

Noch ein paar Familien mit Kindern tummelten sich ebenfalls am Sonntag in Dolní Morava im Schnee. Aber alle, die sich vom Skibetrieb ernähren, haben gar nichts davon.

„Das lässt sich mit nichts vergleichen, was wir schon erleben mussten. Alle Gästebetten sind leer. Unsere Einnahmen liegen bei maximal zehn Prozent der sonst gängigen Zahlen“, sagt Manager Tomáš Drápal.

Areal Čeřínek  (Foto: Daniela Brychtová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Niedriger gelegene Skigebiete haben sogar noch weniger als die bisherigen neun Tage von der Saison gehabt. So etwa das Areal Čeřínek auf der Böhmisch-Mährischen Höhe. Vladimír Cháb leitet dort den Betrieb und sagte am Samstag:

„Wir haben erst den vierten Tag offen. Leider beginnt die Saison normalerweise genau am 26. Dezember. Ich hoffe, dass die da oben vernünftig werden und uns schnell wieder machen lassen. Ansonsten ist das unlogisch. Ob wir fünf Prozent mehr oder weniger Verlust machen, ist egal. Aber wenn wir nicht wieder anfahren können, wird uns das vernichten.“

Die schärferen Corona-Maßnahmen sollen bis mindestens bis 10. Januar in Kraft bleiben. Vielleicht dauert es aber auch deutlich länger, bis die Ansteckungszahlen wieder zurückgehen. In den tschechischen Skigebieten hofft man jedoch, eine Ausnahmeregelung zu erhalten und trotz Hygiene-Beschränkungen den Betrieb aufnehmen zu dürfen.

Autoren: Till Janzer , Anna Vrhelová , Josef Ženatý
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