Corona und Trainingsrückstand: Tschechische Biathleten ersatzgeschwächt in Oberhof

Das thüringische Oberhof liegt Luftlinie nur rund 70 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Dennoch wird das Team aus dem Nachbarland beim dortigen Biathlon-Weltcup erst einmal geschwächt antreten. Denn Corona und Trainingsdefizite sind im tschechischen Männer-Team derzeit ein Problem.

Michal Krčmář  (Foto: Pavel Petr,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Erwischt hat es Michal Krčmář und Adam Václavík, zwei wichtige Stützen des tschechischen Teams. Sie wurden Anfang der Woche positiv auf Corona getestet. Dabei sind auch sie seit Saisonbeginn nur in der Blase gewesen, das heißt ohne Kontakte zu Personen außerhalb der Biathlon-Welt. Deswegen wunderte sich der 29-jährige Krčmář über den positiven Befund.

„Ich weiß wirklich nicht, wie es dazu kommen konnte. Vor allem weil alle anderen, die mit Adam und mir in den Hotels waren, negativ geblieben sind“, so der etwas ratlose Biathlet.

Um sich nicht vielleicht doch anzustecken, hatte der derzeit beste Tscheche im Weltcup sogar auf die Weihnachtsfeier in der Familie verzichtet. Raus aus dem Training ging es nur einmal: Ende Dezember bestritt Krčmář zusammen mit dem weiblichen Star des tschechischen Teams, Markéta Davidová, die World Team Challenge im bayerischen Ruhpolding. Danach fuhr man zu weiteren Vorbereitungen ins slowenische Pokljuka, wo im Februar auch die Weltmeisterschaften stattfinden werden. Krčmář beteuert, alle Kontaktsperren und Abstandsregeln beachtet zu haben. Und ähnlich äußerte sich auch der Trainer des Männerteams, Ondřej Rybář:

Ondřej Rybář  (Foto: Pavel Hrdlička,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0)

„In diesen Zeiten kann man sich kaum noch bei etwas sicher sein. Aber ich würde nicht sagen, dass wir etwas vernachlässigt haben. Und wir unternehmen nun alles, damit sich das Virus nicht weiter im Team verbreitet. Für uns alle war es eine Überraschung, dass die beiden positiv getestet wurden.“

Michal Krčmář hat sich damit abgefunden, erst einmal in häuslicher Isolation zu bleiben. Den Auftakt des Weltcups in Oberhof kann er daher nur von der Wohnzimmercouch aus verfolgen:

„Ich schaue mir die Rennen gerne im Fernsehen an und werde daran Spaß haben. Auch wenn mich sicher wurmen wird, dass ich nicht selbst am Start stehe. Allerdings gehen meine Gedanken vor allem in Richtung WM, die in 33 Tagen beginnt. Sollte die Infektion mild verlaufen, bin ich maximal zehn bis zwölf Tage außer Gefecht. Das dürfte keinen entscheidenden Einfluss haben auf meine Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt.“

Oberhof  (Foto: dmytrok,  Flickr,  CC BY-ND 2.0)

Aber zunächst gibt es den Weltcup in Oberhof. Dieser startet am Freitag mit den Sprint-Entscheidungen. Trainer Rybář hat deswegen für das tschechische Männerteam nachnominiert. So werden die Nachwuchs-Athleten Tomáš Mikyska und Milan Žemlička die Plätze der beiden erfahrenen Kollegen einnehmen. Außerdem muss der Coach auf Ondřej Moravec verzichten. Der dreifache Olympiamedaillen-Gewinner bereitet sich derzeit im österreichischen Obertilliach individuell auf die weitere Saison vor. Moravec will erst zur Mixed-Staffel am Sonntag zum Rest des Teams stoßen.

Ondřej Moravec  (Foto: Christian Bier,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0)

„Wir haben schon im Vorfeld abgesprochen, dass es besser ist, wenn ich noch ein bisschen trainiere. Zwar bin ich relativ alt und habe schon viele Stunden Vorbereitung in all den Jahren hinter mich gebracht. Dennoch gilt weiter für mich, dass ich besser aus einem guten Training in den Wettkampf gehe. Ich bin nicht der Typ, den auch die Weltcup-Rennen nach vorne bringen“, so Moravec in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Das hat sich im Dezember auch in den Ergebnissen gezeigt. Der 36-jährige Biathlet startete in Kontiolahti mit den Plätzen fünf und zehn in die Saison. In Hochfilzen kam Moravec hingegen nicht über Rang 27 hinaus. Dabei möchte der derzeit zweitälteste Weltcup-Teilnehmer bei der WM in Pokljuka gerne seine Medaillen-Sammlung erweitern. Schließlich soll die derzeitige Saison die letzte seiner aktiven Karriere sein, und da will man nicht einfach so im Nichts verschwinden. Moravec hat bisher einmal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze bei Weltmeisterschaften gewonnen.

Autoren: Till Janzer , David Nyč
schlüsselwort:
abspielen