Coronavirus: Prachatice und Prag sind aktuelle Hotspots in Tschechien

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In Tschechien werden die Bürger für ihre offenbare Sorglosigkeit nach dem Wegfall der Mundschutzpflicht derzeit wohl gerade von der Realität der weiter existierenden Coronavirus-Pandemie eingeholt. In einer Region nach der anderen Region tauchen weitere Hotspots auf. Deswegen müssen die zuständigen Gesundheitsämter die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Covid-19-Erregers wieder verschärfen.

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Das sehr beschauliche Südböhmen galt lange Zeit als die Corona-sicherste Gegend in Tschechien. Mit 43,63 Fällen auf 100.000 Einwohner verzeichnete der gleichnamige Kreis die bislang niedrige Ansteckungsrate aller hiesigen Regionen. Doch in den letzten sieben Tagen wurden allein aus Prachatice / Prachatitz 53 Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet. Zur aktuellen Lage in ihrem Zuständigkeitsgebiet sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes in Südböhmen, Kvetoslava Kotrbová, am Mittwoch in den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Momentan haben wir im Kreis Südböhmen 74 Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Einen recht großen Infektionsherd gibt es in Prachatice, es handelt sich dabei um den gegenwärtig zweitgrößten Hotspot in Tschechien. Natürlich sind wir sehr konzentriert auf diese besondere Situation eingegangen, die wir seit Donnerstag voriger Woche registrieren, als uns der erste positive Fall von dort gemeldet wurde. Gleich am Freitag haben wir 80 damit verknüpfte Kontakte untersucht. Dies geschah in einer großen Prachatitzer Firma, in der der Fall auftauchte, sowie in einem Heim für Saisonarbeiter, in dem ein großer Teil der Beschäftigten der Firma untergebracht ist.“

Prachatice (Foto: Štěpánka Budková)

Des Weiteren informierte Kvetoslava Kotrbová darüber, mit welchem Ergebnis die erste Testserie in Prachatice ausgefallen ist:

„Wir haben die Kontaktpersonen des Infizierten in der Unterkunft augenblicklich getestet. Von den 80 untersuchten Personen wurde bei 24 ein positiver Befund festgestellt. 17 von ihnen leben in der Unterkunft, davon wurden 15 Personen von den anderen Heimbewohnern isoliert. Die übrigen zwei sind aufgrund von Erkrankungssymptomen in einer Klinik untergebracht.“

Doch damit nicht genug. Weil das ganze Ausmaß der Ansteckungen in der Firma Intica Systems offenbar noch nicht exakt erfasst werden konnte, hat das Gesundheitsamt in Südböhmen ab Mittwoch eine zweite Testserie angeordnet. Sie soll bei 330 Beschäftigten des Unternehmens bis einschließlich Freitag durchgeführt werden. Die jeweiligen Testergebnisse würden dann jeweils einen Tag später vorliegen, versicherte Kotrbová.

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Durch diesen Hotspot muss sich aber auch die gesamte Region auf die veränderte epidemiologische Lage einstellen. Zu den Maßnahmen, die dazu getroffen wurden, sagte Kotrbová:

„Wir haben Maßnahmen sowohl für Prachatice und die umliegenden Gemeinden als auch für den Kreis Südböhmen festgelegt. In Prachatice und Umgebung muss in allen öffentlichen Gebäuden und im öffentlichen Nahverkehr ein Mund- und Nasen-Schutz getragen werden. Für den gesamten Kreis gilt die Maskenpflicht für Krankenhäuser, Apotheken, Seniorenheime und Ämter.“

Einen starken Corona-Ausbruch meldet ebenso das Gesundheitsamt in Prag. In der Hauptstadt wurden am Dienstag 101 neue Infektionsfälle bestätigt, dass ist die höchste Zahl seit Anfang März. Dazu sagte die Leiterin des dortigen Gesundheitsamtes, Zdeňka Jágrová, unter anderem:

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„Es nehmen immer noch die positiven Fälle zu, die mit dem Ausbruch im Nachtklub Techtle Mechtle zusammenhängen. Bis zum heutigen Tag wurden insgesamt 158 Fälle gemeldet, 90 von ihnen waren direkte Teilnehmer der Unterhaltungsveranstaltung in dem Klub, alle anderen sind folglich deren dementsprechenden Kontaktpersonen. Die Zahl ist so groß, weil an der Aktion viele junge Leute von Prager Sportvereinen teilnahmen, und zwar Fußballer, Floorballer und weitere Sportler.“

Zudem seien unter den Infizierten vom Dienstag mehrere Kinder, die an einem der vielen Ferienprogramme in der Hauptstadt teilgenommen haben, sowie Einzelpersonen, ergänzte Jágrová. Aufgrund der neuen Situation denkt man nun in der Moldaumetropole erneut über eine Verschärfung der Mundschutzpflicht nach. Sie soll beispielsweise von der Benutzung der Metro auch wieder auf alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt werden. Zurzeit gilt sie zudem für den Besuch von Krankenhäusern und Ambulanzen.