Das Eschensterben in tschechischen Wäldern – Asiatischer Pilz befällt die Bäume

Eschensterben

Schon seit vielen Jahren werden die Eschen in Tschechien von einem Krankheitserreger bedroht. Betroffen sind Bäume jeglichen Alters in Wald und Flur. Experten sagen, es gebe bisher kein effektives Mittel gegen den aus Asien stammenden Pilz.

Falsches Weißes Stengelbecherchen | Foto: Björn S...,  Flickr,  CC BY-SA 2.0

Der Pilz heißt „Falsches Weißes Stengelbecherchen“. Was so lieblich klingt, ist eine Katastrophe für die Eschen. Denn der Befall mit dem Krankheitserreger führt dazu, dass die Bäume ihre Blätter verlieren, die Kronen sich lichten und sich später auch die Rinde schält. Die befallenen Eschen sind dann schutzlos gegenüber weiteren Schädlingen.

Laut einigen Berichten starben bereits in den 1990er Jahren die ersten Eschen in Tschechien an dem Pilz. Nachgewiesen wurde er aber erst 2007 in einer Universitäts-Baumschule nahe des Ortes Křtiny in Südmähren. Libor Jankovský ist Dekan der Fakultät für Forstwesen und Waldtechnologie an der Mendel-Universität in Brno / Brünn, die die Baumschule betreibt. Vor Ort erläutert er:

Libor Jankovský | Foto:  Mendel-Universität in Brno

„Hier ist zu sehen, dass die Infektion sogar in die gesunden Teile des Stammes eindringt. Von außen ist der Bereich grün, aber innen ist er bereits verfault – trocken und abgestorben. Ich erinnere mich, wie dieser Baum noch eine wunderbare schirmförmige Krone hatte. Jetzt ist nur noch ein Stumpf übriggeblieben.“

Die Pilzsporen dringen über die Blätter und die Triebe in den Baum ein. Sie wandern dann weiter in die Zweige, den Stamm und manchmal sogar bis in die Wurzeln. „Eschentriebsterben“ heißt daher die Krankheit, die durch den Pilz verursacht wird. Da sich die Sporen durch den Wind ausbreiten, ist der Kampf gegen den Schädling enorm schwierig.

Nicht einmal ein Aufforsten hilft wirklich. Denn selbst Setzlinge und junge Bäume würden befallen, sagt Libor Jankovský. Seine Empfehlung daher:

Eschensterben | Foto: Lamiot,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0 DEED

„Die einzige Sicherung gegen jegliche Art von Krankheit ist eine breite Palette an forstwirtschaftlichen Maßnahmen, eine ausreichende Artenvielfalt in unseren Wäldern und eine große genetische Diversität bei Nutzhölzern. In den Städten lässt sich das Infektionsgeschehen dadurch reduzieren, dass das Laub vom Boden entfernt wird und wir eine Ausbildung des Pilzes an den Blattstielen verhindern.“

Das Eschensterben hat auch zu einem zunehmenden Holzschlag bei dieser Baumart geführt. So wurden im vergangenen Jahr in Tschechien laut Statistikamt mehr als 230.000 Kubikmeter Eschenholz geschlagen – das war fünfmal mehr als noch in der Mitte der 1990er Jahren. Dabei sagt die Sprecherin der staatlichen Forstverwaltung, Eva Jouklová:

Eschensterben | Foto:  Fera Science,  Wikimedia Commons,  OGL v1.0

„Eschen machen nur knapp ein Prozent der staatlichen Forste aus. Das bezieht sich genauso auf die Niederungen wie die Mittelgebirge, sie sind vor allem in Mischwäldern anzutreffen. Dort dürfte das Eschensterben dann auch meist nicht zu bemerken sein. Anders ist dies in den Auenwäldern, wo sie einen beträchtlichen Teil des Holzes stellen.“

So zum Beispiel in Südmähren oder im Elbtal. Die Eschen sind aber nicht die einzigen Laubhölzer, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts von invasiven Schädlingen befallen wurden. So wurden hierzulande Ulmen von einem Pilz dezimiert, der von Insekten weiterverbreitet wurde. Und aktuell kämpfen Erlen und Ahornbäume mit ähnlichen Krankheiten. Laut Libor Jankovský von der Mendel-Universität würde aber am meisten Schaden anrichten, wenn ein Schädling nach Tschechien eingeschleppt würde, der die Buchen angreift. Das sind nämlich die häufigsten Laubbäume in den hiesigen Wäldern.

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