Das neue Weihnachtssymbol: Licht aus Bethlehem

Pfadfinder mit dem Licht aus Bethlehem (Foto: Filip Jandourek, Tschechischer Rundfunk)

Nach der Wende von 1989 ist es in Tschechien zu einem der Weihnachtssymbole geworden: das Licht aus Bethlehem, das durch Europa getragen wird. Am vergangenen Freitag brachten Pfadfinderinnen und Pfadfinder das Licht in den Prager Veitsdom.

Licht aus Bethlehem im Veitsdom  (Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk)
Am vergangenen Freitagnachmittag strömten in den Veitsdom auf der Prager Burg neben Touristen auch Menschen, die Laternen, Petroleumlampen oder nur Kerzen in der Hand trugen. Sie waren gekommen, um eine Flamme am Licht aus Bethlehem zu entzünden und so das Licht mit nach Hause zu nehmen - beispielsweise in einer Laterne.

Die Idee, ein Licht aus Bethlehem in weitere Länder zu verbreiten, entstand 1986 im ORF-Studio in Linz. In die Tschechoslowakei wurde dieses Licht zum ersten Mal im Dezember 1989 getragen, erinnerte sich der Vorsitzende der tschechischen Pfadfinder, Josef Výprachtický:

Pfadfinder mit dem Licht aus Bethlehem  (Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk)
„Damals haben im Exil lebende Pfadfinder das Licht mitgebracht. Bei uns hat es bis ins Jahr 1990 gedauert, dass wir auch hierzulande die Pfadfindertätigkeit wieder aufgenommen haben.“

Die kleine Flamme, die um die Welt geht, wird seit 1986 jedes Jahr in der Adventszeit in der Geburtsgrotte von Bethlehem entzündet, und zwar von einem Kind aus Oberösterreich. Mit dem Flugzeug wird das Licht dann nach Wien gebracht und von dort aus in weitere Länder.

Die Übergabe des Bethlehem-Lichtes ist ein feierlicher Moment. Der Prager Erzbischof Dominik Duka übernahm es von den Pfadfindern und zündete damit eine Kerze in einer der Domkapellen an. Laut den österreichischen Initiatoren soll das Licht als eine Art Friedensbote durch die Welt gereicht werden und die Geburt Jesu verkünden. Dabei gehe es nicht nur um den Frieden im politischen Sinne, sondern auch um den Frieden in den Herzen, in der Menschenseele, sagte der Prager Erzbischof. Was bedeutet für Dominik Duka der Begriff Bethlehem, den die meisten mit der Weihnachtskrippe verbinden?

Josef Výprachtický
„Jeder von uns ist eigentlich ein Kind, mich eingeschlossen. Meine Kindheit war nicht so einfach, ich bin während der Kriegszeit geboren. Als ich ein paar Monate alt war, ist mein Vater nach Großbritannien gegangen. In den 1950er Jahren erlebte ich Weihnachten wieder ohne Vater, weil er im kommunistischen Gefängnis saß. Trotzdem war für mich das Weihnachtsfest das schönste Fest und zudem ein Fest der Hoffnung. Meine Hoffnungen hat damals das Jesuskind aus Bethlehem erfüllt: Mein Vater kehrte aus dem Krieg sowie aus dem Gefängnis zurück. Ich hoffe, dass wir auch die Krisen der Gegenwart mit Gottes Hilfe überwinden werden.“

Das Licht aus Bethlehem brennt nun nicht nur im Prager Veitsdom und in vielen anderen Kirchen im ganzen Land, sondern auch beispielsweise in der Prager Stadtbibliothek oder im Kulturministerium.