Friedenslicht in Tschechien: Weihnachtstradition wird auch in Corona-Pandemie aufrechterhalten

Foto: ČTK / Václav Šálek

Das sogenannte Friedenslicht ist auch in Tschechien schon zu einer modernen Weihnachtstradition geworden. Seit mehr als 30 Jahren wird es in der Adventszeit im Land verteilt. Am Sonntag brachten Pfadfinder die Flamme von der österreichischen Grenze nach Brno / Brünn. Wegen der Corona-Pandemie unterlag ihre Reise strengen Auflagen.

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Der Brünner Bischof Vojtěch Cirkle segnete am Sonntag das Licht aus Bethlehem. Alljährlich wird vor Weihnachten das Friedenslicht durch die Welt getragen. Es stammt aus der Höhle in Betlehem, in der Jesus Christus der Legende nach geboren wurde. Seit der Österreichische Rundfunk 1986 den Brauch des Friedenslichts begründet hat, war es immer ein Kind aus dem Alpenland, das in Israel eine Kerze entzündete und ihre Flamme mit nach Hause brachte. Da in der Corona-Pandemie alles anders ist, war in diesem Jahr ein Sicherheitsbeauftragter der Austrian Airlines damit betraut, das Licht nach Wien zu begleiten.

Den Österreichern liegt viel an dieser Tradition, die auch und gerade in Pandemie-Zeiten fortgeführt wird. Unter den nötigen Kontaktbeschränkungen wird das Licht nun von den Pfadfindern in Europa und Amerika verteilt. Tschechische Jugendliche konnten deswegen nicht, wie gewohnt, in größerer Aktion nach Linz oder Wien fahren. Die Übergabe fand am Sonntag im kleinsten persönlichen und zeitlichen Rahmen am Grenzübergang Mikulov-Drasenhofen statt. Jan Svoboda war vor Ort und fühlte sich an die Anfänge des Friedenslichtes in Tschechien erinnert. Gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen sagte er:

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„Ich habe die Übergabe 1990 organisiert. Damals haben wir die Flamme direkt an der Grenze abgeholt. Jetzt, nach 30 Jahren, schließt sich dieser Kreis wieder.“

Eine der Jugendlichen, die die Flamme am Sonntag mit einem langen Holzstäbchen in ihre Laterne übernahm, war die 19-jährige Kateřina Svobodová. In den vergangenen Jahren ist sie schon mehrfach zu Besuch in Österreich gewesen, um das Friedenslicht abzuholen. Gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks berichtete sie:

„Es war dieses Jahr anders. Die Flamme bedeutet für uns Hoffnung, vor allem in dieser schweren Zeit. Auch wenn wir dieses Jahr nicht in Wien sein konnten, waren wir froh, dass wir wenigstens zur Grenze gefahren sind und die österreichischen Pfadfinder getroffen haben. Damit konnten wir die Tradition aufrechterhalten.“

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Normalerweise wird das Friedenslicht in Tschechien immer mit dem Zug transportiert. In Corona-Zeiten lassen die Organisatoren größere Vorsicht walten. Deswegen ist die Vierer-Delegation, der Kateřina angehörte, mit dem Auto zur Grenze und zurück gefahren. In Břeclav / Lundenburg stieg sie dann um und fuhr zumindest symbolisch mit dem Zug in Brünn ein.

Dort brachten die vier Jugendlichen die Flamme zur Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale, wo sie vom Bischof gesegnet wurde. Von dort aus brechen die Pfadfinder am kommenden Samstag auf und verteilen das Licht in ganz Tschechien. Auch hierbei würden strenge Vorschriften gelten, betont Koordinator Jiří Dorazil:

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„Wir werden darauf achten, dass die Übergabe vom Zug aus so schnell wie möglich abläuft. Die Bevölkerung ist aufgerufen, diesmal nicht direkt auf den Bahnsteig zu kommen. Dort übernimmt nur eine kleine Gruppe Pfadfinder die Flamme von den Kurieren und verteilt sie dann im Ort weiter.“

Insgesamt 600 Ziele fahren die Kuriere am Samstag an. Das Friedenslicht steht dann bei den örtlichen Pfadfindern oder in Kirchen bereit, wo es sich die Menschen abholen und mit nach Hause nehmen können.