Das Prager S-Derby heizt die Gemüter an - Im Eishockey darf sich der Sieger Meister nennen

Foto: Ruth Livingstone / Stock.XCHNG

Wer sich dem tschechischen Tennissport verbunden fühlt, der muss schon mit etwas Wehmut weit in die Vergangenheit zurückblicken, um bei den Herren auf Erfolge zu stoßen. Der einzige Wimbledonsieg eines Tschechen wurde 1973 von Jan Kodes errungen.

Die Tops und Flops der tschechischen Sportwoche

Foto: Ruth Livingstone / Stock.XCHNG
Wer sich dem tschechischen Tennissport verbunden fühlt, der muss schon mit etwas Wehmut weit in die Vergangenheit zurückblicken, um bei den Herren auf Erfolge zu stoßen. Der einzige Wimbledonsieg eines Tschechen wurde 1973 von Jan Kodes errungen. Der legendäre Ivan Lendl konnte im Tennis-Mekka zwar nie gewinnen, dafür aber in den 1980er Jahren gleich acht Mal die Grand-Slam-Turniere in Australien, Frankreich und den USA. Allerdings in der Mehrzahl bereits als US-Bürger. Attraktives Tennis spielten zu jener Zeit auch Tomas Smid und Pavel Slozil, der später auch Steffi Graf trainierte. Alle vier gemeinsam aber sorgten 1980 für den bisher größten Mannschaftserfolg der tschechischen Tennisherren, als sie sich im Finale des Davis Cups mit 4:1 gegen die Italiener durchsetzten. Im Davis Cup gehörten die tschechischen Männer lange Jahre der Weltspitze an oder wussten mit konstant guten Leistungen zu überzeugen. Das gilt allerdings nicht mehr für die jüngere Vergangenheit, in der es ständig bergab ging, auch weil neue Talente Mangelware sind. Vorläufiger Tiefpunkt war der vorjährige Abstieg des Herrenteams aus der Weltgruppe, so dass sie sich in diesem Jahr erstmals in der Europa-Afrika-Gruppe behaupten müssen. In dieser mussten sie am vergangenen Wochenende in Marokko ran, wo sie keine Mühe hatten, den Gastgeber mit 5:0 in die Schranken zu verweisen. Das bedeutet, dass sie nun in der Relegation im September wieder um den Aufstieg in die Weltgruppe kämpfen dürfen. Daher konnte Teamkapitän Cyril Suk am Sonntag auch ein zufriedenes Fazit ziehen:

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"Ich bin selbstverständlich sehr zufrieden, dass wir 5:0 gewonnen haben. Wichtig waren vor allem die beiden Siege der Jungs am Freitag in den Auftakteinzeln, die uns in diesem Duell gleich auf das richtige Tempo gebracht haben. Das größte Problem für uns war noch am ehesten der Belag der Tennis-Spielfläche. Er war in einem sehr schlechten Zustand, so dass die Bälle wirklich unrund abgesprungen sind."

Einen Tag früher, am Samstag, rollte in Prag zwar nur ein Ball, dafür aber sprangen die emotionalen Wogen in der Hauptstadt umso höher. Denn in der höchsten Fußballklasse des Landes, der Gambrinus Liga, stand ein weiteres Mal das brisante Derby zwischen den Traditionsvereinen Sparta und Slavia Prag auf dem Programm. Slavia, in den letzten Jahren der ewige Zweite in Prag hinter dem Erzrivalen, hatte das Heimspiel in der Hinrunde klar mit 4:1 gewonnen. Dieses Ergebnis, sowie die Tatsache, dass man in dieser Saison selbst nur Mittelmaß verkörpert, wurmten die "Spartaner" mächtig. Deshalb wurden schon vor der Partie am Samstag viele verbale Attacken und Sticheleien über die Medien geritten. Die Stimmung war angeheizt wie lange nicht, was aber zur Folge hatte, dass über 20.300 Zuschauer in die Toyota Arena kamen. Das ist neuer Derby-Rekord für das nach der Wende umgebaute Sparta-Stadion. Und die Live- wie TV-Augenzeugen bekamen auch ein rassiges und spannendes Derby geboten, in dem Sparta die erste Halbzeit ziemlich klar dominierte. Der Lohn waren die 1:0-Führung und der spätere 2:1-Sieg, auch wenn man sagen muss, dass der Schiedsrichter in seiner Regelauslegung relativ einseitig zugunsten der Gastgeber pfiff. Der Siegesfreude beim tschechischen Meister tat das jedoch keinen Abbruch. Spartas 1:0-Torschütze Zdenek Pospech frohlockte:

"Ein Derby wie gemalt: die Kulisse ausgezeichnet, sehr guter Fußball und auch das Ergebnis für uns hat gestimmt. Auch mir persönlich ist ein gutes Spiel geglückt, aber dass es nun gleich mein bestes Match für Sparta gewesen sein soll, das sehe ich nicht so. Ich habe hier schon mehrere gute Spiele gemacht."

Die SPORT- Reportage

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Das Stadtderby zwischen Slavia und Sparta Prag steht dieser Tage auch in der zweiten großen Publikumssportart der Tschechen, dem Eishockey, voll und ganz im Rampenlicht. Es wird in den Punktspielen der Tipsport-Extraliga zwar Jahr für Jahr je viermal ausgetragen, und so manch heißes Duell fand auch schon in den Play offs statt. Aber noch nie war es der abschließende Höhepunkt, das Play off-Finale, das seit 2003 als Best of seven-Serie ausgetragen wird. Bis zu dieser Saison, denn seit Sonntag stehen sich die beiden Renommierclubs eben gerade in dieser Endspielserie gegenüber. Die ersten beiden Partien in der modernen Sazka Arena, der Heimstätte des favorisierten HC Slavia, sind absolviert, und zwar mit dem Resultat, dass beide Teams je einen Sieg auf der Habenseite verbuchen konnten. Beim Auftaktspiel am Sonntag waren es die Gäste, die mit dem Ergebnis von 4:3 nach Penaltyschießen das bessere Ende für sich hatten. Einer, der daran sehr großen Anteil hatte, war ihr Angreifer Petr Ton:

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"Wir haben etwas vorsichtig begonnen, denn Slavia hatte einen Tag länger Pause und auch zwei Spiele weniger in den Knochen. Aber nach und nach sind wir immer besser ins Spiel gekommen, und selbst als wir dann knapp fünf Minuten vor der dritten Sirene 1:3 hinten lagen, haben wir uns nicht aufgegeben. Das schnelle Anschlusstor zum 2:3 hat uns richtig aufgemöbelt. Ich bin froh darüber, dass ich danach noch den Ausgleich erzielen konnte und dass ich dem Team mit dem verwandelten Penalty zum Sieg verholfen habe. Wir wollten die Partie zwar schon in der Verlängerung entscheiden, aber wir haben auch an unsere Chance im Penaltyschießen geglaubt. Und da hatten wir dann auch etwas mehr Glück."

Das Glück es Einen ist bekanntlich immer das Pech des Anderen. Ein solcher Pechvogel war Slavia-Stürmer Tomas Vlasak, der in den Play off-Viertel- und Halbfinals nicht weniger als fünf Penalties verwandelte, diesmal aber am überragenden Sparta-Goalie Petr Briza scheiterte.

Jan Marek  (Sparta) und Tomas Vlasak  (Slavia),  Foto: CTK
"Das ist natürlich eine große Enttäuschung für uns, denn wir hatten das Spiel gut im Griff und durften es beim Stand von 3:1 vier Minuten vor Schluss einfach nicht mehr aus der Hand geben. Selbstverständlich haben wir uns bemüht, den Gegner in den Schlussminuten von unserem Tor fernzuhalten, doch unsere Fehler beim Spielaufbau hat Sparta gleich bestraft. Wir müssen diese Niederlage aber schnell hinter uns lassen und alles dafür tun, dass wir zu den beiden Spielen bei Sparta mit dem Zwischenstand von 1:1 antreten."

Nur 24 Stunden später haben die Schützlinge von Slavia-Trainer und -Manager Vladimir Ruzicka ihr Vorhaben dann auch umsetzen können und die zweite Begegnung mit 2:1 gewonnen. Die Rollen der beiden Assistenztrainer auf der nachfolgenden Pressekonferenz waren daher klar verteilt. Spartas "Assi" Marian Jelinek zeigte sich dennoch nicht ganz unzufrieden:

"Wir haben das Spiel 1:2 verloren. Dazu ist nur zu sagen, dass wir ein ganz anderes Spiel als gestern gesehen haben: Im ersten Drittel war Slavia das eindeutig bessere Team, danach wurde die Begegnung immer ausgeglichener, es ging hin und her, aber leider haben wir das Anschlusstor zum 1:2 im dritten Drittel relativ spät erzielt. Für uns ergibt sich daraus aber die Erkenntnis, dass wir Slavia bei jedwedem Spielstand Paroli bieten können, und wir dürfen auch zufrieden sein, da wir mit einem Sieg im Gepäck die Heimreise antreten."

Petr Briza  (Foto: www.hcsparta.cz)
Sein Vis-a-vis, Slavias Co-Trainer Ondrej Weissmann, sah das Ganze etwas nüchterner und konstatierte:

"Also ich denke, dass wir erneut ein interessantes und ausgeglichenes Spiel gesehen haben. Für uns war es selbstverständlich von Vorteil, dass wir gleich im ersten Drittel eine Zwei-Tore-Führung herausschießen konnten. Ein wenig ärgert uns dagegen das Ende der Partie, als uns Sparta etwas dominiert hat und zu Chancen kam, so dass wir mit etwas Angst im Nacken nur noch verteidigt haben. Auf jeden Fall aber muss ich den Jungs ein Lob dafür aussprechen, dass sie sich nach dem gestrigen Spiel aufgerafft und eine gute Leistung abgeliefert haben."

Wie immer schreiben sportliche Duelle so ihre eigenen Geschichten. Neben Akteuren, die entscheidende Fehler machen, treffen wir andererseits auf solche, die als Helden oder Publikumslieblinge verehrt werden. Einer der letzteren Vertreter ist der bereits erwähnte Torhüter des HC Sparta, der 41-jährige Petr Briza. Trotz dieses für einen Leistungssportler ziemlich hohen Alters ist er kein bisschen müde, sondern immer noch ein Tausendsassa zwischen den Pfosten. Deshalb ist es schon kein Wunder, dass sein Name von den Sparta-Fans immer wieder skandiert wird:

Welches der beiden großen Fanlager jedoch am Ende der Serie jubeln und welcher der beiden Kapitäne dann den Meisterpokal in die Höhe strecken darf, das wird man frühestens am Ostermontag erfahren, wenn das fünfte Spiel der Serie ausgetragen wird. Im Falle dessen, dass danach noch keine der beiden Mannschaften vier Siege eingefahren hat, müssen das sechste Match am 21. April oder das ultimative Duell am 23. April die Entscheidung bringen.

Autor: Lothar Martin
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