Datenschutz-Antipreise gehen an Meta, Volkswagen und das tschechische Innenministerium

Die tschechische NGO Iuridicum Remedium hat am Dienstag erneut ihren Antipreis Big Brother Award vergeben. Damit wird auf Firmen und Behörden hingewiesen, die persönliche Daten ihrer Nutzer anhäufen und in deren Privatsphäre eingreifen.

Sieger in der Kategorie des „Amtsschnüfflers“ sind das tschechische Innenministerium als Initiator und das Industrie- und Handelsministerium als Umsetzer einer Gesetzesnovelle. Durch diese sollten flächendeckend Daten über besuchte Websites in Tschechien gesammelt werden. Nach der Kritik von Journalisten und Teilen der Öffentlichkeit wurde die Initiative zurückgezogen. Das Innenministerium wurde dabei schon im vergangenen Jahr mit einem Big Brother Award bedacht, damals für einen Gesetzesvorschlag, der die Nutzung von Kamerasystemen zur Gesichtserkennung vorsah.

Die US-amerikanische Firma Meta wurde von Iuridicum Remedium für ihre Anwendung „Meta pixel“ kritisiert. Diese verknüpft Informationen aus den Apps auf dem Mobiltelefon der Nutzer und gibt sie an Meta weiter, um gezielt Werbung auf Facebook und Instagram platzieren zu können.

Der deutsche Autohersteller Volkswagen erhielt den Antipreis für ein massives Datenleck, durch welches sich der Standort und die Nutzerdaten von Elektrofahrzeugen der Marken VW, Audi, Seat und Škoda nachvollziehen ließen. Aus den öffentlich einsehbaren Daten konnte etwa geschlussfolgert werden, wo sich die Fahrzeuge der Hamburger Polizei befanden oder welche Orte die Verwaltungsräte größer deutscher Konzerne frequentierten.

Iuridicum Remedium hat allerdings auch einen positiven Preis vergeben. Mit diesem wurden Studenten der Brünner Masaryk-Universität ausgezeichnet. Sie hatten sich dagegen gewehrt, dass ihre ISIC-Studierendenausweise künftig nur noch in digitaler Form auf dem Smartphone gelten sollten. Sie argumentierten mit Datenschutzbedenken und damit, dass es nicht hinnehmbar sei, Studierende zu drängen, ein Smartphone zu nutzen. Der Widerstand der Studenten überzeugte schließlich auch die Universitätsleitung.

Mit den Big Brother Awards will Iuridicum Remedium auf besonders schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre hinweisen und zu einer öffentlichen Debatte anregen. Nominierungen können von der Öffentlichkeit eingereicht werden. Anschließend wählt eine Jury aus IT-Experten, Juristen, Menschenrechtlern und Journalisten die Gewinner der einzelnen Kategorien aus.

Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: ČTK
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